Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Begleitung am Arbeitsplatz - Job-coaching

Wie kann das in der Praxis aussehen?



Autor/in:

Adelfinger, Theresia; Schumann, Ira


Herausgeber/in:

Landesarbeitsgemeinschaft Bayern, Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen e.V.


Quelle:

Bayerisches Integrations Info, 2003, 10. Jahrgang, 2. Halbjahr 03, Seite 28-41, Brennberg: Eigenverlag


Jahr:

2003



Abstract:


ACCESS, 1998 als selbstständige GmbH gegründet, setzt sich für die Integration von Menschen mit Behinderung in das Arbeitsleben ein und unterstützt Menschen mit geistigen oder schweren körperlichen Behinderungen.

Die Arbeit ist in mehrere Schwerpunkte gegliedert.

Das Projekt AKTION BERRUFSPLAN hilft Schülern nicht nur bei der Persönlichen Zukunftsplanung, sondern ermöglicht ihnen durch Praktika Erfahrungen in Betrieben zu sammeln. Im Betrieb werden die Praktikanten mit Lernschwierigkeiten von einem Job-Coach unterstützt, damit das Praktikum für beide Seiten eine positive Erfahrung wird. Die Aufgabe des Job-Coaches ist es, als Vermittler zwischen Unternehmen und Praktikant zu fungieren und auf die besonderen Bedürfnisse der Menschen mit Lernschwierigkeiten hinzuweisen.

Die 18-jährige Schülerin Michaela, die die letzte Klasse auf einer Schule zur individuellen Lebensbewältigung besucht, nimmt an diesem Projekt teil. Sie hat eine nicht näher definierte geistige Behinderung mit leichten cerebralen Bewegungsstörungen, die sich auf die linke Hand auswirken. Michaela ist sehr selbstständig, aufgeschlossen und höflich und zeichnet sich besonders durch ihre Motivation und ihr Durchhaltevermögen aus. Schon zuvor hat sie Praktika absolviert und strebt einen Arbeitsplatz auf dem freien Arbeitsmarkt an.

Michaela arbeitet über einen Zeitraum von acht Wochen als Regalauffüllerin im Lebensmitteleinzelhandel. Drei Tage die Woche arbeitet sie Vollzeit und zu ihren Tätigkeitsfeldern gehören das Einräumen der auf Rollwägen sortierte Ware, das Auffüllen fehlende Produkte und Müllentsorgung. Diese Tätigkeiten verlangen ein gutes Orientierungsvermögen, körperliche Kraft, Anstrengung, Ausdauer und Ordnung. Ansprechpartner für Michaela waren der Marktleiter sowie eine weitere Angestellte. Von ihnen erhielt sie Anweisungen und Erklärungen. Darüber hinaus wurde sie durch einen Jobcoach unterstützt.

Der Jobcoach half Michaela, sich zu orientieren und auf Dinge wie das Haltbarkeitsdatum zu achten. Er machte sich darauf aufmerksam, langsamer zu arbeiten, da sie ihre Bewegungen dann besser unter Kontrolle hat und feinmotorische Aufgaben besser meistern kann. In Gesprächen mit dem Arbeitgeber und Michaela wurde die Integration in das Team besprochen und der Umgang mit Kollegen thematisiert.

Im Projekt des Betrieblichen Arbeitstrainings (BAT) wird Menschen mit Lernschwierigkeiten die Möglichkeit geboten, Praktika in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes zu machen. Die 20 Teilnehmer wollen Erfahrungen im Arbeitsleben sammeln um einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz zu erhalten. Oft sind viele Praktika nötig, bevor ein Unternehmen einen behinderten Arbeitnehmer einstellt.

Das BAT sorgt in erster Linie für eine Arbeitsbegleitung, also die Unterstützung durch einen Job-Coach. Er ist dafür zuständig, beim Erlernen von Tätigkeiten zu helfen und zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu vermitteln. Er sorgt schließlich dafür, dass der Teilnehmer eine für ihn optimale Arbeit in der Firma findet.

Markus ist Teilnehmer am BAT und hat bereits vier Praktika absolviert. Der 19-Jährige besuchte eine Schule zur individuellen Lebensbewältigung und wurde bei fast allen Praktika im Bereich Küche eingesetzt. Momentan geht er einer Helfertätigkeit in der Küche eines Altenheims nach, wo er Gemüse putzt und schneidet, Desserts portioniert und bei der Essensausgabe hilft.

Aufgrund seiner bereits gesammelten Erfahrung im Bereich Küche beherrscht er die Tätigkeiten schon von Beginn des Praktikums an. Ein Arbeitstraining war in diesem Fall nicht nötig, Assistenz durch einen Job-Coach im Bereich der Zusammenarbeit mit Kollegen hingegen schon. Für diese eine neue Erfahrung, mit einem behinderten Kollegen zusammenzuarbeiten und so mussten viele auf die besonderen Bedürfnisse hingewiesen werden. Der Job-Coach fand Aufgaben für Markus, die er regelmäßig verrichten konnte, wodurch seine Arbeitsgeschwingigkeit gesteigert und seine Lernprobleme ausgeglichen werden konnten. Die Kollegen haben somit mehr Zeit für andere Aufgaben. Die Zahl der Fehlzeiten ist seit der Einstellung von Markus allgemein gesunken.

Die Beispiele zeigen, dass die Arbeitsbegleitung von Menschen mit Lernschwierigkeiten für den Erfolg der Integration sehr wichtig ist. Diese ermöglicht, den behinderten Mitarbeiter besser zu integrieren und eine für ihn passende Arbeitssituation zu schaffen. Durch ein Praktikum lernen die Betriebe die Mitarbeiter vor einer Anstellung kennen und können sich mit Hilfe des Job-Coaches auf die neuen Anforderungen an den Arbeitsplatz und den Umgang mit einem behinderten Mitarbeiter einstellen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Landesarbeitsgemeinschaft Bayern, Gemeinsam Leben - Gemeinsam Lernen e.V.
Siegfriedstr. 21
90461 Nürnberg
Homepage: https://www.inklusionleben.com/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZA3200


Informationsstand: 24.01.2006

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