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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Zur Inzidenz und Prävalenz von Mehrfachkrankheiten in Deutschland


Autor/in:

Wiesner, G.; Bittner, E.


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Arbeitsmedizin Sozialmedizin Umweltmedizin (ASU), 2005, 40. Jahrgang (Heft 9), Seite 490-498, Stuttgart: Gentner, ISSN: 0944-6052


Jahr:

2005



Abstract:


Einleitung:

Ein multimorbider Zustand liegt vor, wenn bei der gleichen Person mindestens zwei oder mehrere Krankheiten vorkommen. Bevölkerungsbezogene Aussagen zur Verbreitung von Multimorbidität sind kaum vorhanden. In dieser Studie wird eine Quantifizierung des Krankwerdens (Inzidenz) und des Krankseins (Prävalenz) an Mehrfachkrankheiten auf Bevölkerungsebene vorgenommen, einige Folgen und Konsequenzen von Mehrfachkrankheiten und eine Vorausberechnung der Multimorbidität in Deutschland bis 2050 werden aufgezeigt.

Material und Methode:

Ausgewertet wurden dazu die Daten des Bundes-Gesundheitssurveys 1998 und die Ergebnisse der 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung.

Ergebnisse:

Die jährliche Prävalenzrate der Multimorbidität im Alter von 18-79 Jahren beträgt bei der männlichen Bevölkerung 39,2 Prozent und bei der weiblichen Bevölkerung 57,3 Prozent. Mit zunehmendem Lebensalter steigt auch die durchschnittliche Zahl der Krankheiten. In der 60- bis 79-jährigen Bevölkerung hat etwa jeder sechste Mann und jede vierte Frau fünf und mehr Krankheiten. Die jährliche Inzidenzrate beträgt 5,8 Prozent (männlich) und 6,9 Prozent (weiblich).

Während bei der männlichen Bevölkerung mit ansteigendem Lebensalter auch eine Zunahme der altersspezifischen Inzidenzraten zu beobachten ist, sind bei der weiblichen Bevölkerung bereits im jungen Alter hohe Inzidenzraten zu registrieren, die mit zunehmendem Lebensalter abnehmen. Eine Ausnahme bildet aber die hochbetagte weibliche Bevölkerung (ab 85 Jahren), die extrem hohe Inzidenzraten aufweisen. Die Vorausberechnung von Inzidenz und Prävalenz ergibt, dass im Zeitraum 2018-2025 maximale Prävalenzwerte auftreten und um das Jahr 2018 das Maximum an inzidenten Ereignissen zu erwarten ist. Danach nehmen die Werte bis 2050 wieder deutlich ab und sind niedriger als im Ausgangsjahr der Projektion.

Schlussfolgerung:

Die Quantifizierung multimorbider Zustände auf Bevölkerungsebene zeigt, dass das Vorkommen von Mehrfacherkrankungen/-krankheiten für einen großen Teil der Bevölkerung charakteristisch ist. Multimorbidität ist nicht a priori mit schlechtem Gesundheitszustand gleichzusetzen.

Erst bei der hochbetagten Bevölkerung wird der unvermeidliche biologische Alterungsprozess, der auch unabhängig von Multimorbidität an Behinderung und Gebrechlichkeit beteiligt ist, bestimmend. Die Vorausberechnung der Multimorbidität bis 2050 offenbart, dass die alternde Gesellschaft in Deutschland nicht mit einem 'dramatischen' Anstieg der Multimorbidität konfrontiert werden wird.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

On the incidence and prevalence of polypathia in Germany


Abstract:


Introduction:

Polypathia is diagnosed when two or more illnesses are present at the same time in the one person. Information as to the incidence of polypathia in the population is very scarce. In the present study, data for the numbers of persons developing polypathia (incidence) and of persons with polypathia (prevalence) in the population were obtained, some sequelae and consequences of polypathia described and the development of polypathia in Germany until the year 2050 predicted.

Materials and methods:

To this end, the data from the 1998 Federal Health Survey and the results of the 9th coordinated population forecast were used.

Results:

The annual prevalence of polypathia among persons between 18 and <80 years of age is 39.2 percent in men and 57.3 percent in women. With increasing age, the average number of illnesses involved increases too. In the age group between 60 and <80 years old, every 6th man and every 4th woman has 5 or more illnesses. The annual incidence is 5.8 percent for men and 6.9 percent for women.

Whereas an increase in the age-specific incidence in men is observed with increasing age, the incidence in young women is already high and decreases with increasing age. An exception is the group of aged women (85+ years old) in which the incidence of polypathia is extremely high. Predictive calculations of incidence and prevalence suggest that the maximum prevalence values will be seen in the years 2018 to 2025 and the maximum incidence of new polypathias around the year 2018. Then the values are expected to decrease markedly by the year 2050 to values lower than in the year in which this projection originated.

Conclusions:

Quantification of multimorbid states in the population shows that polypathia is characteristic of a large section of the population. Multimorbidity is not a priori indicative of poor health. Only in the aged is the state of health determined by the normal biological aging processes which contribute to debility and infirmness independently of polypathia. The predicted developments until the year 2050 suggest that the aging society in Germany is not to be confronted with a 'dramatic' increase in polypathia.


Schlagworte:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


ASU - Zeitschrift für medizinische Prävention
Homepage: https://www.asu-arbeitsmedizin.com/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0026/0071


Informationsstand: 27.09.2005

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