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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Was ist eine Berufskrankheit?

Beantwortung einer Leserfrage



Autor/in:

Krasney, Otto Ernst; Prager, H.-M.; Kranig, Andreas [u. a.]


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Arbeitsmedizin Sozialmedizin Umweltmedizin (ASU), 2003, 38. Jahrgang (Heft 8), Seite 448-452, Stuttgart: Gentner, ISSN: 0944-6052


Jahr:

2003



Abstract:


Der Artikel behandelt die Leserfrage, ob eine Berufskrankheit bereits dann vorliegt, wenn der Arbeitnehmer an seiner Arbeitsstelle einer besonderen Schadstoffbelastung ausgesetzt ist.

Der regelwidrige Körper- oder Geisteszustand ist nach § 9 Sozialgesetzbuch VII Voraussetzung für den Eintritt des Versicherungsfalles im Sinne einer Berufskrankheit. Vereinzelt wird von medizinischen Sachverständigen und von Sozialgerichten die Auffassung vertreten, dass der Nachweis einer durch die berufliche Tätigkeit verursachten Arbeitsstoffbelastung, zum Beispiel durch Blei, bereits die Voraussetzung einer Berufskrankheit als Versicherungsfall erfüllt. Der Leser möchte nun wissen, wann und unter welchen Bedingungen erhöhte Schadstoffwerte im Blut als Berufskrankheit Anerkennung finden und somit der Versicherungsfall für den Betroffenen eintritt.

Der Leseranfrage folgen vier Antworten:
1) Professor Krasney schlussfolgert aus einer Reihe von Beispielen früherer Rechtsprechung, dass der Einfluss schädigender Einwirkung auf dem Arbeitsplatz allein keinesfalls ausreiche, um schon deshalb eine Berufskrankheit festzustellen. Das käme auch in einem Urteil des Bayer. LSG von 1989 zum Ausdruck: In dem dieser Entscheidung zugrunde liegenden Fall litt der Versicherte bereits an Blutarmut und mangelnder Nierenfunktion. Streitig war nur, ob diese Befunde auf schädigende Einwirkungen bei dem Versicherten zurückzuführen waren, was das LSG bejahte.

2) Auch Dr. Prager stellt in seiner Antwort fest, dass eine Berufskrankheitsanzeige bei Belastung durch Einwirkung chemischer oder physikalischer Art dann erfolgen sollte, wenn zumindest eine Beanspruchungsreaktion des Körpers offensichtlich sei, oder einwirkungstypische Krankheitssymtome vorliegen.

3) Dr. Kranig und Dr. Mehrtens erläutern an einigen Beispielen, ab wann man von einer Berufskrankheit sprechen kann, und zeigen eine Vielzahl von strittigen Fallbeispielen auf. Zum Beispiel des Leser sagen sie: Die Inkorporation von Blei stelle noch keine Krankheit (Bleivergiftung) dar, die erhöhten Blei-Ausscheidungswerte seien aber Anlass für Präventionsmaßnahmen. Im Unternehmen seien geeignete Maßnahmen gegen die Blei-Exposition zu treffen.

Der Versicherte Arbeitnehmer sei in jedem Fall geschützt, ob durch Präventivmaßnahmegebote, Generalprävention, Individualprävention oder anerkannter Berufskrankheit. Eine in der Sache nicht gebotene Vorverlagerung des Zeitpunktes, von dem ab eine Berufskrankheit anzuerkennen sei, würde die finanziellen Mittel der Versicherungsträger, die für Präventionsaufgaben dringender benötigt und sinnvoller eingesetzt würden, binden.

4) Professor Schiele stellt in seiner Antwort heraus, dass das grundsätzliche Problem in der Definition von Begriffen wie 'gesund', 'normal', 'pathologisch' und 'Krankheit' liegt, Begriffe, die sich in Grenzbereichen nur schwer voneinander abgrenzen lassen. Er lehnt eine formelle Anerkennung als 'Versicherungsfall' bei weit im Vorfeld tatsächlicher beruflicher Schädigung liegender, noch nicht krankhafter Gesundheitszustände, ab. Eine medizinisch-juristische Konkretisierung und Harmonisierung des Krankheitsbegriffs für Berufskrankheiten scheint für das richtige Meldeverhalten und die einheitliche Anerkennungspraxis von so genannten Versicherungsfällen bei den unterschiedlichen Konstellationen von Berufskrankheiten aber noch dringend erforderlich.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


ASU - Zeitschrift für medizinische Prävention
Homepage: https://www.asu-arbeitsmedizin.com/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0026/5051


Informationsstand: 17.11.2003

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