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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Arbeitsmedizinische Vorsorge Lärm bei Menschen mit geistiger Behinderung


Autor/in:

Ernst, Arneborg; Hoth, S.; Milde, Jürgen [u. a.]


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Arbeitsmedizin Sozialmedizin Umweltmedizin (ASU), 2009, 44. Jahrgang (Heft 2), Seite 79-80, Stuttgart: Gentner, ISSN: 0944-6052


Jahr:

2009



Abstract:


Menschen mit geistiger Behinderung sind nicht selten beruflich tätig, zum Beispiel in handwerklich ausgerichteten Werkstätten oder Berufsbildungswerken. Dort können sie durch den Einsatz von Bearbeitungsmaschinen Lärm ausgesetzt sein, der Maßnahmen zu ihrem Schutz erfordern würde. Dies kann durch Maßnahmen zur Lärmminderung und das Tragen von persönlichem Gehörschutz erfolgen. Außerdem sind Maßnahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge nach dem berufsgenossenschaftlichen Grundsatz Lärm - G 20 - durchzuführen.

Im Regelfall umfassen diese Maßnahmen die arbeitsmedizinische Beurteilung lärmbedingter Gesundheitsgefahren, die Aufklärung und Beratung der Beschäftigten über die Gesundheitsgefährdung, spezielle arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung Lärm zu Früherkennung, arbeitsmedizinische Empfehlung zur Überprüfung von Arbeitsplätzen und die Fortentwicklung des betrieblichen Gesundheitsschutzes.

Je nach Grad der Behinderung ergeben sich besondere Anforderungen an das Zusammenwirken des Arztes mit dem behinderten Menschen bei Aufklärung und Beratung sowie bei der speziellen Untersuchung. Ein wesentliches Element bei Maßnahmen nach G 20 ist die Beratung der betroffenen Person über die Benutzung von persönlichem Gehörschutz. Die spezielle Untersuchung umfasst neben der arbeitsmedizinischen Anamnese die audiometrischen Tests.

Bei den Ergänzungsuntersuchungen Lärm II und Lärm III sind neben den tonaudiometrischen Tests der SISI-Test zur Feststellung eines pathologischen Lautheitsanstiegs und die Ermittlung von Zahlwort- und Einsilberverstehen in der Sprachaudiometrie vorgesehen. Bei Menschen mit geistiger Behinderung kann es hierbei zu Einschränkungen bei der Durchführung kommen. Nach dem traditionellen Grundprinzip des Arbeitsschutzes kann von Vorschriften immer dann abgesehen werden, wenn die Sicherheit der Beschäftigten auch auf andere Weise herbeigeführt werden kann.

Bei Lärmexposition haben technische und organisatorische Maßnahmen zur Lärmminderung den Vorrang. Berufsgenossenschaftliche Grundsätze wie der G 20 haben per se keine Rechtsverbindlichkeit, sondern sind Hinweise für den Arzt und sollen eine möglichst einheitliche Durchführung der Tests bewirken. Bei der Durchführung von Maßnahmen bei Menschen mit geistiger Behinderung sollte bei Bedarf eine die Verständigung ermöglichende Person hinzugezogen werden.

Insbesondere vor Aufnahme einer Tätigkeit mit Lärmexposition kommen Messungen der otoakustischen Emissionen in Frage. Möglicherweise weisen diese bereits auf vorhandene Innenohrdefekte in Form von Haarzellschäden hin, wenn noch keine audiometrisch messbaren Hörverluste vorliegen. Die Benutzung des persönlichen Gehörschutzes hat beim Einsatz von Menschen mit geistiger Behinderung eine zentrale Bedeutung. Bei ihnen hat die Erfahrung gezeigt, dass die Akzeptanz des Gehörschutzes sehr hoch ist.

Bei bestehender Schwerhörigkeit kann sogar das Tragen und Benutzen von Hörgeräten unter Kapselgehörschützern in Betracht gezogen werden.

Abschließend fassen die Autoren zusammen, dass die Maßnahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge und alle weiteren Arbeitsschutzmaßnahmen auf jeden Menschen mit Behinderung individuell zugeschnitten sein sollten.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


ASU - Zeitschrift für medizinische Prävention
Homepage: https://www.asu-arbeitsmedizin.com/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0026/7019


Informationsstand: 18.03.2009

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