Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Daten und Fakten


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Arbeitsgemeinschaft der deutschen Hauptfürsorgestellen


Quelle:

ZB Zeitschrift: Behinderte Menschen im Beruf, 1994, Heft 1, Wiesbaden: Universum, ISSN: 1433-4070


Jahr:

1994



Abstract:


Mit Inkrafttreten des Einigungsvertrages am 3. Oktober 1990 begann für die fünf neuen Bundesländer eine Phase des wirtschaftlichen Umbruches und der Neuorientierung. Bis zu diesem Tag galt das Arbeitsgesetzbuch (AGB). Die berufliche Integration Schwerbehinderter vollzog sich hier auf der Grundlage staatlicher Auflagen, die Betriebe und Einrichtungen verpflichteten, Behinderte in einer bestimmten Anzahl zu beschäftigen.

Es existierten in den neuen Bundesländern anfangs noch 492 geschützte Betriebsabteilungen. Diese wurden überwiegend geschlossen; 19 wurden befristet als Werkstätten für Behinderte anerkannt.

Im Oktober 1992 waren in den neuen Bundesländern etwa 92.262 Schwerbehinderte und Gleichgestellte in Unternehmen, Dienststellen und Institutionen beschäftigt. Das entspricht einer Quote von 3,6 Prozent.

Mit dem 3. Oktober 1990 nahmen in den fünf neuen Bundesländern die Hauptfürsorgestellen ihre Tätigkeit auf.
Vom 3. Oktober 1990 bis 31. Dezember 1992 wurden an die Hauptfürsorgestellen 100.302 Anträge auf Zustimmung zur Kündigung gestellt (alte Bundesländer: 55.900 Anträge).

Bei 46.242 Kündigungsschutzverfahren war der Schwerbehinderte mit der Kündigung seines Arbeitsverhältnisses aus unterschiedlichen Gründen einverstanden (zum Beispiel Inanspruchnahme von Altersübergangsgeld, Altersrente, hohe Abfindung und soziale Absicherung). 50.060 Verfahren waren strittig (alte Bundesläder: 20.635). Dabei konnten 17.856 Arbeitsplätze erhalten werden (alte Bundesländer: 10. 358) - dies entspricht 33 Prozent der strittigen Verfahren. Angesichts der schwierigen Wirtschaftsituation - mit Betriebsstillegungen, dem Einbruch ganzer Industriezweige und Massenentlassungen - ist das ein durchaus beachtenswertes Ergebnis, wenn auch mit großen Problemen im Einzelfall verbunden.

In dieser Situation konnte auch der Kündigungsschutz des Schwerbehindertengesetzes nur bedingt zur Geltung kommen. Abgesehen davon, dass ein Großteil der Entlassungen durch Aufhebungsverträge im Rahmen von Sozialplänen erfolgte, wurden etwa 96 Prozent der Kündigungen mit Betriebsauflösung, Einschränkung oder Wegfall des Arbeitsplatzes begründet, so dass die Hauptfürsorgestelle in ihrem Entscheidungsspielraum gebunden war. dass dabei immerhin fast 18.000 Arbeitsplätze erhalten werden konnten, war nur durch Initiative und Einsatz der Sachbearbeiter in den Hauptfürsorgestellen und der betrieblichen Helfer möglich.

1990/91 standen zur Erhaltung oder Neuschaffung von Arbeitsplätzen nur 2,6 Millionen Mark aus den Mitteln der Ausgleichsabgabe zur Verfügung - und zwar insgesamt für Arbeitgeber und Schwerbehinderte. Im Verlauf des Jahres 1992 konnten die Förderungsmittel für begleitende Hilfen gesteigert werden: auf 2,83 Millionen Mark für Behinderte, für Arbeitgeber auf 9,2 Millionen Mark.

Vorrangig sind dabei: die Schaffung von Arbeitsplätzen für Schwerbehinderte, die behinderungsgerechte Ausstattung von Arbeitsplätzen mit entsprechenden Investitionshilfen an Arbeitgeber - aber auch Leistungen, um außergewöhnliche Belastungen des Arbeitgebers in zumutbaren Grenzen zu halten. Darüber hinaus werden auch Leistungen an Schwerbehinderte gewährt - überwiegend zur Anschaffung moderner EDV-Technik und um Wohnraum behinderungsgerecht auszustatten.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


ZB Behinderung & Beruf (ZB online)
Homepage: https://www.integrationsaemter.de/ZB/258c62/index.html

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0055/0007


Informationsstand: 09.05.1994

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