Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Forschungsergebnisse zur Bewertung behinderter Bewerber


Autor/in:

Weuster, Arnulf


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Behindertenrecht, 2005, 44. Jahrgang (Heft 5), Seite 129-132, München: Boorberg, ISSN: 0341-3888


Jahr:

2005



Abstract:


Nach Artikel 3 Grundgesetz darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Dennoch kommen bei Bewerbungen Ablehnungen von Arbeitnehmern wegen ihrer Behinderung vor. Bei Vorliegen einer Beeinträchtigung wird häufig assoziiert, es läge auch eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit vor. Es gibt aber viele Behinderungen, die sich im Berufsleben nicht oder kaum auswirken. Als Beispiel sei ein Buchhalter mit Beinprothese genannt, der seine Arbeit genau so gut erledigen kann wie ein nicht behinderter Buchhalter. Eine grundsätzliche Zurückweisung behinderter Bewerber dürfte demnach einen Verzicht auf gut geeignete Arbeitnehmer bedeuten.

Um Strukturen aufzudecken, die zur Ablehnung behinderter Bewerber führen und damit gleichzeitig eine Verbesserung der Einstellungssituation zu erreichen, haben sich mehrere europäische Studien mit dem Thema der Bewertung behinderter Bewerber auseinandergesetzt. Hauptsächlich wurde in den Untersuchungen getestet, wie Bewerbungen von behinderten und nicht behinderten Arbeitnehmern bei identischen Qualifikationen, teilweise gar identischen Personen, mal mit vorgetäuschter Behinderung oder mal als nicht behindert, von Arbeitgebern aufgenommen wurde.

Im Ergebnis zeigte sich einheitlich eine Benachteiligung der Bewerber mit Behinderung, wobei Personen mit psychischen Behinderungen besonders häufig abgewiesen wurden. Eine große Rolle in der Abweisung spielte außerdem eine Behinderung, die tätigkeitsrelevant war. Interessant ist zusätzlich die Tatsache, dass unter behinderten Bewerbern diejenigen bessere Chancen auf Einstellung hatten, die ihre Behinderung bereits zu Anfang des Bewerbungsverfahrens offenbart hatten.

Für die Praxis des Bewerbens lässt sich also festhalten, dass behinderte Personen ihre Behinderung frühzeitig offen legen sollten. Im Bewerbungsgespräch kann es vorteilhaft sein, den Interviewer zu Fragen über die Einsatzfähigkeit und die Behinderung zu ermutigen. Über eventuell notwendige Hilfsmittel oder Hilfestellungen sollte jedoch erst nach Vertragsunterzeichnung oder Dienstantritt geredet werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Behindertenrecht - Fachzeitschrift für Fragen der Rehabilitation
Homepage: https://www.boorberg.de/3413888

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0059/0098


Informationsstand: 30.09.2005

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