Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Das Frechener Konzept: Individuelle Förderplanung als kooperativer Kernprozess der Arbeit im Berufsbildungswerk


Autor/in:

Hamacher, Franz; Kossow, Gerd


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke e.V. (BAG BBW)


Quelle:

Berufliche Rehabilitation, 2008, 22. Jahrgang (Heft 3), Seite 176-180, Freiburg im Breisgau: Lambertus, ISSN: 0931-0889


Jahr:

2008



Abstract:


Die Autoren stellen die Individuelle Förderplanung im Rahmen des Frechener Konzeptes des Berufsbildungswerkes Christopherus Jugenddorf vor. Berufsbildungswerke stellen im Rahmen der beruflichen Erstausbildung von Menschen mit Behinderung die wohl umfassendste und komplexeste Organisationsform dar.

Die umfassende Betreuung ist auf Grund der vielschichtigen individuellen Problemlagen auch bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit besonderem Förderbedarf im Bereich des Lernens und der sozialen und emotionalen Entwicklung gegeben, wie sie sich als Teilnehmende in Berufsbildungswerken für Lernbehinderte finden.

Aus Sicht der Verantwortlichen stellt sie eine der Kernaufgaben der beruflichen Integration dar. Als kooperative Aufgabe von allen am Rehabilitationsprozess Beteiligten gemeinsam wahrgenommen, bleibt sie nur dann nachhaltig und qualitativ hochwertig wenn entsprechende Arbeitsverfahren entwickelt werden, so dass die Verantwortlichkeiten bei der Durchführung der Prozesse transparent und nachvollziehbar geregelt sind.

Eine enge Kooperation zwischen den Abteilungen des Berufsbildungswerks bildete die wesentliche Basis für die Entwicklung eines kooperativen Förderkonzepts, immer mit dem Ziel, dem Rehabilitationsauftrag gerecht zu werden. Neben der Kooperation der Bereiche steht im Zusammenhang mit der veränderten Wahrnehmung von Behinderten die Kooperation mit den Teilnehmern immer mehr im Vordergrund.

Die formale Legitimation für die individuelle Förderplanung ergibt sich zum einen aus den Grundsätzen zur Qualitätssicherung und Leistungsbeschreibung der Berufsbildungswerke und zum anderen aus schulrechtlichen Vorgaben. Zudem orientiert sich das Berufsbildungswerk an Leitlinien, die sich sowohl am Leitbild des Trägers der Einrichtung orientieren als auch an den Überzeugungen der Mitarbeiter und MitarbeiterInnen.

Das geistige Zentrum der individuellen Förderplanung wird jedem Teilnehmer in Form eines Förderteams zur Seite gestellt, dass sich aus dem Teilnehmer oder der Teilnehmerin, dem Bezugsausbilder oder der Bezugsausbilderin, den Lehrern beziehungsweise den Lehrerinnen sowie einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin aus dem bereich Sozialpädagogik zusammensetzt. In Gesprächen zusammen mit dem Teilnehmer wird ein individueller Förderplan erstellt, der dem Förderteam im Ermessen, Gestalten und Entwickeln der Fördermaßnahmen relativ freie Hand lässt. Dabei soll besonders auf den Förderbedarf des Einzelnen eingegangen werden.

In der Praxis ist die Benennung der Ziele und Schritte meist nicht einfach, so dass das Formulieren und Umsetzen passender Maßnahmen von den Mitarbeitern Kreativität und Praxissinn fordert.

Die Arbeitsfrequenz der Förderteams richtet sich nach der Planungsnotwendigkeit im Rahmen der Ausbildung. Erfahrungsgemäß ist zu Beginn der Ausbildung eine intensivere Planung und Betreuung erforderlich. So finden im ersten Ausbildungsjahr drei Sitzungen, im zweiten nur noch zwei und im dritten nur noch eine Teamsitzung statt. Bei besonderem Bedarf können auch zusätzliche Sitzungstermine vereinbart werden.

Regelmäßige Evaluationen begleiteten die Einführung des Konzeptes der kooperativen individuellen Förderplanung, so dass folgende Wirkfaktoren herausgestellt werden konnten:

- Beziehungsarbeit und respektvoller Umgang mit den Teilnehmenden,
- Förderziele und positive Rückmeldungen,
- enge Zusammenarbeit mit dem Förderteam und die
- individuelle Begleitung und direkte Hilfestellung.

In einem abschließenden Fazit kommen die Autoren überein, dass eine passgenauere Unterstützung der Rehabilitanden mit dem Ziel eines höheren Ausbildungserfolges und einer geringeren Abbrecherquote wünschenswert wäre. Ihrer Meinung nach lässt sich dieses nur durch intelligenteren Mitteleinsatz und mehr Verantwortung der Teilnehmer für ihre Förderplanung erreichen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Adresse: CJD Berufsbildungswerk Frechen




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Berufliche Rehabilitation - Beiträge zur beruflichen und sozialen Teilhabe junger Menschen mit Behinderungen
Homepage: https://www.bagbbw.de/verband/fachzeitschrift/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0062/6895


Informationsstand: 09.12.2008

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