Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Tätigkeitsbereiche von Beratungsfachkräften in der beruflichen Rehabilitation: Empirische Befunde einer explorativen Befragung in Deutschland


Autor/in:

Niehaus, Mathilde; Marfels, Britta; Bauer, Jana


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Die Rehabilitation, 2013, 52. Jahrgang (Heft 5), Seite 296-302, Stuttgart: Thieme, ISSN: 0034-3536


Jahr:

2013



Abstract:


Hintergrund und Ziel:

Infolge weitreichender gesellschaftlicher und sozialpolitischer Veränderungen steigt der Bedarf an Beratungsfachkräften in der beruflichen Rehabilitation. Im internationalen Kontext ist die Bedeutung professioneller Unterstützung für den Erfolg der beruflichen Rehabilitation schon seit langem Gegenstand wissenschaftlicher Forschung, in Deutschland hingegen fehlen bisher entsprechende systematisch ausgewertete Daten. Die explorative Studie soll mit einer ersten Iststand-Erhebung der beruflichen Tätigkeitsbereiche von Beratungsfachkräften in der beruflichen Rehabilitation in Deutschland dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.

Methode:

Die Untersuchung wurde als anonyme Onlinebefragung durchgeführt. Als Messinstrument diente ein internationaler Fragebogen zur Erfassung beruflicher Tätigkeitsbereiche von Beratungsfachkräften in der Rehabilitation, der im Rahmen der Untersuchung ins Deutsche übersetzt und angepasst wurde. Insgesamt konnten 217 Personen befragt werden. Die beruflich-soziodemografischen Angaben wurden deskriptiv ausgewertet, die multivariate Auswertung der Fragebogendaten erfolgte mittels Hauptkomponentenanalyse.

Ergebnisse:

Die Mehrheit der befragten Disability Manager gibt an, in ihrem beruflichen Alltag mehrere Aufgaben aus unterschiedlichen Bereichen gleichzeitig zu übernehmen. Als zentraler und vorrangiger Tätigkeitsbereich wird die individuelle Einzelfallarbeit mit den Klienten identifiziert. Den originären Managementaufgaben auf organisationaler Ebene kommt dagegen im Durchschnitt eher eine geringere Bedeutung zu. Es wird deutlich, dass im Bereich der beruflichen Abschlüsse und Tätigkeitsbezeichnungen eine schwer überschaubare Begriffsvielfalt herrscht. Dies führt unter anderem dazu, dass von der Berufsbezeichnung nur schwer auf konkrete berufliche Tätigkeiten geschlossen werden kann. Die Befragten sehen zudem sowohl bezüglich ihrer Ausbildung als auch ihrer beruflichen Tätigkeit zahlreiche Handlungsbedarfe.

Diskussion:

Deutsche Beratungsfachkräfte in der beruflichen Rehabilitation können als Generalisten bezeichnet werden, die in ihrem beruflichen Alltag verschiedene Aufgabenbereiche gleichzeitig abdecken. Dabei ist die vorrangige Tätigkeit die individuelle Beratung von Klienten, während Managementaufgaben auf Organisationsebene noch eine nachgeordnete Rolle spielen. Eine weitere Differenzierung in zum?Beispiel verschiedene Arten der Beratung und eine entsprechende Spezialisierung der Beratungsfachkräfte, wie sie in vergleichbaren internationalen Studien zu finden ist, zeigt sich nicht. Die Übernahme von Managementaufgaben auf Organisationsebene scheint relativ unabhängig davon zu sein, ob der Begriff 'Management' in der Berufsbezeichnung enthalten ist. Diese Ergebnisse können teilweise durch die relativ 'junge' Gesetzgebung zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) und deren nur zögerliche Umsetzung in die Praxis erklärt werden. Dringende Handlungsbedarfe bestehen für die Befragten vor allem in Bezug auf klarere Strukturen und Verantwortlichkeiten sowie eine bessere Vernetzung und eine stärkere Öffentlichkeitsarbeit für das Betriebliche Eingliederungsmanagement beziehungsweise Disability Management im Unternehmen. Zu überdenken ist, ob die Aus- und Weiterbildung in Deutschland auf die internationalen Erfahrungen abgestimmt werden müsste. Weitere Forschung zu dem Themengebiet ist dringend notwendig.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Rehabilitation Counselors’ Vocational Fields of Activity: Empirical Findings of an Exploratory Study in Germany


Abstract:


Background and objective:

In the light of far-reaching demographic and sociopolitical changes, the demand for rehabilitation counseling experts increases. Internationally scientific research has long recognised the importance of professional support for successful vocational rehabilitation of people with illnesses and disabilities. In Germany, however, there has been a lack of systematic research in this field. The present exploratory study aims to fill this gap by investigating the status quo of rehabilitation counselors' vocational fields of activity in Germany.

Method:

The study was conducted anonymously as an online-survey. An international questionnaire which covers a wide range of tasks that can play a role in the day-to-day work of rehabilitation counseling experts was used. Within the project it was translated into German and adapted to the German rehabilitation system. 217 rehabilitation counselors completed the survey. Socio-demographic information and information concerning the participant's working biography were evaluated descriptively. To analyze the questionnaire data, principal component analysis was undertaken.

Results:

The majority of respondents indicated to be performing tasks from different fields of activity in their daily routine. The essential and main field of activity though appeared to be the individual work with the client. Managerial tasks on an organizational level turned out to be less important. Furthermore, it became clear that the terms the respondents used to name their qualification and their current job title varied in a confusing way. This implicates that it was not always possible to infer from the job title of a person to their actual vocational tasks. Moreover, the participants expressed that they see a need for action concerning their vocational training as well as their professional tasks.

Discussion:

German rehabilitation counseling experts can be characterized as 'generalists” who cover different fields of activity in their daily routine. Their main activity is the individual work with the client while managerial tasks play a lesser role yet. A further differentiation of the vocational tasks indicating a higher degree of specialization as it can be found in related American or Australian studies does not emerge. The take-over of managerial tasks on an organizational level is not necessarily associated with the use of the term 'management” in a person's job title.

These results can be explained partly by the relatively new sociopolitical changes in Germany. These changes include the introduction of a regulation in 2004 (paragraph?84 Social Code Book), which obliges employers to prevent and manage disability at the company level. Still different studies show various problems concerning the comprehensive implementation of this regulation.

The participants see urgent needs for action concerning the clarification of structures and responsibilities in their companies as well as more networking and a better publicity for their profession. With regards to the training, respondents desired more practical exercises and case studies. Further research in this field is needed.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Die Rehabilitation - Zeitschrift für Praxis und Forschung in der Rehabilitation
Homepage: https://www.thieme.de/de/rehabilitation/profil-1887.htm

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0063/0434


Informationsstand: 22.11.2013

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