Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

VerGLEICHstellung in Europa: Schweden

Vorbild in Europa?



Autor/in:

Ratzka, Adolf


Herausgeber/in:

Verein Ein Prozent für behinderte Kinder und Jugendliche


Quelle:

Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft, 2003, 26. Jahrgang (Heft 6), Seite 54-65, Graz: Eigenverlag, ISSN: 1561-2791


Jahr:

2003



Abstract:


Adolf Ratzka spricht über die Lebensumstände behinderter Menschen in Schweden. Als Hauptvoraussetzung für eine Gleichstellung behinderter Menschen sieht Adolf Ratzka die persönliche Assistenz, denn nach eigener Erfahrung ermöglicht nur diese, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

Bevor jedoch Schwedens Vorzüge als Sozialstaat aufgeführt werden, wird klargestellt, dass hier nicht von einem Paradies für behinderte Menschen gesprochen werden kann. Noch immer können kaum öffentliche Verkehrsmittel (Busse) genutzt werden und eine Mehrheit an Geschäften, Restaurants und öffentlicher Gebäude sind nicht barrierefrei gestaltet. Ebenso sind nur wenige hohe Ämter in Wirtschaft, Politik, Kultur und Medien von behinderten Menschen bekleidet. Festzuhalten bleibt also, dass es Menschen mit Behinderungen auch in Schweden schlechter geht als der Durchschnittsbevölkerung; sowohl in Arbeit, Ausbildung, Freizeit, Wohnen, Einkommen, sozialer Kontakte und Teilnahme am öffentlichen Leben.

Die Vorzüge Schwedens sind in der schwedischen Assistenzreform von 1994 zu finden und im fortlaufenden Artikel beschreibt der Autor dies an seiner eigenen Person, da auch er einen Bedarf an persönlicher Assistenz von 18 Stunden täglich aufweist. Laut Gesetz ist die ganze Lebenssituation des Bedürftigen über den Umfang des Bedarfs ausschlaggebend; ein ärztliches Attest über Ursache und Ausmaß der Behinderung spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Arbeitgeber der acht persönlichen Assistenten ist im Falle Adolf Ratzka die Assistenzgenossenschaft STIL - ihre Aufgaben bestehen darin, alle kleineren Arbeiten, die der Bedürftige aufgrund seiner Behinderung nicht selbst ausüben kann, ggf. auch im Urlaub, zu übernehmen, so dass eine möglichst große Unabhängigkeit für die ganze Familie erzielt werden kann. Die Bezahlung erfolgt persönlich, das Budget für Sondereinsätze ist in der Sozialversicherung inbegriffen. Die Ausbildung erfolgt ebenfalls persönlich, denn nur so kann ein persönliche Assistenz interpretiert und umgesetzt werden. Laut Gesetz erfolgt eine Bedarfsprüfung alle zwei Jahre.

Barrierefreies Bauen ist ein weiterer positiver Aspekt in Schweden, denn seit 1978 müssen alle Mehrfamilienhäuser mit mehr als zwei Stockwerken barrierefrei gestaltet werden, das heißt geräumige Aufzüge, keine Stufen von mehr als drei cm Höhe vom Bürgersteig bis in die Wohnung. Seit einigen Jahrzehnten gibt es in Schweden keine Wohnheime für Körperbehinderte mehr.

Es gibt kein Gleichstellungsgesetz in Schweden, dafür allerdings ein Antidiskriminierungsgesetz am Arbeitsplatz, wobei auch festgehalten werden muss, dass nur wenige behinderte Menschen berufstätig sind (60-70 Prozent sind arbeitslos).

Zum Abschluss nimmt der Autor Stellung zur Hilfsmittelversorgung und zur Situation gehörloser und blinder Menschen in Schweden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


behinderte menschen - Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten
Homepage: https://www.behindertemenschen.at/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0069/0002F


Informationsstand: 08.03.2004

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