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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Von der Heilpädagogik zur Sozialen Arbeit?


Autor/in:

Theunissen, Georg


Herausgeber/in:

Verein Initiativ für behinderte Kinder und Jugendliche


Quelle:

Behinderte in Familie, Schule und Gesellschaft, 2005, 28. Jahrgang (Heft 1), Seite 30-42, Graz: Eigenverlag, ISSN: 1561-2791


Jahr:

2005



Abstract:


Der Autor stellt einleitend die These auf, dass in der Heilpädagogik, beziehungsweise in der Sonder-, Behinderten-, Rehabilitations- oder speziellen Pädagogik, die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen nach Selbstbestimmung ernst genommen werden müssen. Dazu ist es nötig, dass die betroffenen Erwachsenen nicht in Konzepte für Kinder und Jugendliche gezwungen werden und sie zusammen mit der betreuenden Person über ihr Leben entscheiden, und nicht einzig durch den zuständigen Heilpädagogen ohne Mitbestimmung des Patienten Maßnahmen verordnet werden.

Seine These unterstützt Theunissen durch einen Abriss der Geschichte der Heilpädagogik seit dem letzten Jahrhundert. Am Ende dieser Entwicklung steht ein theoretischer Ansatz, der behinderten Menschen schließlich Mündigkeit zugesteht und dementsprechend Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Lebenssouveränität zukommen lässt, die ihnen als Erwachsenen gebührt. Außerdem ist Integration in die Gesellschaft ein wichtiger Gedanke. Dieser Ansatz legt somit eine systemökologische und lebensweltbezogene Theorie der Heilpädagogik zugrunde.

Leider bleibt dieser Ansatz, der vor erst zwanzig Jahren entworfen wurde, in der außerschulischen Heilpädagogik größtenteils bloße Theorie. Nach wie vor wird ein 'paternalistisches' Konzept, wie Theunissen es nennt, beziehungsweise eine 'bevormundende Fürsorglichkeit' in der angewandten Heilpädagogik bevorzugt.

Der Autor schlägt vor, diese traditionelle Arbeitsweise gegen ein neues Assistenz-Modell einzutauschen, dessen Konzept der sozialen Arbeit auf Anerkennung von Gleichberechtigung zwischen Professionellen und Betroffenen beruht und für die betreuende Person und/oder helfende Instanz die Rolle eines Beraters zu selbstbestimmtem Leben der behinderten Menschen zuweist.

Die Grundlage dieses Assistenz-Modells ist das aus den USA stammende Empowerment-Konzept. Dieses richtet sich gegen Fremdbestimmung und basiert auf folgenden vier Punkten: zunächst verweist es auf individuelle Selbstverfügungskräfte, das heißt, die vorhandenen Stärken und Ressourcen soll der behinderte Mensch selbst nutzen lernen. Des Weiteren soll mit Hilfe von anderen Betroffenen in Form von Gruppen eine politische Durchsetzungskraft bezüglich Benachteiligungsabbau und Barrierefreiheit erlangt werden. Der dritte Punkt steht für einen selbstbestimmten Lern- und Handlungsprozess bezüglich des Selbstmanagement ihres Alltags nach eingehender Selbstanalyse und im vierten und letzten Punkt geht es um eben solches Alltagsmanagement durch ermutigende Anleitung von außen, die den behinderten Menschen und ferner auch seinen Angehörigen zu einer selbstbestimmten Lebensführung ermutigen soll.

Zu beachten bei dem umfassend vorgestellten Konzept ist nach Meinung Theunissens, dass eine absolut gleichberechtigte Beziehung zwischen Professionellem und Betroffenem, wie in der Theorie angestrebt, in der Praxis nicht möglich ist. Der Betreuer trägt nach wie vor ein Mehr an Verantwortung für die zu betreuende Person. Deshalb sei eine strikte Einhaltung der Prinzipien des Empowerments sinnvoll für möglichst gute Assistenz-Arbeit im Sinne des neuen Modells, so der Autor.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


behinderte menschen - Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten
Homepage: https://www.behindertemenschen.at/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0069/0020


Informationsstand: 29.04.2005

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