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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Der Blindenführhund - Hilfsmittel oder Mitgeschöpf?


Autor/in:

Riederle, Georg


Herausgeber/in:

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS); Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)


Quelle:

horus, 2005, 67. Jahrgang (Heft 5), Seite 222-227, Marburg: DVBS, ISSN: 0724-7389


Jahr:

2005



Abstract:


Einen zusammenfassenden Überblick über Entscheidungen von Sozialgerichten zur Führhundversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung gibt Georg Riederle mit diesem Aufsatz. Der Blindenführhund gilt laut Fahrerlaubnisverordnung als Begleiter und ist das einzige Hilfsmittel, das sehen kann und intelligent ist. Zusammen mit dem blinden Nutzer bildet er ein Gespann, das auf der Basis des Stimmungsübertragung funktioniert und gleicht das fehlende Sehvermögen aus.

Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, liegt ein Rechtsanspruch auf einen Blindenhund vor, da er die Grundbedürfnisse der Mobilität und Orientierung deckt. Neben einem guten Blindenhund sind keine weiteren Hilfsmittel nötig, da dieser seinem Hilfsmittelnutzer sämtliche Hindernisse und Höhenhindernisse anzeigen kann.

Hilfsmittel werden laut Sachleistungsprinzip der GKV von den Leistungsträgern übernommen. Diese können Hilfsmittel ausschließlich durch zugelassen Hilfsmittelerbringer, die in verschiedene Gruppen eingeteilt werden und über eine berufliche Ausbildung und praktische Erfahrung verfügen, zur Verfügung stellen. Bei Führhundausbildern gibt es kein Berufsbild, das beispielsweise fachliche Anforderungen regelt. Dies gilt auch für Führhundschulen. Es heißt in § 139 Absatz 1 SGB V lediglich, dass ein besonderes Maß an individuellem Einfühlungsvermögen und Sachkunde gefordert ist. Ein Leistungserbringer muss also versichern, dass er gemäß diesen Qualitätskriterien ausbildet. Persönliche Zuverlässigkeit, Fachkunde und Betriebssicherheit werden hingegen nicht geprüft. Es gibt keine anerkannte Ausbildungseinrichtung, beziehungsweise Weiterbildungsmöglickeiten der Führhundtrainer. Die Qualitätssicherung wäre allerdings dann möglich, wenn die Krankenkassenverbände zum Beispiel Zulassungsempfehlungen, Ausbildungs- und Prüfordnungen umsetzen würden. 'Durch die fehlende Kassenzulassung wird blinden Versicherten rechtswidrig das Wahlrecht hinsichtlich zugelassener, wirtschaftlicher Leistungsbringer verwehrt!', so Riederle. Deswegen ist eine gute Ausbildung der Hilfsmittelnutzer wichtig, um sich und andere nicht zu gefährden. Ein weiteres Problem ist, dass es keinen Rahmenvertrag mit Preisvereinbarungen gibt. So muss in einem Rahmenvertrag auch das gesetzlich geltende Anforderungsprofil geregelt werden.

Ein Versicherter kann sich die Kosten von der Krankenkasse dann erstatten lassen, wenn diese ihren Sachleistungen nicht nachkommt und der Versicherte sich die Leistung privat beschaffen musste. So lautete zum Beispiel das Urteil des LSG Bayern in einem Fall, bei dem ein Versicherter sich einen Ersatzführhund aus der Schweiz selbst beschafft hatte. Dem Anspruch auf Kosternerstattung wurde zugestimmt, denn die Krankenkasse war ihrer gesetzlichen Leistungspficht nicht nachgekommen. Eine Krankenkasse erstattet nur dann die angefallenen Kosten, wenn eine Gespannprüfung erfolgreich abgelegt wird. Des Weiteren liegt die Beweislast, dass eine Führhundschule zu teuer und zu unwirtschaftlich ist, bei der Krankenversicherung.

Generell ist nach Verlust des Sehvermögens eine Mobilitätsschulung zum Erlangen einer Grundsicherheit des Bewegungsverhaltens nötig. Nur mit dieser Kompetenz ist das Ersetzen des Augenlichts durch einen Führhund möglich.

Die Eignung, eine Mobilitätshilfe nutzbringend einzusetzen, ist laut Hilfsmittelverzeichnis der GVK zu erlangen und bei der Krankenkasse nachzuweisen. Die Versorgung durch Führhund und Orientierungs- und Mobilitätstraining ist so gesehen eine Schulung nach dem Hilfsmittelverzeichnis.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Urteile und Gesetze zu Begleithunden | REHADAT-Recht




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


horus - Marburger Beiträge
Homepage: https://www.dvbs-online.de/index.php/publikationen/horus

Die Fachzeitschrift erscheint viermal jährlich in Schwarzschrift, Blindenschrift und als 'horus digital' auf CD.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0073/0028


Informationsstand: 29.11.2005

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