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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Blinde und sehbehinderte Menschen als Manager ihrer eigenen Behinderung - eigene Erfahrungen und kritische Überlegungen im Rahmen einer autobiografischen Skizze

Teil 2: Beruf und Sehschädigung



Autor/in:

Jacobs, Kurt


Herausgeber/in:

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS); Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)


Quelle:

horus, 2006, 68. Jahrgang (Heft 1), Seite 5-8, Marburg: DVBS, ISSN: 0724-7389


Jahr:

2006



Abstract:


Im Zweiten Teil des Artikels behandelt Jacobs die Themen 'Beruf - Auf der Suche nach kollegialer Solidarität und menschlichem Miteinander' und 'Sehschädigung im Spannungsbogen von sozialer Abhängigkeit und Selbstbestimmung'.

Im ersten Kapitel berichtet Jacobs über seine Existenzängste, die ihn nach seiner vollständigen Erblindung im Jahre 1968 einige Wochen begleiteten. Nach Abschluss seines Referendariats als Diplom-Handelslehrer unterrichtete er noch zwei Jahre lang als blinder Berufsschullehrer an der Kreisberufs- und Berufsfachschule in Kirchhain im Bezirk Kassel. Zwei Jahre lang galt er als Sehbehinderter und konnte seine Blindheit geheim halten.

Anschließend folgte er dem Ruf in den Hochschuldienst am Institut für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik der Universität Dortmund. Jacobs hegte die Hoffnung, dass an einem Universitätsinstitut, an dem ausschließlich Blinden- und Sehbehindertenpädagogen als Wissenschaftler arbeiteten, ihm ein Maß an Solidarität und Einfühlungsvermögen bezüglich der Auswirkungen seiner Blindheit zuteil werden würde. Im Laufe der Zeit wurde ihm klar, dass die Probleme eines im Hochschuldienst tätigen blinden Mitarbeiters nicht in ihrer Konkretheit bekannt waren.

Seine KollegInnen nutzen nicht die Chance, sich über den Zusammenhang der Art seiner Augenerkrankung und der damit verbundenen alltäglichen Auswirkungen im Sinne gewisser Erschwernisse zu informieren. Sie erfassten auch nicht die Notwendigkeit einer Arbeitsplatzassistenz, sodass er erst selbst aufklären und dann in dieser Angelegenheit handelnd tätig werden musste.

In den nächsten fünf Jahren erhielt er zu seinem Bedauern auch nicht die Möglichkeit, den KollegInnen Einblicke zu gewähren, wie er sich in seine neue Rolle als blinder Hochschullehrer eingefunden hatte und wie er mit der Bewältigung der alltäglichen Erschwernisse zurechtkam.

1975 wechselte Jacobs an das Institut für Heil- und Sonderpädagogik der Johann Wolfgang Goethe-Universität nach Frankfurt. Hier erlebte er ähnliche Unwissenheit darüber, welche Hoffnungen über das Verhalten von sehenden Interaktionspartnern ein sehbehinderter beziehungsweise blinder Hochschullehrer hegt und inwieweit Hilfestellungen, Unterstützungen, Anteilnahme und Fragen an ihn von Seiten der Kollegen wünschenswert sind.

Der Autor bringt einige Beispiele hierzu. Es wird ersichtlich, dass es um Interessenbekundung, Einfühlungsvermögen und solidarische Unterstützung geht. Rückblickend auf die letzten dreißig Jahre ist ihm immer deutlicher geworden, dass Integration nicht mit der Vermittlung wissenschaftlicher Theorien im Kopf, sondern zunächst einmal und vor allem im Herzen beginnt.

Im zweiten Kapitel beschreibt Jacobs den Drang nach Selbstständigkeit, welcher schon einem kleinen Kind als Urtrieb innewohnt. Um welche Behinderung es sich auch handelt, so durchkreuzt diese mit ihren behinderungsspezifischen Lebenserschwernissen immer wieder diesen Urtrieb nach Selbstständigkeit.

Es ist nicht die Blindheit, sondern die latente soziale Abhängigkeitssituation, in der Jacobs sich oft auch schon bei kleinen Verrichtungen oder Vorhaben befindet. Zur Verdeutlichung schildert er hierzu noch als letztes Beispiel, wie schwer es für einen blinden Menschen ist, einen heruntergefallenen Apfel wieder zu finden.

Wenn das Selbstbestimmt-leben-Konzept auch immer stärker als Grundsatz für die Lebensgestaltung von Menschen mit Behinderung herausgestellt wird, so ist Jacobs dennoch der Auffassung, dass dieses Konzept erweitert werden muss zu einem Selbstbehauptungskonzept. Gerade in Anbetracht der Individualisierungstendenzen, den Ellenbogenstrategien, der Uneinfühlsamkeit, der Entsolidarisierungstendenzen und letztlich der aufgezeigten Kommunikationsstörungen zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen in unserer Gesellschaft.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Teil 1 des Artikels | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


horus - Marburger Beiträge
Homepage: https://www.dvbs-online.de/index.php/publikationen/horus

Die Fachzeitschrift erscheint viermal jährlich in Schwarzschrift, Blindenschrift und als 'horus digital' auf CD.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0073/0030B


Informationsstand: 03.03.2006

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