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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Neues zum Thema Behinderte in Ausbildung und Beruf IV


Autor/in:

Bach, Heinz Willi


Herausgeber/in:

Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS); Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. (blista)


Quelle:

horus, 1999, 61. Jahrgang (Heft 2), Seite 73-75, Marburg: DVBS, ISSN: 0724-7389


Jahr:

1999



Abstract:


In dem Beitrag werden Ihnen zwei Aufsätze vorgestellt, die sich mit 'Einfacharbeitsplätzen' für Benachteiligte beschäftigen.

1. 'Einfacharbeitsplätze als Ansatzpunkte einer kommunalen Beschäftigungspolitik zur Integration von Benachteiligten'. Die Autoren sind: Prof.Dr. Rüdiger Falk, Fachhochschule Ludwigshafen, Dr. Hans-Peter Klös, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut der deutschen Wirtschaft, Köln.

Im Auftrag des Kreises Aachen ist das Institut der deutschen Wirtschaft Köln der Frage nachgegangen, warum es in der Region Aachen zu einem beständigen Verlust an Arbeitsplätzen für Geringqualifizierte gekommen ist und was auf kommunaler Ebene dagegen getan werden kann. Das Forschungsprogramm bestand aus einer sekundarstatistischen Analyse der Region, einer Betriebsbefragung, aus arbeitswissenschaftlichen Betriebsfallstudien sowie Intensivinterviews mit möglichen Zielgruppen einer Politik für Geringqualifizierte. Aufbauend auf dem Gutachten wurden Empfehlungen für die Ausgestaltung einer kommunalen Beschäftigungspolitik formuliert, mit der die Reintegration Geringqualifizierter in den Arbeitsmarkt verbessert werden könnte.

Ergebnisse:
Die Mehrzahl der derzeitigen Tätigkeiten im ersten Arbeitsmarkt und insbesondere in der Industrie sind nur noch formal und funktional Einfacharbeiten. Durch Anreicherung um weitere Tätigkeitselemente und durch deutlich höhere Anforderungen an außerfachliche Qualifikationen und Schlüsselqualifikationen haben sich diese Tätigkeiten zu qualifizierten Arbeiten weiterentwickelt. Es gibt zwar noch Einfacharbeit, doch wird sie immer seltener in Arbeitsplätzen für Geringqualifizierte zusammengefasst. Einfachtätigkeiten stehen daher nicht nur unter Rationalisierungsdruck und geraten damit gleich von zwei Seiten her unter Druck. Diesem Professionaliserungsschub können viele Geringqualifizierte nicht standhalten. Insbesondere im industriellen Bereich ist dieser Prozess soweit fortgeschritten, dass er nicht mehr umkehrbar erscheint. Der Arbeitsmarktdruck für Geringqualifizierte ist die zugespitzte Konsequenz einer von den Betrieben ohnehin als schwierig empfundenen Arbeitsmarktlage.

Als Hauptstressfaktoren für die Arbeitsnachfrage werden von den Betrieben nicht die direkten tariflichen Lohnkosten, sondern vielmehr das gesamte Arbeitskostenbündel aus Steuern, Sozialabgaben und Regulierungen empfunden. Diese Faktoren haben sich bei den Personen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit und Qualifikationsdefiziten insbesondere dann nachteilig ausgewirkt, wenn personale Merkmale das Beschäftigungsrisiko aus der Sicht der Unternehmen zu groß haben werden lassen. Ohne eine Bekämpfung der als negativ empfundenen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für mehr Beschäftigung sind die Erfolgsaussichten einer kommunalen Initiative für mehr Einfacharbeitsplätze sehr begrenzt.

Ohne die 'Verlängerung' des Arbeitsmarktes um zusätzliche Arbeitsplätze ist das Problem fehlender Einfacharbeitsplätze nicht zu lösen. Zusätzliche Beschäftigungspotenziale werden vor allem im Dienstleistungsbereich gesehen. Für die Untersuchungsregion kann eine Dienstleistungslücke von rund 30. 000 fehlenden Arbeitsplätzen abgeleitet werden. Doch es gibt keinen Beschäftigungsautomatismus zugunsten von Dienstleistungen, denn nur in Betriebsabteilungen mit hohen Qualifikationsanforderungen hat die Zahl der Arbeitsplätze zugenommen. In einigen geringqualifizierten Dienstleistungen dagegen ist die Arbeitslosigkeit stark gestiegen. Eine beschäftigungspolitische Initiative zur Dienstleistungsexpansion für Einfachtätigkeiten muss daher unbedingt die Arbeitsverdichtung und inhaltliche Aufgabenanreicherung auch im Dienstsektor in Rechnung stellen.

Wichtigste eigenständige Finanzierungsquelle kommunaler Beschäftigungsaktivitäten ist die Aktivierung der Sozialhilfe, die zu einem steigenden Teil arbeitslosigkeitsbedingt gezahlt werden muss. Alle Modelle einer kommunalen Beschäftigungspolitik sind daher aus umgewidmeten Sozialhilfemitteln kozufinanzieren. Dazu sollten das Arbeitsförderungsgesetz und das Bundessozialhilfegesetz besser als bisher miteinander verzahnt werden. Dafür bietet vor allem die Zielgruppe der Geringqualifizierten hinreichend Anlass und Gelegenheit. Die beschäftigungspolitische Aktivierung der Sozialhilfe könnte mit folgenden Ansätzen verwirklicht werden: kommunale Lohnkostenzuschüsse; Aufstockung von Arbeitseinkommen; Arbeitnehmerüberlassung; Dienstleisungsagenturen; Dienstleistungsschecks; Eingliederungsverträge; Existenzgründung; Beratungsagenturen.

Gliederung:

1 Einführung
2 Einfacharbeit in heutigen Wirtschaftsstrukturen
3 Empirische Bestandsaufnahme in der Untersuchungsregion Aachen
4 Betriebsbefragung in der Region Aachen
5 Betriebsfallstudien
6 Betroffeneninterviews
7 Umrisse einer kommunalen Beschäftigungspolitik für Geringqualifizierte
8 Ausblick

Quelle: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nummer 2/1997, Seiten 412 bis 423

2. 'Behinderung und das Problem der Einfacharbeit'
Autor ist Dr. Hans-Eberhard Plath, Mitarbeiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Einfacharbeit ist ein bereits seit langem strittiges Thema nicht nur in Organisationskonzepten von Unternehmen, Dienstleistungseinrichtungen usw., sondern auch in Theorie und Praxis verschiedener, mit Problemen der Arbeit befasster Wissenschaften. Aus politischer, etwa aus beschäftigungspolitischer Sicht wird diese Thematik ohnehin kaum unter Gesichtspunkten effektiver, gesundheits- und lernförderlicher Tätigkeitsstrukturen betrachtet, sondern vielmehr unter dem generellen Aspekt der Eingliederung von Erwerbspersonen in die Arbeit.

In diesem Zusammenhang ist nicht selten die eigentlich problematische Auffassung anzutreffen, dass Behinderte um so besser in die Arbeit eingegliedert werden könnten, je mehr Arbeitsplätze mit Einfacharbeit zur Verfügung stünden. Daher wird zunächst erörtert und mit empirischen Befunden belegt, dass Einfacharbeit in ihren Bedingungen und Wirkungen keineswegs als indifferent anzusehen ist, sondern durchaus negative Folgen für den Menschen, insbesondere auch für Behinderte haben kann. Die hierzu vorhandenen Wissensbestände dürften nicht nur in speziellen Fachwissenschaften, sondern müssten gerade auch bei beschäftigungspolitischen Überlegungen reflektiert werden. Letzteres würde sicherlich besser gelingen, wenn dieses Wissen in Form eines anwendungs- und übernahmefähigen Lösungsvorrates für eine effiziente und zugleich sozialverträgliche Arbeitsstrukturierung vorläge. Dies ist zwar weitgehend, aber nicht durchgängig der Fall. Dementsprechend wird im weiteren dargestellt, wie durch arbeitsorganisatorische Lösungen gesundheits- und lernförderliche Arbeitsstrukturen erreicht werden können, und welche positiven Effekte diese nachweislich für die Bewältigung von Arbeitsanforderungen, Motivation und Beanspruchung sowie selbst für die Senkung des betrieblichen Krankenstandes haben.

Im Anschluss daran werden unter inhaltlichen und methodischen Gesichtspunkten Konsequenzen für den Berufseinsatz Behinderter besprochen. Dabei geht es insbesondere für jene, die einen erfolgreich abgeschlossen staatlich anerkannten Ausbildungsberuf haben, vorrangig um die Sicherung eines am Ausbildungs- beziehungsweise Qualifikationsniveau orientierten Aufgabenprofils. Hierdurch kann der infolge des Nichtgebrauchs erworbener Befähigungen einsetzenden Dequalifizierung (disuse Effekt) nicht nur wirksam begegnet werden, sondern es sind die vorgenannten positiven Wirkungen erreichbar. Ein solcherart erfolgreicher Berufseinsatz Behinderter dürfte allerdings häufig nur dann gelingen, wenn dieser nicht lediglich 'eindrucksorientiert', sondern möglichst methodisch geleitet vorgenommen wird. Dazu werden die Hauptschritte des Vorgehens benannt, und auf die im einzelnen einzusetzenden methodischen Verfahren wird verwiesen.

Gliederung:

1 Anliegen
2 Einfacharbeit und Behinderung
3 Gesundheits- und lernförderliche Arbeitsstrukturen
4 Konsequenzen für den Berufseinsatz Behinderter

(Gemäß Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nummer 2/1997, S. 424-431)


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


horus - Marburger Beiträge
Homepage: https://www.dvbs-online.de/index.php/publikationen/horus

Die Fachzeitschrift erscheint viermal jährlich in Schwarzschrift, Blindenschrift und als 'horus digital' auf CD.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0073/2481


Informationsstand: 24.11.1999

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