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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Prävalenz und Rolle psychiatrischer Erkrankungen bei Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit


Autor/in:

Hellweg, R.; Lang, U. E.


Herausgeber/in:

Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV); Verband der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV)


Quelle:

Versicherungsmedizin, 2006, 58. Jahrgang (Heft 4), Seite 164-169, Karlsruhe: Verlag Versicherungswirtschaft, ISSN: 0933-4548


Jahr:

2006



Abstract:


Der Begriff der Berufsunfähigkeit (BU) ist als allgemeine Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit in internationalen Studien und im folgenden Text weit gefasst und nicht im engeren Sinne auf die Bedeutung einer BU im Sinne der deutschen Lebensversicherung übertragbar. Allgemeine Risikofaktoren für vorzeitige Berentung aufgrund einer Berufsunfähigkeit sind niedriger Bildungsstatus, körperliche Arbeit, geringe Selbstverantwortlichkeit und Gestaltungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz sowie Teilzeitbeschäftigung, Abwesenheit vom Arbeitsplatz, Trennung, Einsamkeit, psychiatrische Diagnosen zum Zeitpunkt der Wehrpflicht, Alkoholkonsum und Rauchen.

Neben einer vorliegenden psychiatrischen Diagnose disponieren auch eine niedrige emotionale Kontrolle, fehlende Beschäftigung nach der Schulzeit, ein niedriger Intelligenzquotient sowie ein subjektiv wahrgenommener schlechter Gesundheitszustand und geringe Lebenszufriedenheit zur Beantragung einer BU-Rente.

Die Hauptursache für eine BU stellen bei Frauen psychiatrische Erkrankungen dar, bei Männern fungieren diese an dritter Stelle. Majore Depressionen werden als vierthäufigste Ursache für BU weltweit gesehen. Mit einem Durchschnittsalter von 39 Jahren bei Männern und 42 Jahren bei Frauen ist die Schizophrenie die häufigste Einzelursache für Frühberentungen im jungen Alter. Persönlichkeiten, die vordergründig ein emotional instabiles, histrionisches, narzisstisches oder antisoziales Verhalten zeigen (sogenannte Cluster-B-Persönlichkeiten), weisen ein insgesamt früheres Berentungsalter auf und sind insbesondere nach Ausscheiden mit einem unwahrscheinlicheren Wiedereintritt ins Berufsleben assoziiert.

Sowohl die vermeidende als auch die dependente, schizoide, paranoide und antisoziale Persönlichkeit sind ebenfalls mit einem statistisch signifikanten BU-Risiko verbunden. Eine sogenannte posttraumatische Verbitterungsstörung als Unterform der Anpassungsstörung als bleibende Störung nach einem Ereignis, das bis dato Sinn gebende Grundanschauung einer Person nachhaltig verletzt, scheint unter den BU-Berentungen ein erhebliches Ausmaß der Patienten zu betreffen.

Bei dem Großteil der psychiatrischen Patienten scheint zum Zeitpunkt der Begutachtung allerdings weder eine suffiziente Diagnose noch eine adäquate psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung vorauszugehen, so dass sich die Prognose der genannten Krankheitsbilder entsprechend ihren Heilungsquoten (zwischen 10 und 80 Prozent) durch eine konsequente Behandlung verbessern ließe.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Prevalence and role of psychiatric disorders in disability


Abstract:


Common risk factors for the receipt of disability income (DI) are psychiatric diagnosis at the time of conscription, showing low personal responsibility and job satisfaction, unemployment after graduation, low rating on an 'IQ' test, low educational level, part-time employment, isolation, separation, smoking, problem drinking, poor subjective state of health and well-being.

Psychiatric diagnoses are considered to be the main reason for disablity income in women and rank third in men. With average retirement age of 39 for males and 42 for females, schizophrenia is the most important single reason for early retirement before age 40. Major depresson has been shown to be the fourth leading cause of DI worldwide.

Personality disorders, which display primarily antisocial, histrionic, emotionally unstable and narcissistic behaviour (Cluster B personality disorders) have been associated with an earlier age of work disability, and borderline personality has been associated with failure to return to work. A dependent, schizoid, paranoid and antisocial personality tends to be associated with an increased risk of developing disability.

A subtype of adaptation disorder that is characterised primarily by lasting embitterment after exceptional life events, which violate basic beliefs, namely post-traumatic embitterment disorder, shows up highly the development of DI.

However, most of the patients applying for a DI have neither been sufficiently diagnosed nor received adequate psychiatric and/or psychotherapeutic treatment when they claim on their DI policy. Thus, the prognosis of the diseases listed above could well be improved at least for some patients depending on their disease (10-80 percent).


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Versicherungsmedizin
Homepage: https://www.vvw.de/index.php?parent=260&idcat=266&namesub=Ze...

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Referenznummer:

R/ZS0083/0040


Informationsstand: 15.12.2006

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