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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Modellversuch Persönliches Budget - Praxisbericht aus Braunschweig

Die Fragen werden immer konkreter



Autor/in:

Ahrens, Clemens


Herausgeber/in:

Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.


Quelle:

Fachdienst der Lebenshilfe, 2005, Nummer 4, Seite 25-27, Marburg: Lebenshilfe-Verlag, ISSN: 0944-825X


Jahr:

2005



Abstract:


Mit dem Titel Mehr Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung durch ein Persönliches Budget startete in Niedersachsen ein Modellversuch zum Persönlichen Budget. Clemens Ahrens, Bereichsleiter Wohnen der Lebenshilfe Braunschweig gGmbH, beschreibt die Vorgehensweise und den Verlauf des Modellversuchs und schließt den Artikel mit einer Zusammenfassung der vorläufigen Ergebnisse und einem kurzen Ausblick.

Von den Fachhochschulen Hannover und Osnabrück begleitet, begann man mit dem Modellversuch in den Landkreisen Emsland und Osnabrück und der Stadt Braunschweig. Eigens für dieses Projekt wurde im Niedersächsischen Sozialministerium eine Steuerungsgruppe eingerichtet.

Einbezogen werden ausschließlich ambulante Leistungen, wodurch nur eine eingeschränkte Bewertung möglich ist. Ein Patient in stationärer Betreuung kann demnach nicht in ambulante Hilfesysteme überführt werden.

Die Infrastrukturen der Modellregionen sind sehr unterschiedlich. Das Emsland hat mit 107 Einwohnern pro Quadratkilometer die geringste Einwohnerdichte, die Stadt Braunschweig mit 1250 Einwohner pro Quadratkilometer die höchste. Das Verhältnis von ambulanten zu stationären Plätzen ist in den Regionen entgegengesetzt. In Braunschweig liegt die Zahl der ambulanten Leistungen deutlich über der der stationären Leistungen.

Mehr als 20 Budgetnehmer, alle mit psychischen und geistigen Behinderungen, nehmen mittlerweile am braunschweiger Modellversuch teil, die Beteiligung in den zwei anderen Modellregionen hingegen ist sehr gering. Über Bedarf und Umfang wird im Rahmen der Hilfeplankonferenz gemeinsam mit Budgetnehmer und Vertretern des Sozial- und Gesundheitsamts entschieden. Das monatliche Budget liegt zwischen 400 und 500 Euro, der Höchstsatz liegt bei 1.200 Euro.

Da die Kriterien für die Messung des Budget- und Hilfebedarf noch unklar sind, wird in Braunschweig eine modifizierte Form des Feststellungsverfahrens auf Grundlage der HMB-Systematik geprüft.

Ein weiters Problem, das zu klären ist, ist die bislang noch nicht umgesetzte Betroffenen-Selbsthilfe. Zwar ist die Selbsthilfe bei körperlichen Behinderungen praktikabel, bei Menschen mit geistigen oder psychischen Behinderungen 'ist allenfalls über Engagement und Beteiligung von Angehörigen eine Betroffenenhilfe zu erwarten'.

In Braunschweig setzte man sich das Ziel, eine qualifizierte Budgetassistenz zu entwickeln, die eine verlässliche Begleitung der Budgetnehmer gewährleistet.

Ein Paradigmenwechsel ist sowohl für Anbieter als auch Budgetnehmer erkennbar. Der Budgetnehmer ist in der Lage, selbst zu entscheiden, welche Leistung er in Anspruch nimmt und abzuwägen was er für sein Geld bekommen möchte. Die Anbieter werden durch das Wahlrecht des Kunden dazu angehalten, verschiedene Angebotsmodule zu entwickeln, denn sie befinden sich im Wettbewerb mit anderen Anbietern.

Das Persönliche Budget ist eine Verschiebung von der fremdbestimmten Sachleistung hin zu mehr Eigenverantwortung der Budgetnehmer. Die Ambulantisierung wird langfristig zu Kosteneinsparungen führen, insofern die Kunden einer bedürfnisorientierte Infrastruktur der Abieter gegenüberstehen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Teilnehmer das Persönliche Budget positiv bewerten, es lässt sich jedoch keine Aussage über eine zukünftige Beteiligung machen. Nach wie vor gibt es viele Unklarheiten zum Beispiel im Verfahren und der Budgetassistenz, aber die Modellversuche machen es möglich, Fragestellungen konkreter zu formulieren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Das Erscheinen des Fachdienstes wurde mit der Nummer 4/2008 eingestellt.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0089/0013


Informationsstand: 17.01.2006

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