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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Mobilität für alle - Herausforderung für ganz Europa

Plädoyer für Mindeststandards zu einer barrierefreien Umwelt



Autor/in:

Sieger, Volker


Herausgeber/in:

Sozialverband VdK Deutschland e.V.


Quelle:

Sozialrecht und Praxis, 2007, 17. Jahrgang (Heft 10), Seite 635-639, Bonn: Eigenverlag, ISSN: 0939-401


Jahr:

2007



Abstract:


Die UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen weist in Artikel 9 darauf hin, dass die Herstellung einer barrierefreien Umwelt Bedingung für eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe an allen Aspekten des Lebens ist.

Mobilität für behinderte Menschen im öffentlichen Transportwesen ist schon lange nicht mehr nur Ländersache. Auf europäischer Ebene hat sich, in Form von Antidiskriminierungsverordnungen, in den letzten Jahren einiges getan, um die Barrierefreiheit umzusetzen. Welchen Wert man ihnen und ihren Maßnahmen beimessen kann bleibt jedoch fraglich. Anhand dreier Instrumente des Transportwesens, dem Flugzeug, der Bahn und dem Bus zeigt der Autor Versäumnisse, und Defizite aber auch ein gelungenes Beispiel für die Umsetzung uneingeschränkter Mobilität für behinderte oder in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkte Menschen.

Die Kabinengestaltung im Flugzeug stellt noch immer ein großes Problem dar, da die Hersteller auf der einen Seite nicht verpflichtet sind für eine behindertenfreundliche Konzipierung zu sorgen und die Europäische Union auf der anderen Seite keine Mindeststandards für eine barrierefreie Gestaltung festgelegt hat.

Für das barrierefreie Reisen mit der Bahn wurde neben den allgemeinen Richtlinien für einen behindertengerechten Transport, die TSI PRM (Technische Spezifikationen für die Interoperabilität Personen mit eingeschränkter Mobilität) erarbeitet, um Mindestanforderungen hinsichtlich der zukünftigen barrierefreien Gestaltung von Zügen und Bahnhöfen zu erfüllen. Doch während behinderten und in ihrer Mobilität eingeschränkten Fahrgästen auf der einen Seite zusätzliche Rechte für eine diskriminierungsfreie Beförderung zugesprochen werden sollen, schließt die TSI PRM einen Großteil behinderter Menschen von der Nutzung der Züge aus.

Bei der Erarbeitung der Mindeststandards für Personen mit eingeschränkter Mobilität waren allerdings nur die nationalen Bahngesellschaften, ihre Aufsichtsbehörden und die Vertreter der Fahrzeugindustrie zuständig. Organisationen behinderter Menschen waren in den Entscheidungsprozess nicht eingebunden. Daraus resultiert zwar, dass die Hersteller die Anforderungen konsequent umsetzen, jedoch sind diese für einen großen Teil der behinderten Bevölkerung ungeeignet.

Das Gegenteil beweist die von der Europäischen Union erlassene Richtlinie für den Busverkehr. Sie geht als positives Beispiel voran indem sie Behindertenorganisationen in den Entscheidungsfindungsprozess mit einbezogen hat und mit den so festgelegten Mindeststandards eine optimale Lösung für alle Beteiligten im Sinne des Design for All gefunden werden konnte.

Der Grund für die Probleme in der Praxis sind daher vor allem in den Beratungs- und Entscheidungsstrukturen zu suchen. Nur durch ein systematisches und konsistentes Handeln auf allen Verwaltungsebenen kann die langfristige Umsetzung des behindertengerechten Transports gewährleistet werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Sozialrecht + Praxis - Fachzeitschrift für Sozialpolitiker und Schwerbehindertenvertreter
Homepage: https://www.vdk.de/deutschland/pages/presse/6320/sozialrecht...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0102/6410


Informationsstand: 26.11.2007

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