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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Zusage mit Bedingung

Über die erfolgreiche Wiedereingliederung des erblindeten Organisationsprogrammierers Josef W.



Autor/in:

Lehmann, Andreas


Herausgeber/in:

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)


Quelle:

Die Gegenwart, 2005, 59. Jahrgang (Heft 4), Seite 22-23, Bonn: Eigenverlag


Jahr:

2005



Abstract:


Josef W. programmiert die notwendigen Datenbankabfragen, die über das Internet dem Kunden der Spedition Kraus & Pabst auf dem Bildschirm dargestellt werden. Kaum jemand glaubt, dass er, einer der Mitentwickler des Onlineverfahrens, blind ist. Neben diesem Projekt, in dem Herr W. mit einem sehenden Kollegen zusammenarbeitet, kümmert er sich selbstständig um ein EDV-gestütztes Verfahren zur Schadens- und Versicherungsabwicklung, das im Unternehmen selbst zum Einsatz kommt.

Um am Rechner arbeiten zu können, verwendet er am stationären Computer und am Laptop eine Braille-Zeile, ergänzt durch eine Sprachausgabe. 'Wenn die Programme im Windows-Standard programmiert sind, kann ich genauso mit EDV arbeiten, wie meine sehenden Kollegen', sagt Josef W.

Bereits im Februar 2002 sagte ihm die Firma Kraus & Pabst die Wiedereinstellung zu unter der Voraussetzung, dass er die Braille-Schrift und die Windows-Oberfläche beherrscht und mit der Programmiersprache JAVA arbeiten kann. 'Es ist uns als Arbeitgeber ein Anliegen, durch die Publikation der gelungenen Wiedereingliederung anderen Betroffenen eine Perspektive aufzuzeigen' sagt Prokurist Gunder Stark, Leiter der Organisation und Datenverarbeitung im Unternehmen.

Nach der Zusage befand sich Josef W. noch mehr als 14 Monate in einer beruflichen Rehabilitationsmaßnahme im BFW Würzburg. Dort wurde er im Lesen der Punktschrift 'auf Tempo' gebracht, lernte den Umgang mit Windows und arbeitete sich in die Programmiersprache JAVA ein. Bei Arbeitsaufnahme war er der erste bekannte Programmierer in Bayern, der mit JAVA arbeitete.

Zu Beginn der beruflichen Beschäftigung finanzierte die Bundesversicherungsanstalt als zuständiger Rehabilitationsträger über die Bildungsmaßnahme im BFW Würzburg hinaus die komplette Arbeitsplatzausstattung und gewährte einen Eingliederungszuschuss. Begleitet wurde der gesamte Prozess der beruflichen Wiedereingliederung seit Herbst 2001 durch den Integrationsfachdienst für den Arbeitsagenturbezirk Coburg, Berufsbegleitender Dienst für Blinde und Sehbehinderte des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes e. V. (BBSB). Ein Fachberater sorgte dafür, dass die Leistungen aller Beteiligten zielführend vernetzt wurden.

Die Weiterentwicklung der am Arbeitsplatz verwendeten Software und auch die Inhalte der jeweiligen Projekte werden immer wieder neue Anpassungen des Arbeitsplatzes und die Vermittlung zusätzlicher Kenntnisse erfordern. Mit individuellen Hilfsmitteln und Qualifikation, die aus der Ausgleichsabgabe finanziert werden, können fast alle Arbeitsplätze optimal auf die jeweiligen behinderungsbedingten Bedürfnisse angepasst werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Verbandszeitschrift Sichtweisen (vormals: 'Die Gegenwart')
Homepage: https://www.dbsv.org/verbandszeitschrift-sichtweisen.html

Sichtweisen erscheint in verschiedenen Formaten: als sehbehindertengerechte Schwarzschrift-Ausgabe, in Punktschrift zum Lesen mit den Fingern oder zum Hören auf der DAISY-CD 'DBSV-Inform', die zusätzlich die Hörzeitschriften der DBSV-Landesvereine enthält.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0114/0020


Informationsstand: 18.04.2005

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