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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufliche Teilhabe: Wenn sich der Pulverdampf verzogen hat


Autor/in:

Klein, Irene; Richter, Michael


Herausgeber/in:

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)


Quelle:

Die Gegenwart, 2008, 62. Jahrgang (Heft 6), Seite 9-11, Berlin: Eigenverlag


Jahr:

2008



Abstract:


Das Interview mit Michael Richter, dem Geschäftsführer des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) widmet sich dem Rückgang der Arbeitslosenzahlen und inwieweit blinde und sehbehinderte Menschen von diesem Aufschwung profitieren, zumal die Bundesagentur für Arbeit (BA) zunehmend nach betriebswirtschaftlichen Kriterien gesteuert wird. Michael Richtet bewertet auch den Meinungsaustausch mit Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit bei der Verwaltungsratssitzung des DVBS.

Michael Richter ist sich bewusst, dass die Umstrukturierung der Bundesagentur für Arbeit zu mehr Wirtschaftlichkeit, das heißt vor allem höhere Vermittlungsquoten, behinderte Menschen immer mehr ins Abseits stellt und fordert die Bundesagentur für Arbeit dazu auf, ihrem sozialen Auftrag nachzukommen. Denn Sonderprobleme haben seiner Meinung nach noch überhaupt keine Berücksichtigung in diesem Prozess gefunden.

Ob sich die Entspannung auf dem Arbeitsmarkt auch positiv auf blinde und sehbehinderte Arbeitnehmer auswirkt, sieht Richter kritisch. Zum einen bemängelt er die verallgemeinerten Zahlen für Schwerbehinderte, die eine scheinbare Verbesserung suggerieren, dadurch, dass sie die Zahlen der Vermittlung der leichter behinderten Schwerbehinderten mit denen der Schwerstbehinderten vermischen. Zum anderen ist nicht differenziert, ob jemand gleichgestellt ist mit einem Grad der Behinderung von 30 Prozent oder ob jemand schwerstbehindert ist, weil er zum Beispiel blind ist. Trotz besserer Konjunktur fällt die Entwicklung für Behinderte immer etwas schlechter aus, so Richter.

Zum Besuch von Frank-Jürgen Weise äußerte sich Richter durchweg positiv auch wenn es nach seiner Ansicht noch einige offene Baustellen gibt, die es zu bearbeiten gilt. Ein großes Problem sei zum Beispiel die Abschaffung der zentralen Arbeitsvermittlung für schwerbehinderte Akademiker (ZAV). Herr Weise habe versichert, so Richter, dass die ZAV als Back-office Anlaufpunkt für die regionalen Arbeitsagenturen sein soll, räumte aber gleichzeitig selbstkritisch ein, dass man noch weit von einer tatsächlichen Umsetzung in der Praxis entfernt sei.

Um den Wirtschaftlichkeitsdruck ein wenig herauszunehmen, fordert der DVBS, dass Kennzahlen, die die berufliche Eingliederung schwerbehinderter Menschen abbilden, eingeführt werden. Sie sollen mit einem angegliederten Punktesystem, das einen Ausgleich für den höheren Arbeitsaufwand bei der Vermittlung bietet, helfen, den Anreiz für Sachbearbeiter zu erhöhen.

Ein spezielles Know-how bei der Vermittlung von blinden und sehbehinderten Menschen verlangt Richter nicht. Allerdings ist es seiner Meinung nach unumgänglich, dass die örtlichen Agenturen auf entsprechendes Fachwissen zurückgreifen können, egal ob intern oder von außerhalb.

Die Frage nach einer zufriedenstellenden Ausbildungsförderung beantwortet er mit Kritik an der mangelnden Möglichkeit, Zusatzqualifikationen im Zuge eines lebenslangen Lernens zu erwerben. Das in diesem Zusammenhang gegründete Netzwerk Berufliche Teilhabe konnte diese Probleme nicht wirklich aufgreifen.

Michael Richter blickt jedoch optimistisch in die Zukunft und erwartet eine gute Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit, um die Anliegen des DVBS umzusetzen, da dessen Anliegen nicht nur bei der Bundesagentur für Arbeit, sondern auch in der Politik wahrgenommen werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Verbandszeitschrift Sichtweisen (vormals: 'Die Gegenwart')
Homepage: https://www.dbsv.org/verbandszeitschrift-sichtweisen.html

Sichtweisen erscheint in verschiedenen Formaten: als sehbehindertengerechte Schwarzschrift-Ausgabe, in Punktschrift zum Lesen mit den Fingern oder zum Hören auf der DAISY-CD 'DBSV-Inform', die zusätzlich die Hörzeitschriften der DBSV-Landesvereine enthält.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0114/6686


Informationsstand: 19.06.2008

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