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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Schule für alle

Inklusive Bildung: Konsequenzen für blinde und sehbehinderte Schüler sowie für Sonderpädagogen und Schulen



Autor/in:

Beyer, Friederike


Herausgeber/in:

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)


Quelle:

Die Gegenwart, 2008, 62. Jahrgang (Heft 12), Seite 5-8, Berlin: Eigenverlag


Jahr:

2008



Abstract:


Die ersten Integrationsklassen in Schulen entstanden 1975. Schüler mit Lern- oder geistiger Behinderung wurden mit nicht behinderten Kindern unterrichtet.

Dies stellte sich jedoch im Frontalunterricht als problematisch dar. Gefordert wird eine Veränderung der Schulen von Beginn an. Jahrgangsübergreifendes Lernen, Teamunterricht, Abschaffung der Ziffernoten, Individualisierung des Unterrichts für alle Kinder und keine räumliche Trennung von behinderten und nicht behinderten Kindern in allen Lebenslagen.

Friederike Beyer stellt die inklusive Schule vor. Ziel ist es, dass alle Kinder an ihrem Wohnort eine gemeinsame Schule besuchen. Wenn man gar nicht erst separiert, muss man hinterher nicht interagieren, so Beyer. Eine Zuweisung von Sonderpädagogen und Förderstunden soll an jeder Schule erfolgen, die zur Unterstützung der Schule und einzelnen Klassen, jedoch nicht für einzelne Schüler da sind.

Förderpläne oder besondere Lehrpläne für Kinder mit Behinderung sollen in Zukunft nicht mehr angewendet werden. Alle Kinder sollen individuelle Lehrpläne bekommen. Experten wie Blinden- oder Sehbehindertenpädagogen sind überflüssig, genauso wie die Sonderpädagogik, da Sonder- und Regelschulpädagogen die Arbeit mit den einzelnen Kindern reflektieren und ein Kompetenztransfer an die Regelschule entsteht.

Ob es eine besondere Didaktik an der Schule für alle geben wird, ist noch nicht geklärt. Unterrichtsgegenstand sind die Vorerfahrungen und Vorstellungen der Kinder. Auf Frontalunterricht sollte verzichtet werden, und ein entdeckendes Lernen sollte stattfinden. Gerade blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche erhalten so besondere Chancen. Nicht nur der belastende Zeitdruck, des Frontalunterrichts würde wegfallen, sondern normale soziale Erfahrungen könnten vermehrt gemacht werden, da die Kinder in ihrem sozialen Umfeld blieben.

Friederike Beyer zeigt auch die Probleme der Inklusion auf. Zum Beispiel muss bei der Themenwahl berücksichtigt werden, ob der Unterrichtsgegenstand auch für blinde und sehbehinderte Menschen interessant ist und ob diese einen Bildungswert haben oder einfach nur eine Beschäftigung sind.

Lerninhalte müssen außerdem mehr vorstrukturiert werden. Lernen durch Beobachtung oder das Prinzip der Selbsttätigkeit ist problematisch und bedarf anderer Medien und pädagogischer Interventionen als bei sehenden Kindern.

Zur Lösung dieser Probleme werden Blinden- und Sehbehindertenpädagogen benötigt, die jedoch das eigentliche Ziel der Inklusion gefährden, indem sie die Kinder aus der gemeinsamen Lernsituation herausnehmen. Daher kann es nur einen teilweisen Wandel der Integration des gemeinsamen Unterrichts blinder, sehbehinderter und sehender Kinder, zur Inklusion, geben.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Verbandszeitschrift Sichtweisen (vormals: 'Die Gegenwart')
Homepage: https://www.dbsv.org/verbandszeitschrift-sichtweisen.html

Sichtweisen erscheint in verschiedenen Formaten: als sehbehindertengerechte Schwarzschrift-Ausgabe, in Punktschrift zum Lesen mit den Fingern oder zum Hören auf der DAISY-CD 'DBSV-Inform', die zusätzlich die Hörzeitschriften der DBSV-Landesvereine enthält.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0114/6921


Informationsstand: 14.01.2009

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