Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Low Vision


Autor/in:

Wahren-Krüger, Kirsten; Inde, Krister; Strunk, Inka [u. a.]


Herausgeber/in:

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)


Quelle:

Die Gegenwart, 2010, 64. Jahrgang (Heft 1), Seite 13-23, Berlin: Eigenverlag


Jahr:

2010



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Abstract:


Nicht sehend, aber auch nicht blind: Wer sehbehindert ist, bewegt sich zwischen zwei Welten. Und kann schon mal die Orientierung verlieren, wenn er vom Augenarzt zum Optiker, vom Optiker zur Krankenkasse, von der Krankenkasse zum Reha-Trainer, vom Reha-Trainer zum Integrationsamt, vom Integrationsamt zum Hilfsmittelberater rennt. Es könnte so viel einfacher sein, gäbe es alle Angebote unter einem Dach. Low Vision heißt dieser ganzheitliche Ansatz, der in Deutschland nur mühsam in die Praxis findet.

Der Autoren machen in verschiedenen Beiträgen Low Vision zum Thema, klären die Begrifflichkeiten und geben einen Überblick über die Versorgungssituation in Deutschland. Die Herausforderungen, denen sich die verschiedenen Berufsgruppen stellen müssen, kommen ebenso zur Sprache wie die Erfahrungen eines Betroffenen. Was die Selbsthilfe leisten kann, zeigt das Beispiel des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes, und schließlich wandert der Blick über die Grenzen nach Skandinavien, wo die Low-Vision-Versorgung weltweit Maßstäbe setzt.

Der erste Beitrag, 'Individuelle Hilfen - gemeinsame Lösungen' definiert das Problem der Low Vision. Darüber hinaus wird versucht, auf die Situation in Deutschland einzugehen und das Arbeitsfeld Low Vision abzugrenzen. Es wird herausgestellt, dass ein flächendeckendes Angebot und Netzwerk wünschenswert wäre, in dem ein Arbeitsteam aus Augenarzt, Orthoptist, Reha-Lehrer, Augenoptiker, Pädagogen und Sozialarbeitern bestehen würde, um eine unkomplizierte und ganzheitliche Versorgung des Patienten sicherzustellen.

Dass diese Idee große Erfolge erzielen kann, zeigt der zweite Beitrag 'Schlechte Sicht - gute Betreuung: Low Vision in Skandinavien'. Über Schweden, Norwegen und Dänemark verteilt gibt es ein Netz mit 69 so genannten Low-Vision-Kliniken. Hier arbeiten viele Berufsgruppen Hand in Hand, um sehbehinderte und auch blinde Menschen optimal zu versorgen. Früh wurde hier auch der Bedarf an qualifiziertem Personal erkannt, und die Universität Stockholm bietet seit 1976 ein Studium zur Low-Vision-Therapist, ebenso die Universitäten Oslo und Kopenhagen. Das eng verzahnte Netz und die gute Zusammenarbeit der drei Länder seit 1970 zeigen, dass große Erfolge im Bereich Low-Vision durchaus möglich sind.

Bernd Walsch zeigt in einem Erfahrungsbericht die Schwierigkeiten auf, die er nach der Diagnose Retinitis Pigmentosa hatte, selbstständig zu bleiben. Bei dieser Augenkrankheit schränkt sich das Sichtfeld immer weiter ein, so dass die Erblindung droht. Bernd Walsch berichtet über Selbsthilfegruppen und Blinden- und Sehbehindertenvereine, wo er Hilfe bekam und zeigt, dass Hartnäckigkeit sich auszahlen kann: Trotz seiner Sehbehinderung ist er heute selbstständig und hat seine eigene Firma.

Christine Stamm, die Leiterin der Berliner Beratungsstelle für Sehbehinderte stellt ihre Beratungsstelle vor und macht sich ebenfalls für das 'Netzwerken' stark. Da es in Deutschland keine spezielle Ausbildung zum Low-Vision-Spezialisten gibt, ist eine Kooperation der unterschiedlichen Berufsbereiche dringend notwendig. Ihre Beratungsstelle ist ein gutes Beispiel dafür, hier arbeiten Augenärzte, Orthoptisten, Mobilitätstrainer, Augenoptiker und Sozialarbeiter eng zusammen.

Weitere 'Low-Vision-Pioniere' in Deutschland werden vorgestellt. Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund hat RehabilitationslehrerInnen, die gleichzeitig auch ausgebildete Low-Vision-Trainer sind. Zusammen mit den HilfsmittelberaterInnen hat der Rehabilitationsdienst des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes 13 Mitarbeiter, die nicht nur blinden, sondern auch sehbehinderten Menschen kompetente Hilfe bei der Bewältigung des Alltags bieten. Anhand eines Fallbeispiels wird dies sehr anschaulich gemacht.

Vorgestellt wird ebenfalls die Low-Vision-Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Fachdisziplinen im Bereich des 'Sehens' zu vernetzen, um fachlich und informell eine Integration aller an der Versorgung und Betreuung sehbehinderter Menschen beteiligten Berufsgruppen voranzutreiben.

Der Beitrag 'Nicht sehen und gesehen werden' beschreibt anschaulich die Probleme, die sehbehinderte Menschen haben können, sei es im Alltag oder auch bei zwischenmenschlichen Situationen. Nadine Sabath, die an Achromatopsie leidet, eine Augenkrankheit, bei der im menschlichen Auge die Zäpfchen ihren Dienst versagen, berichtet über ihren Alltag, über lustige Situationen, aber auch über Probleme.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Verbandszeitschrift Sichtweisen (vormals: 'Die Gegenwart')
Homepage: https://www.dbsv.org/verbandszeitschrift-sichtweisen.html

Sichtweisen erscheint in verschiedenen Formaten: als sehbehindertengerechte Schwarzschrift-Ausgabe, in Punktschrift zum Lesen mit den Fingern oder zum Hören auf der DAISY-CD 'DBSV-Inform', die zusätzlich die Hörzeitschriften der DBSV-Landesvereine enthält.

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0114/7812


Informationsstand: 22.01.2010

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