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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Teilhabe am Arbeitsleben in Polen


Autor/in:

k. A.


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e.V. (BAG WfbM)


Quelle:

Werkstatt:Dialog, 2005, 21. Jahrgang (Heft 5), Seite 35-36, Frankfurt am Main: Eigenverlag


Jahr:

2005



Abstract:


Seit dem 1.Mai 2004 ist Polen Mitglied der Europäischen Union. Der Beitritt wirkte sich zweifelsohne positiv auf Polen aus. Es wurden seither Anstrengungen unternommen, die Lebensbedingungen in Polen denen der EU-Staaten anzupassen. Auch die Wirtschaft erlebt eine Konjunktur. So machen sich viele europäische Firmen die vergleichsweise niederigen Durchschnittslöhne und die Nähe zu den osteuropäischen Märkten zu Nutzen und öffnen Zweigstellen in Polen. Dennoch sinkt der Bedarf an Arbeitskräften zunehmend und die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei mehr als 18 Prozent.

Für behinderte Menschen bietet die Arbeitsmarktsituation erschwerte Bedingungen. Die polnische Regierung ergriff daraufhin Maßnahmen, um Menschen mit einer Behinderung bei der Teilhabe am Arbeitsleben zu unterstützen. So müssen Unternehmen Ausgleichsabgaben zahlen, sollte die Beschäftigungsquote nicht erfüllt weden. Bei Unternehmen mit mindestens 25 Mitarbeitern müssen laut Gesetz 6 Prozent der Arbeitsplätz mit behindeten Menschen besetzt sein. Ansonsten sind 40 Prozent des Durchschnittslohns an einen staatlichen Rehabilitationsfond zu zahlen. Dieser Verantwortung kommen jedoch nur sechs Prozent aller Unternehmen nach.

Das System der beruflichen Rehabilitation ist dem deutschen zwar sehr ähnlich, wird aber noch nicht flächendeckend umgesetzt. Sogenannte 'geschützte Unternehmen' (ZPch), Firmen die überwiegend behinderte Menschen beschäftigen, gibt es in Polen schon seit der Zeit der Sozialismus. Diese sind den deutschen Integrationsfirmen ähnlich. Unterstützt wird die Beschäftigung behinderter Menschen durch eine Erstattung von bis zu 130 Prozent des Mindestlohns pro Arbeitsplatz durch den Staat.

Seit 1991 gibt es außerdem die WTZ-Werkstätten, von denen es heute in Polen über 600 gibt. Eine WTZ beschäftigt zwischen 20 und 30 voll erwerbsgeminderte Menschen. Doch noch lange ist der Bedarf an diesen Einrichtungen nicht gedeckt. Vor allem in den ländlichen Gebieten existieren kaum WTZ und so werden viele voll erwerbsgeminderte Menschen ausschließlich von ihren Familien versorgt.

Die WTZ ist vergleichbar mit dem Berufsbildungsbereich einer WfbM. Im Vordergrund steht das Erlernen von lebenspraktischen Kompetenzen, von beruflichen Kernkompetenzen und Arbeitsprozessqualifikationen. Die Gestaltung der Arbeitstage unterliegt keinen Regen und wird von der Werkstattleitung individuell gestaltet. Die Arbeiten in den WTZ liegen besonders im künstlerisch-musischen Bereich, den WTZ ist es nämlich nicht gestattet, wirtschaftliche Ergebnisse zu erzielen, wodurch eine Zusammenarbeit mit kleinen und mittleren Unternehmen nicht möglich ist.

Anders hingegen verhält es sich mit den ZAZ-Werkstätten. Seit einigen Jahren gibt es dieses Modell, das Arbeiten des allgemeinen Marktes anbietet. Den ZAZ-Werkstätten ist gewinnorientiertes Arbeiten gestattet und die Beschäftigten werden für ihre Tätigkeit angemessen vergütet. Die Werkstätten sind mit dem Arbeitsbereich der WfbM vergleichbar, wobei die ZAZ-Werkstätten Bestandteil des ersten Arbeitsmarkts sind. Gerne würden auch die WTZ-Werkstätten das Konzept der ZAZ flächendeckend nutzen, doch die Regierung ist nach wie vor skeptisch, ob dieses Konzept nicht in Konkurrenz zu den 'geschützten Werkstätten' steht.

Zusätzlich zu den WTZ- und ZAZ-Werkstätten gibt es noch Einrichtungen für Menschen mit schwersten und mehrfachen Behinderungen. Bei diesen steht jedoch der Versorgungsaspekt der hier lebenden Menschen im Vordergrund. Im Rahmen des Freundschaftsjahres werden polnische Einrichtungen ihre Arbeit auf der Werkstätten:Messe 2006 vorstellen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Weitere Teile der Serie 'Teilhabe am Arbeitsleben in ...' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Werkstatt:Dialog
Homepage: https://www.bagwfbm.de/wdg

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0117/0050X03


Informationsstand: 02.11.2005

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