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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Rollstuhl rein, Rollstuhl raus: Marktübersicht Rollstuhlverladehilfen für den PKW


Autor/in:

Brink, Birgit


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

HANDICAP, 2011, 18. Jahrgang (Heft 1), Seite 98-115, München: Belitz & Neumann


Jahr:

2011



Abstract:


Die Autorin stellt eine Marktübersicht über Rollstuhl-Verladehilfen für den PKW vor, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, aber die bislang gängigsten Lösungen für die Verladung von Aktivrollstühlen im Kofferraum, auf der Rückbank und auf dem Autodach von Kombis und Limousinen zeigt. Dabei wurde sich auf die Bedürfnisse von und Wünsche von aktiven Autofahrern mit Handicap konzentriert, die sich vom Rollstuhl auf den Fahrersitz umsetzen oder sogar noch ein paar Schritte gehen können, um den Rollstuhl in den Kofferraum zu verladen beziehungsweise hierfür die Hilfe einer Begleitperson in Anspruch nehmen wollen.

Wer dagegen im Elektrorollstuhl selbst Autofahren oder mit beziehungsweise im ausgewachsenen E-Rolli oder Scooter transportiert werden möchte, sollte auf (Mini-)Vans oder Busse mit großzügigem Platzangebot im Innenraum zurückgreifen, für die von Umrüstern ebenfalls zahlreiche Lösungen angeboten werden, auf die hier aber nur am Rande eingegangen wird.

Die Rollstuhl-Verladehilfe von EDAG wird bereits seit 1989 angeboten und hat sich seitdem als zuverlässiges System in vielen vier- beziehungsweise fünftürigen Automodellen bewährt. Sie ist für aktive Fahrer mit Handicap geeignet, die sich vom Rollstuhl auf den Fahrersitz umsetzen können, und verlädt den Faltrollstuhl weitgehend automatisch hinter den Fahrersitz. Die hintere Tür wird dafür zu einer Parallelschwenktür umgebaut, was die Optik des Fahrzeugs nicht verändert.

Ab dem Punkt, an dem der Transfer vom Rollstuhl auf den Fahrersitz abgeschlossen ist, schaffen geübte Nutzer den kompletten Ladezyklus in gut 30 Sekunden. Negativ anzumerken ist der recht große Platzverbrauch, denn ein Drittel der Rückbank und ein Teil des Kofferraumes werden in Anspruch genommen. Ebenfalls ist er nur für Faltrollstühle mit Standardmaßen geeignet. Der Endverbraucherpreis zuzüglich Montage, Rollstuhlanpassung, TÜV und Fracht beträgt ungefähr 9.500 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Der Ladeboy S2 von Rausch ist ebenfalls nur für Faltrollstühle geeignet und nimmt einiges an Platz weg. Allerdings lassen sich hier auch Faltrollstühle mit den elektrischen Zusatzantrieben e-fix und e-motion von Ulrich Alber verladen. Insgesamt handelt es sich hierbei um ein komfortables, schnelles, sauberes, sicheres und flexibles System für fast alle Limousinen und Kombis. Außerdem macht die Vollautomatische Rollstuhlaufnahme die Bedienung mit einer Hand möglich. Der Preis ist abhängig vom Fahrzeugtyp und bewegt sich zwischen 10.000 und 11.000, inklusive Mehrwertsteuer.

Der Roof Spider von Autoadapt ist ein externes Rollstuhl-Verladesystem für Faltrollstühle in einer aerodynamischen Dachbox. Dies hat den großen Vorteil, dass alle Sitzplätze und der volle Laderaum des Autos nutzbar sind, da sich der Rollstuhl und die Verlademechanik in der Dachbox befinden. Außerdem ist die Verladung auf Fahrer- und Beifahrerseite möglich. Allerdings ist die außen angebrachte Verlademechanik etwas wetteranfällig, Eis und Schnee können die Funktionsfähigkeit der Mechanik beeinträchtigen.

Daneben hat die Box noch die üblichen Nachteile aller Dachboxen: Der Kraftstoffverbrauch erhöht sich, die Fahreigenschaften verschlechtern sich etwas der Geräuschpegel während der Fahrt erhöht sich. Hier gibt es keinen vom Hersteller empfohlenen Verkaufspreis, aber bei Kadomo kostet der Roof Spider ohne Montage ungefähr 5.200 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Die wohl spektakulärste Rollstuhl-Verladehilfe ist der Robot 201 des israelischen Herstellers TMN. Ein gelenkiger Teleskoparm führt den Rollstuhl minutiös um das Auto herum, wobei die Steuerung des Roboterarms über Elektromotoren erfolgt. Die korrekten Umlenkpunkte müssen einmal vom Fachbetrieb programmiert werden, da sie von Auto zu Auto und von Rolli zu Rolli variieren. Nach der Programmierung gleitet der Rollstuhl innerhalb von 35 Sekunden in den Kofferraum, und die Heckklappe schließt automatisch.

Seitlich wird für den Transfer eines Faltrollstuhls weniger als eine Türbreite Platz benötigt, was sehr bei kniffligen Parksituationen hilft. Nach hinten wird der Rollstuhl elegant über fremde Motorhauben gehoben, was die Gefahr des Zugeparkt-Werdens minimiert, solange es sich nicht um einen Geländewagen handelt. Alle Sitzplätze bleiben nutzbar, allerdings wird durch den Rollstuhl und den Arm das Kofferraumvolumen stark eingeschränkt. Der Preis beläuft sich auf ungefähr 8.000 Euro netto laut Herstellerangabe.

Der Ladeboy von Rausch entpuppt sich als leichtgängig und flexibel, der Rollstuhl wird am Fahrzeugheck automatisch in den Kofferraum verladen. Dadurch macht er die Bedienung mit einer Hand und ohne Anheben oder Dirigieren des Rollstuhls möglich. Er ist universell und komfortabel in fast alles Limousinen und Kombis einzusetzen, eignet sich aber nur für Personen, die selbständig gehen und stehen können, um den Rollstuhl im Kofferraum zu verstauen und auf den Fahrersitz zu gelangen oder für Personen, die Assistenz haben. Der Preis ist abhängig vom Fahrzeugtyp und beginnt bei 3.450 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Autoadapt hat den Carolift 40 entwickelt, einen kompakten Kran mit Gelenkarm der sich neben der Verladung für Faltrollstühle auch für Starrrahmenrollstühle und Rollatoren in den Kofferraum nahezu aller Limousinen und Kombis eignet. Mit seinen 2 Gelenken lässt sich der Schwenkarm flexibel in verschiedene Richtungen abwinkeln, sodass der durch schmale Hecköffnungen und über breite Stoßfänger hinweg geladen und sogar vom Bürgersteig aus aufgenommen werden kann.

Allerdings müssen Selbstfahrer auch hier stehen und gehen können sowie beide Hände und motorisches Feingefühl besitzen, um den Rollstuhl im Kofferraum zu verladen und auf den Fahrersitz oder Beifahrersitz zu kommen, oder sie benötigen Assistenz. Das Kofferraumvolumen ist natürlich ebenfalls eingeschränkt und auch die Fixierung des Rollstuhls gestaltet sich als schwierig. Der Preis beläuft sich ohne Montage auf ungefähr 1.200 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Der letzte im Bunde ist der Rolliroller von Idolution. Hierbei handelt es sich um eine minimalistische Lösung: Das handliche und mobile Gerät besteht aus zwei Alurohren, die auf die Schiebegriffe des gefalteten Rollstuhls gesteckt werden, und einer dazwischen befestigten Rolle. Dadurch lässt er sich ohne großen Kraftaufwand weiter in den Gepäckraum schieben und dort auf die Seite legen. Dafür muss man allerdings wieder stehen und gehen können oder benötigt Assistenz.

Es bleiben dadurch alle Sitzplätze erhalten, auch im Kofferraum wird nur der Platz für den Rollstuhl benötigt. Fixiert werden muss er anschließend dennoch, hierfür bietet Idolution aber noch keine zufriedenstellende Lösung an. Insgesamt ist der Rolliroller sicher kein vollwertiges Rollstuhlverladesystem, dafür aber besonders kompakt, leicht und mit 129,99 Euro sehr günstig.

Abschließend bleibt zu sagen, dass man genau abwägen sollte, welches Hilfsmittel zur Rollstuhlverladung für die eigenen Anforderungen das Richtige ist.
- Benutzt man einen Faltrollstuhl oder einen Starrrahmenrollstuhl?
- Wird der Platz im Auto mehr für Fahrgäste oder Gepäck gebraucht?
- Wie viel Unterstützung ist notwendig, um den Rollstuhl im Fahrzeug unterzubringen?
Ein Termin vor Ort beim Umrüster ist auf jeden Fall ratsam - auch weil sich durch innovative Fahrzeuge und Modellwechsel unablässig neue technische Herausforderungen stellen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Rollstuhlverladehilfen | REHADAT-Hilfsmittel




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


HANDICAP - Das Magazin für Lebensqualität für Menschen mit Behinderungen und ihre Freunde
Homepage: http://www.handicap.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0130/8841


Informationsstand: 04.07.2011

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