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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Gibt es zur Werkstatt für behinderte Menschen eine Alternative?


Autor/in:

Vater, Alexander


Herausgeber/in:

Bundesvereinigung Lebenshilfe e.V.


Quelle:

Rechtsdienst der Lebenshilfe, 2007, Nummer 1, Seite 7-11, Marburg: Lebenshilfe-Verlag, ISSN: 0944-5579


Jahr:

2007



Abstract:


Anfang Dezember hat die Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe eine Entwicklung der Zahlen in der Eingliederungshilfe vorgelegt. Demnach wird der Zahl der behinderten Menschen in den Werkstätten zwischen 2007 und 2010 eine Steigerung von 12,6 Prozent vorausgesagt.

Dass aufgrund der Entwicklung Handlungsbedarf besteht, sei nicht zu leugnen, doch den überörtlichen Trägern stünden keine ausreichenden Instrumente zur Verfügung. Hinzu komme, dass die finanzielle Lage der Länder und Kommunen bei steigenden Kosten die Finanzierung des Hilfesystems nicht länger möglich mache.

In den letzten Jahren, so Autor Dr. Alexander Vater von den Johannes-Anstalten Mosbach, sei die Zahl der Menschen mit psychischen Behinderungen besonders stark gestiegen. Dabei handelt es sich um Menschen, die medizinisch und beruflich nicht soweit rehabilitiert werden, dass sie dauerhaft in den allgemeinen Arbeitsmarkt integrierbar sind.

Zudem schlägt sich auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt auf die Zahl der Beschäftigten in Werkstätten nieder. Eine deutliche Zunahme ist bei der Zahl behinderter Kinder in vorschulischen Einrichtungen der Behindertenhilfe zu beobachten. Bislang gibt es keine Untersuchungen, inwieweit diese Kinder in den allgemeinen Arbeitsmarkt eingegliedert werden können.

Es ist Aufgabe der Werkstätten, den Übergang geeigneter Personen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt mit geeigneten Maßnahmen zu fördern. Tatsächlich gelingt der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt nur selten. Im Sozialgesetzbuch IX in den §§ 132 ff. ist die Rechtsgrundlage für den Ausbau von Integrationsprojekten geschaffen worden. Integrationsprojekte, von den Integrationsämtern finanziell gefördert, sind als Unternehmen am allgemeinen Arbeitsmarkt tätig und werden markt- und wettbewerbs-orientiert geführt. Die finanziellen Mittel seien jedoch nicht ausreichend um sinnvolle Projekte zu unterstützen.

Eine weitere Alternative zur Werkstatt sind die Leistungen der Bundesagentur für Arbeit. Ihr kommt beim Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt eine besondere Rolle zu, denn ihr obliegt beispielsweise die Berufsberatung und Vermittlung. Arbeitgeber erhalten von der Bundesagentur für Arbeit unter anderem Eingliederungszuschüsse und Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung.

Das saarländische Sozialministerium hat das Modellprojekt Virtuelle Werkstatt für seelisch behinderte Menschen initiiert. Hierbei ist die Werkstätte virtuell, da externe Beschäftigungen in Betrieben angeboten werden, um den Menschen eine Eingewöhnung in den normalen Alltag zu ermöglichen. Aufnahmebedingung ist, dass die Leistungsfähigkeit ein Fünftel der eines voll Erwerbstätigen entspricht.

Insgesamt, so der Autor gebe es für die Menschen mit Behinderung jedoch keine echte Alternative zu der Beschäftigung in der Werkstatt. Auch die Kosten können auf Dauer nicht allein von den Trägern der Sozialhilfe getragen werden. Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge empfiehlt vor diesem Hintergrund die Einführung eines Teilhabegeldes, wodurch der Bund mit in die Finanzierung eingebunden wäre.

Das Persönliche Budget als trägerübergreifendes Instrument wird als geeignet angesehen, behinderten Menschen Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit zu ermöglichen. Bisher wird von dem Persönlichen Budget jedoch nur sehr gering Gebrauch gemacht. Vor allem Werkstattbeschäftigte nutzen dieses Instrument nur sehr wenig, da befürchtet wird, dass das Budget nicht für die Leistungen innerhalb und außerhalb der Werkstatt ausreicht.

Der Autor fasst zusammen, dass bislang nur die Werkstätten die Zielsetzungen aus § 1 SGB IX umsetzen. Auch die Zielsetzungen der Bundesregierung, Menschen mit Behinderung die Möglichkeit der Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu geben, sei zu begrüßen. Untersuchungen zeigen, dass durch geeignete Rahmenbedingungen die berufliche Integration möglich ist. Hierzu seien allerdings geeignete Arbeitsplätze notwendig.

Nicht ausreichend bekannt ist, dass Menschen mit geistiger Behinderung eine Arbeitsassistenz in Anspruch nehmen können. Diese kann neben der Unterstützung am Arbeitsplatz auch personenbezogene Betreuung sichern. Abschließend bem erkt der Autor, seien mehr Informationen und Schulungsmaßnahmen erforderlich.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Rechtsdienst der Lebenshilfe
Homepage: https://www.lebenshilfe.de/informieren/publikationen/rechtsd...

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Referenznummer:

R/ZS0137/6116


Informationsstand: 22.06.2007

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