Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Grundausbildung zur Jugendleiterin für Mädchen und junge Frauen mit Lernbehinderung

Qualifizierungsprojekt für ehrenamtliche Mitarbeiterinnen



Autor/in:

Ziese, Kathrin; Rohlfs, Sylvia


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung e.V. (BAG UB)


Quelle:

Impulse, 2004, Nummer 31 (Ausgabe Oktober), Seite 8-15, Hamburg: Eigenverlag, ISSN: 1434-2715


Jahr:

2004



Link(s):


Link zu der Projektbeschreibung (PDF, 160 KB; Schwere Sprache).
Link zu 'Impulse' Nummer 31 (PDF, 2,56 MB; Schwere Sprache).


Abstract:


Innerhalb der Ausbildung zur Jugend(gruppen)leiterIn werden meist jugendliche Menschen qualifiziert, eigene Kinder- und Jugendgruppen ehrenamtlich anzuleiten beziehungsweise innerhalb ihres Jugendverbandes ehrenamtlich zu arbeiten. Die Ausbildung umfasst mindestens 50 Stunden und vermittelt Grundkenntnisse in den Bereichen Gruppen- und Spielpädagogik, Rechtskunde für JugendleiterInnen, Rolle der JugendleiterInnen und der Umgang mit den eigenen Grenzen.

Mädchen und Jungen mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen sind bisher jedoch keine AdressatInnen solcher Bildungsmaßnahmen. Damit werden Jugendlichen mit Behinderung eigene Erfahrungsräume sowie Möglichkeiten zur Qualifizierung und Mitbestimmung vorenthalten. Das Kooperationsprojekt 'Ausbildung zur Jugendleiterin für Mädchen mit Behinderung' des Landesjugendrings Schleswig-Holstein und des Vereins 'mixed pickles' wollte gezielt Mädchen und junge Frauen mit sog. geistiger Behinderung ansprechen. Die Teilnahme am Grundkurs sollte behinderten Mädchen und jungen Frauen den Zugang zu einem wichtigen Teil der Partizipation am gesellschaftlichen Leben - dem ehrenamtlichen Engagement - ermöglichen.

Das neu entwickelte Konzept zur Ausbildung von behinderten Mädchen/jungen Frauen will aber mehr. Es zielt darauf ab, durch Öffentlichkeitsarbeit auf ein bisheriges Defizit hinzuweisen und die Jugendverbandsarbeit für alle Jugendlichen zu öffnen. Es sollen Schlüsselkompetenzen wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Selbstreflexion und Kommunikationsfähigkeit vermittelt werden. Ebenso sind Strukturen für eine Interessenvertretung, als auch Begegnungsmöglichkeiten zwischen behinderten und nichtbehinderten Jugendlichen zu schaffen. Die mehrfache Diskriminierung von Mädchen/jungen Frauen mit Behinderung durch geschlechterbezogene Arbeit soll beseitigt werden.

Zwei Impulse waren entscheidend für die Konzeptionierung einer Jugendleiterinnenausbildung für behinderte Mädchen/junge Frauen.Ein Impuls ging vom Mädchen- und Frauenreferat des Landesjugendringes Schleswig-Holstein aus. Hier entstand der Wunsch, behinderten Mädchen den Zugang zur Verbandsarbeit und damit auch ehrenamtlichen Arbeit zu öffnen. Der zweite Impuls ging vom Projekt 'mixed pickles e.V.' aus. Der Verein bietet seit 1997 Freizeit- und Bildungsangebote für behinderte Mädchen und Frauen an. Deren Engagement wollte der Verein aufgreifen und unterstützen und stieß auf den Landesjugendring mit seinem Angebot der Jugendgruppenleiterinnenausbildung.

Klassische Einsatzgebiete der Jugendleiterinnen sind: Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen, Begleitung von Ferienfreizeiten und die Begleitung und Durchführung von Seminaren. Die Inhalte der Schulung sind Fragen des Kennenlernens jugendlicher Lebenswelten, Fragen der Gruppen- und Spielpädagogik, Fragen der innerverbandlichen Demokratie und die Vermittlung von praktisch-organisatorischen Kenntnissen: Finanzierung, Organisation und Recht in der Jugendarbeit. Durch die vielen unterschiedlichen Themen, die methodischen Vermittlungen der Lernfelder und die Erprobungsfelder in der Gruppe konnten hier viele behinderte Teilnehmerinnen ganz neue Erfahrungen machen und Qualifikationen erwerben. Sie konnten ihre Interessen, Fähigkeiten, Motivationen und Grenzen kennen lernen.

Vorhandene Materialien zur Ausbildung von JugendleiterInnen wurden in leichte Sprache übersetzt und dem Sprachverständnis der Teilnehmerinnen angepasst. Für diejenigen, die nicht oder eingeschränkt über Schriftkompetenzen verfügen, wurden die Materialien auf Kassette beziehungsweise auf CDs gesprochen beziehungsweise gebrannt. Einige Materialien mussten jedoch ganz neu entwickelt werden.

Während und nach der Schulung wurde verstärkt Öffentlichkeitsarbeit betrieben, um das Projekt bekannt zu machen und die Jugendverbandsarbeit für diese Zielgruppe zu öffnen. Im Spätsommer fand eine öffentliche Informationsveranstaltung statt, in deren Rahmen die beiden Träger eingeladen wurden, das Projekt im Landtag fraktionsübergreifend zu präsentieren. Der Heinz-Westphal-Preis, eine Auszeichnung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem deutschen Bundesjugendring, mit welchem alle zwei Jahre Projekte der Jugendarbeit prämiert werden, wurde verliehen.

Die ausgebildeten Jugendleiterinnen konnten schon erste Erfahrungen beim Träger 'mixed pickles' sammeln. So fanden bereits mehrere Frühstücksangebote für jüngere Kinder bis 12 Jahren statt. Weitere Einsatzgebiete waren die Durchführung eines Tanzworkshops sowie die ehrenamtliche Unterstützung von 'mixed pickles'-Mitarbeiterinnen bei der Organisation und Durchführung von Festen und Workshops. Aufgrund der guten Erfahrung und der vielen positiven Resonanzen wird es auch in diesem Jahr wieder eine Ausbildung zur Jugendleiterin für Mädchen und junge Frauen mit Behinderung in Schleswig-Holstein geben.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Fachmagazin Impulse
Homepage: https://www.bag-ub.de/impulse

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0141/0070


Informationsstand: 20.12.2004

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