Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Schlusslicht auf dem Arbeitsmarkt - Die berufliche Situation behinderter Frauen


Autor/in:

Arnade, Sigrid


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung e.V. (BAG UB)


Quelle:

Impulse, 2000, Nummer 15 (Ausgabe April), Seite 21-23, Hamburg: Eigenverlag, ISSN: 1434-2715


Jahr:

2000



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Abstract:


Ein Blick in die Welt der Zahlen zeigt, dass schwerbehinderte Menschen von der gegenwärtigen Massenarbeitslosigkeit überproportional betroffen sind. So erhöhte sich die Arbeitslosenquote dieses Personenkreises von 14,6 Prozent im Jahr 1993 auf 17,9 Prozent im Jahr 1997. Für geschlechtsdifferenzierte Angaben der Arbeitslosenquote muss man auf Zahlenmaterial von 1995 zurückgreifen, um die besonders angespannte berufliche Situation behinderter Frauen zu verdeutlichen: 1995 waren nur 13,3 Prozent der schwerbehinderten Frauen erwerbstätig. Dasselbe traf auf 19,7 Prozent der schwerbehinderten Männer zu.

Eine geringe Beteiligung am Erwerbsleben bedingt eine schwierige finanzielle Situation. Entsprechend hatten behinderte Frauen weniger Geld zur Verfügung als behinderte Männer. 1995 mussten zwei Drittel der behinderten Frauen mit einem monatlichen Nettoeinkommen von unter 1.800 Mark auskommen. Dasselbe traf auf ein Drittel der behinderten Männer zu. Während sich die Arbeitsmarktlage für behinderte Männer im vergangenen Jahr entspannt hat, verschärfte sie sich für behinderte Frauen. Auch in den meisten Bereichen der beruflichen Rehabilitation sind Frauen unterrepräsentiert. Das lässt sich insbesondere an ihrem Anteil in Berufsbildungs- und Berufsförderungswerken ablesen. Der Anteil der jungen Frauen in Berufsbildungswerken (BBW) liegt durchschnittlich bei 30 Prozent. Der Frauenanteil an den RehabilitandInnen in Berufsförderungswerken (BFW) lag 1997 im Bundesdurchschnitt bei 20,2 Prozent.

Entsprechend der schlechten Erwerbs- und Einkommenssituation behinderter Frauen liegt deren Anteil am unteren Ende der Arbeitsmöglichkeiten, nämlich in den Werkstätten für Behinderte, mit 42,2 Prozent relativ hoch. Viele Faktoren sind für die Unterrepräsentanz von Frauen an Umschulungsmaßnahmen in BFW verantwortlich. Unter anderem wird die Beratung bei den Arbeitsämtern häufig als unvollständig und demotivierend beschrieben. Ein anderer Grund ist der, dass Frauen häufig nicht die notwendige Versicherungszeit nachweisen können, um Übergangsgeld in ausreichender Höhe beanspruchen zu können. Wird die Maßnahme nur wohnortfern und als ganztägige Maßnahme angeboten, so verzichten Frauen mit Familienpflichten oft freiwillig auf eine Teilnahme. Des Weiteren entspricht das berufliche Angebotsspektrum in BFW selten weiblichen Berufswünschen und ist auf Männer ausgerichtet.

Hinzugekommen ist ein weiterer Faktor, der sich negativ für die Teilnahme behinderter Frauen an Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation auswirkt: Seit 1997 ist der Rechtsanspruch auf berufliche Rehabilitation weitgehend entfallen. Verbesserungsvorschläge liegen auf dem Tisch, da u a. die betroffenen Frauen selbst Perspektiven aufgezeigt haben, wie sich die Situation zugunsten behinderter Frauen verändern ließe. Bislang sind sie zwar nicht vom Gesetzgeber gehört und berücksichtigt worden, wohl aber von den Frauenministerinnen der Bundesländer.

Es werden Veränderungen auf zwei Ebenen gefordert. Einerseits seien die benachteiligten Gesetze zu ändern, andererseits müsse in der Verwaltung der Frauendiskriminierung durch gezielte Frauenförderung entgegengewirkt werden.


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Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


Fachmagazin Impulse
Homepage: https://www.bag-ub.de/impulse

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0141/0076


Informationsstand: 28.02.2005

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