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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Was kommt nach der Werkstatt? Ergebnisse einer Verbleibsstudie der von Fachkräften für berufliche Integration (FBI) der WfbM in Hessen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelten Menschen mit Behinderungen

Teil 2: Bestehende und beendete Arbeitsverhältnisse, ArbeitnehmerInnen- und Arbeitgeberbefragung



Autor/in:

Doose, Stefan


Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung e.V. (BAG UB)


Quelle:

impulse, 2005, Nummer 35 (Ausgabe September), Seite 3-14, Hamburg: Eigenverlag, ISSN: 1434-2715


Jahr:

2005



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Abstract:


In einigen hessischen Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) wird seit Anfang der neunziger Jahre eine Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt durchgeführt. Stefan Doose zeigt die Ergebnisse einer Verbleibsstudie für die Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen in Hessen auf, in deren Rahmen vermittelte ArbeitnehmerInnen und Arbeitgeber befragt wurden.

Der erste Teil des Artikels stellte die Zielgruppe sowie Arbeitssituation und Verbleibsdauer vermittelter ArbeitnehmerInnen dar, wobei sich herausstellte, dass die Hälfte der bisher vermittelten Menschen langfristig auf dem Arbeitsmarkt etabliert werden konnten. Bei Menschen mit psychischen Behinderungen gestaltete sich die dauerhafte Vermittlung aufgrund der häufigen gesundheitlichen Schwankungen schwieriger. Zwar war es vielen möglich eine Ausbildung abzuschließen, der Übergang in ein Arbeitsverhältnis gelang hingegen oft nicht.

Im zweiten Teil des Artikels wird der Focus auf die Struktur der bestehenden und beendeten Arbeitsverhältnisse der vermittelten ArbeitnehmerInnen gerichtet.

Bei der Beschäftigung ist festzustellen, dass sich diese eher auf Kleinst-, Klein- und Mittelbetriebe verteilt, Großbetriebe sind mit nur 7 Prozent unterrepräsentiert. Gründe hierfür liegen einerseits in der gesellschaftlichen Entwicklung, andererseits sind in kleinen Betrieben die Entschiedungswege oft kürzer und die finanziellen Zuschüsse attraktiver. In Hessen wurden zwei Drittel der Vermittelten in kleinere Betriebe vermittelt, diese können aber oft kein stabiles Arbeitsverhältnis gewährleisten.

Die Arbeitsverhältnisse verteilen sich zu mehr als einem Drittel auf öffentliche und private Dienstleistungen, darauf folgen das verarbeitenden Gewerbe und der Handel. Banken, Versicherungen und das Baugewerbe sind im Vergleich unterrepräsentiert. Von den einstellenden Betrieben haben 85 Prozent der kleinen Betriebe und 100 Prozent der Mittel- und Großbetriebe schon Erfahrung mit behinderten Arbeitnehmern und durchweg positive Erfahrungen gemacht.

Im Hinblick auf die Einstellung ist laut Arbeitgeberbefragung ein Praktikum besonders wichtig. Auch die Motivation der Arbeitgeber sowie der persönliche Eindruck waren entscheidende Faktoren, weniger bedeutend hingegen die Qualifikation. Als weiterer wichtiger Aspekt wird die 'Unterstützung durch Fachpersonal für berufliche Integration' genannt ebenso wie das soziale Engagement und die Erfahrung des Arbeitgebers.

Die Analyse der Tätigkeitsbereiche zeigt, dass sich die Tätigkeiten der Männer und Frauen unterscheiden. Frauen sind überwiegend in 'frauentypischen' Bereichen tätig. Etwa 85 Prozent der männlichen Arbeitnehmer, aber nur 43 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer gehen einer Vollzeitbeschäftigung nach und erhalten dafür einen Nettolohn von durchschnittlich 962 Euro. Besonders der Lohn und die Anerkennung sind wesentliche Gründe für den Übergang von der Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Dennoch verdienen sie vergleichsweise wenig und stehen am unteren Ende der Einkommenspyramide.

Ein wichtiger Punkt der Arbeitgeberbefragung ist die Frage nach den Erfahrungen mit den vermittelten Beschäftigten. Demnach ist die Einarbeitungszeit überwiegend länger als die der anderen Mitarbeiter. Die Arbeitsgeschwindigkeit wird zu 80 Prozent als langsamer angegeben, die Selbstständigkeit ist geringer und die Qualität der Arbeit wird mit fast einem Drittel als gut und sehr gut, zu 40 Prozent mit kleinen Mängeln bewertet. Bei Fehlzeiten sind die Unterschiede sehr groß. Arbeitnehmer mit psychischer Behinderung weisen oft erheblich längere Fehlzeiten vor, als Menschen mit Lernschwierigkeiten. Beim Grad der Leistungsfähigkeit ist der Unterschied bei Vermittlungen durch den Integrationsfachdienst und ohne fachliche Hilfe gravierend.

Des Weiteren spielt die Arbeitnehmerbefragung eine zentrale Rolle in der Studie. Es zeigt sich, dass ein großer Teil der ArbeitnehmerInnen Kontakt mit Kollegen hat, sich dies aber fast ausschließlich auf den Arbeitsplatz und nicht auf das Leben außerhalb des Arbeitsplatzes bezieht. Insgesamt wird die Integration der behinderten Arbeitnehmer unter Berücksichtigung aller Gesichtspunkt sowohl von Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern zu 91 Prozent positiv bewertet.

Im Rahmen der Studie wurden nach der Bewertung der Unterstützleistungen gefragt. Besonders bewährt hat sich die Unterstützung durch eine Mentorin. Behindertenbedingte Hilfen dagegen waren nur an durchschnittlich 50 Prozent der Arbeitsplätzen vorhanden. Die finanzielle Förderung durch das Integrationsamt spielt in vielen Fällen ebenfalls eine große Rolle.

Häufig traten nach Beginn des Beschäftigungsverhältnisses Probleme auf. Diese lagen oft im privaten Bereich oder hatten gesundheitliche Gründe. Bei der Problemlösung standen besonders der Integrationsfachdienst und die Fachkraft für berufliche Integration zur Seite. Mit deren Arbeit zeigten sich 85 Prozent der ArbeitnehmerInnen und 75 Prozent der Arbeitgeber zufrieden bis sehr zufrieden.

Stefan Doose fasst zusammen, 'dass es mit einer gezielten Unterstützung durch eine Fachkraft für Integration oder den IFD möglich ist, auch Menschen mit Behinderung aus WfbM langfristig in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes zu integrieren'.


Weitere Informationen:


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Mehr zum Thema:


Teil 1 des Artikels | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis / Online-Publikation




Bezugsmöglichkeit:


impulse - Fachmagazin
Downloadmöglichkeit bei der BAG UB unter:
Homepage: https://www.bag-ub.de/veroeffentlichung/typ/958

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0141/0092B


Informationsstand: 06.12.2005

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