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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Studieren ohne Handicap


Autor/in:

Keller, Eva


Herausgeber/in:

Aktion Mensch e.V.


Quelle:

MENSCHEN. das magazin, 2005, Ausgabe 2, Seite 29-33, Kassel: Publikom Z, ISSN: 1611-9576


Jahr:

2005



Abstract:


Rund 250.000 Studenten in Deutschland gelten als chronisch krank oder behindert, das sind rund 15 Prozent. Damit sie dieselben Chancen wie nichtbehinderte Studenten haben, regeln Sozialgesetzbuch und Hochschulgesetz die Finanzierung des Studiums sowie die Bereitstellung persönlicher und technischer Hilfeleistungen, außerdem die Studienplatzvergabe, Prüfungsbedingungen und Wohnmöglichkeiten.

Der Artikel zeigt anhand von fünf Beispielen Studierende mit Behinderung. Es wird verdeutlicht, dass ein Handicap kein Hindernis für ein Studium sein muss. Das Deutsche Studentenwerk organisiert für StudentInnen mit Behinderung und chronischen Krankheiten regelmäßig Informationsveranstaltungen zu Finanzierung, Zulassung und Integrationshilfen für das Studium.

Eine Besonderheit bildet die Universität Marburg, denn das Gymnasium der Blindenanstalt (Blista) in Marburg ist das einzige in Deutschland, an dem sehbehinderte Schüler das Abitur ablegen können - das prägt auch die Universität. 150 Studenten mit Sehbehinderung sind hier eingeschrieben. Für sie sind mehrere Arbeitsplätze mit Bildschirmlesegeräten, speziellen Computern und - aus Sicherheitsgründen - Kaltlichtleuchten ausgestattet. Studienhelfer unterstützen bei der Recherche in Bibliotheken.

Eine weitere Besonderheit stellt die Universität Hamburg dar. Seit 1985 wird dort am Institut für Deutsche Gebärdensprache (DGS) zu Sprachpraxis und -linguistik sowie zur Gehörlosenkultur geforscht und gelehrt, zudem werden Gebärdensprachdolmetscher ausgebildet. Zahlreiche Mitarbeiter sind zudem selbst gehörlos.

Ein Beispiel aus dem Artikel beschreibt die Situation einer körperbehinderten Studentin, die mit Hilfe eines ständigen Begleiters ihr Studium absolviert. Dieser schreibt bei den Veranstaltungen für sie mit. Bei Hausarbeiten suchen sie gemeinsam Bücher aus der Bibliothek und lange Texte tippt er für sie.

Nicht Begleiter, sondern schlicht und einfach Dometscher. Auf diese Trennung legt ein gehörloser Student in Hinblick auf seine Helfer Wert, denn sie leisten keine soziale Hilfen, sondern dolmetschen nur von Deutsch in Gebärdensprache und umgekehrt. Wenn seine Augen auf die Dolmetscher gerichtet sind, schreibt außerdem ein Kommilitone mit; solche Schreibkräfte werden vom Sozialamt finanziertt.

Strafgebühren als 'Langzeitstudenten' drohen den StudentInnen trotz einer längeren Studiendauer nicht, denn Studierende mit Behinderung und chronischen Krankheiten können eine 'angemessene' längere Förderung beantragen - was 'angemessen' ist, wird im Einzelfall entschieden.

'Nachteilsausgleich bei Prüfungen' heißt die Bestimmung, die StudentInnen mit Behinderung eine längere Bearbeitungszeit und die Wahl zwischen mündlicher und schriftlicher Prüfung zugesteht. Über solche Sonderregelungen klären Studentenwerke und Behindertenbeauftragte an den Hochschulen nicht nur Studenten, sondern auch Dozenten auf. Sie fordern zudem, aus Rücksicht auf die StudentInnen mit Handicap Unterrichtsmaterial, Vortragsstil, Räume und Exkursionen zu überdenken.

Wie sich die Reformen an den Hochschulen inklusive Studiengebühren auf die Ansprüche und den Studienalltag von behinderten StudentInnen auswirken wird, ist noch nicht ganz absehbar. Behindertenvertreter befürchten zum Beispiel, dass der Elitegedanke in Kombination mit dem Recht der Hochschulen, ihre Studenten selbst auszuwählen, zur Verdrängung behinderter StudentInnen führen könnte.

Weil zudem Integrationshilfen in der Regel nur bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss bezahlt werden, könne durch die Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen der Bachelor-Abschluss das Ende des Studiums bedeuten. Ferner fordern Behindertenvertreter, behinderten Studenten Nachlässe bei Studiengebühren zu gewähren oder sie bei bestimmten Behinderungen ganz zu befreien.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Magazin MENSCHEN. Inklusiv leben
Homepage: https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/das-bewirken-...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0145/0010


Informationsstand: 26.04.2005

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