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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Berufskunde als Basis für die Begutachtung


Autor/in:

Pressel, Gerhard


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Der Medizinische Sachverständige (MedSach), 2005, 101. Jahrgang (Heft 5), Seite 169-172, Stuttgart: Gentner, ISSN: 0025-8490


Jahr:

2005



Abstract:


Die berufliche Tätigkeit mit ihren gesundheitlichen Anforderungen, Belastungen und gegebenenfalls auch Gefährdungen spielt bei vielen gutachtlichen Fragestellungen eine wichtige Rolle. Jedoch ist der Zugang zu den jeweiligen berufskundlichen Informationen häufig sehr schwierig.

Ein Verzicht hierauf oder falsche Vorstellungen von der beruflichen Tätigkeit können jedoch die gutachtliche Aussage verfälschen und Möglichkeiten einer Kosteneinsparung verspielen. Deshalb ist eine interdisziplinäre Kooperation unter Einbeziehung insbesondere der Arbeitsmedizin bei bestimmten gutachtlichen Fragestellungen mit Bezug zur beruflichen Tätigkeit erforderlich.

Vor einigen Jahrzehnten war es noch problemlos möglich, dass sich ein ärztlicher Gutachter im Einzelfalle zu den Fragen der beruflichen Anforderungen, Belastungen und Gefährdungen in ausreichendem Maße äußern konnte. Die beruflichen Tätigkeiten eines Bäckers, Schneiders und Büroangestellten oder einer Waschfrau waren seit langem tradiert und allgemein bekannt.

Die Verhältnisse im Berufsleben haben sich inzwischen grundlegend geändert. Hat sich ein ärztlicher Gutachter nicht mit einer bestimmten beruflichen Situation oder einem bestimmten Arbeitsplatz intensiv beschäftigt, so kann er sich heute kaum 'aus dem Stegreif' zu berufskundlichen Fragen äußern.

Nachdem Gerhard Pressel sowohl die Begriffe ARBEIT und BERUF als auch den Begriff BERUFSKUNDE definiert, gibt er einen historischen Rückblick und schildert ebenso die heutige Situation. Anschließend stellt er einen Überblick über die beruflichen Faktoren auf, die für den berufstätigen Menschen von zum Teil erheblicher Bedeutung sind und von Fall zu Fall auch Einfluss auf seinen gesundheitlichen Zustand nehmen.

Er weist darauf hin, dass die Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und geht auf folgende Punkte näher ein:
- Situation und Entwicklungen in der Berufswelt
- Allgemeine Berufskunde
- Spezielle Berufskunde
- Wirtschaftliche Zusammenhänge zu medizinischen Themen
- Berufsbezogene Einrichtungen

Aus all dem sei unschwer zu erkennen, dass es heute unmöglich ist, alle medizinisch relevanten berufskundlichen Daten für alle Berufe quasi 'abrufbereit' vorzuhalten. Es sei in der Regel nicht zu umgehen, in jedem Einzelfalle die erforderlichen Daten für einen bestimmten Beruf zusammenzustellen. Soweit vorhanden, könnten Arbeitsmedizinische Berufsbilder hilfreich sein, würden aber in erster Linie als Arbeitsanleitung dienen. Das Problem bestehe in der Qualität der auf diese Weise der Begutachtung zugrunde gelegten Datenlage.

Abschließend gibt Gerhard Pressel einen Ausblick, worin er aufzeigt, dass Arbeitsmediziner inzwischen institutionalisiert bei bestimmten berufskundlichen Fragestellungen hinzugezogen werden. Insbesondere bei Problem- oder Zweifelsfällen (Kranken- und Rentenversicherung, Berufskrankheiten-Verfahren, Rehabilitation und Umschulung). Jedoch dürfe dies für die Masse der ärztlichen Gutachten nicht zutreffen.

Besonders in Ballungsgebieten sei dies eher die Ausnahme, wenn im Rahmen der Begutachtung beispielsweise der zuständige Betriebsarzt kontaktiert wird. Entsprechendes gelte für gezielte Arbeitsplatzbesichtigungen durch 'externe' Gutachter. Damit blieben Möglichkeiten einer Kosteneinsparung im Gesundheitswesen durch eine individuell an den Arbeitsplatz angepasste Beurteilung ungenutzt.

Durch eine stärkere Berücksichtigung der arbeitsmedizinischen Berufskunde im Rahmen einer engen Kooperation aller beteiligten Disziplinen, wäre eine Verbesserung der Situation zu erreichen. Durch die erzielten Einsparungseffekte würden wahrscheinlich die Kosten durch einen eventuellen zusätzlichen Zeit- und Arbeitsaufwand beziehungsweise durch arbeitsmedizinische Zusatzgutachten mehr als wettgemacht werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Der Medizinische Sachverständige (MedSach)
Homepage: https://www.medsach.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0151/0154


Informationsstand: 23.11.2005

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