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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Begutachtungsprobleme bei Arbeitslosigkeit - Krankheit - Gesundheit

Gegenwärtiger sozialmedizinischer Erkenntnisstand zu gesundheitlichen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit



Autor/in:

Weber, Andreas


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Der Medizinische Sachverständige (MedSach), 2007, 103. Jahrgang (Heft 1), Seite 5-12, Stuttgart: Gentner, ISSN: 0025-8490


Jahr:

2007



Abstract:


Bei derzeit etwa 4,4 Millionen arbeitslosen Menschen in Deutschland (davon ungefähr 1,6 Millionen länger als ein Jahr = Langzeitarbeitslose) sind die Wechselbeziehungen zwischen Arbeitslosigkeit, Arbeitswelt, Gesellschaft, Gesundheit und Krankheit - trotz aktuell leichter Entspannung am Arbeitsmarkt - ein sozialmedizinisches, volkswirtschaftliches und gesellschaftliches Problem ersten Ranges.

Die negativen Auswirkungen von (Langzeit) Arbeitslosigkeit auf die psychosoziale Gesundheit (unter anderem Ohnmacht, Resignation, Rückzug, vermindertes Selbstwertgefühl, vermehrte Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen, Familien-/ Partnerschaftskonflikte, soziale Isolation, Schlafstörungen, depressive Störungen, Angsterkrankungen, Suchtmittelkonsum, suizidale Handlungen) können heute - länder- beziehungsweise systemübergreifend - als wissenschaftlich valide belegt gelten.

Weniger eindeutig ist die Datenlage dagegen hinsichtlich möglicher somatischer Negativeffekte von Arbeitslosigkeit (zum Beispiel Herz-Kreislauferkrankungen, gastrointestinale Störungen, bösartige Neubildungen). Auch die Frage nach Kausalität (krank durch Arbeitslosigkeit) beziehungsweise Selektion (arbeitslos wegen Krankheit) lässt sich aus wissenschaftlicher Sicht nach wie vor nicht abschließend beantworten.

Arbeitslosigkeit kann im Einzelfall sowohl Ursache als auch Folge einer eingeschränkten Gesundheit sein. Gesundheitsrelevante Folgen von Arbeitslosigkeit werden durch zahlreiche Moderatorenvariablen wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Dauer der Arbeitslosigkeit, Vorerkrankungen, sozioökonomischer Status, Qualifikation/ Bildung, Biografie/Persönlichkeit, soziale Unterstützung, individuelle Bewältigungsressourcen beeinflusst.

Als psychopathogen wirksame Mechanismen werden unter anderem Arbeitslosigkeit als belastendes Lebensereignis, wirtschaftliche Deprivation, Stigmatisierung, Rollenveränderungen sowie die Beeinträchtigung der persönlichen Integrität diskutiert, hinsichtlich somatischer Auswirkungen stehen vor allem indirekte, stress- und/oder verhaltensbedingte Veränderungen (zum Beispiel erhöhte Kortisolspiegel, Fett- und Kohlenhydratstoffwechselstörungen, Alkohol-, Nikotinkonsum) im Vordergrund.

Der vorliegende Beitrag beleuchtet den derzeitigen Wissensstand zu wesentlichen gesundheitsrelevanten Aspekten von Arbeitslosigkeit und möglichen Implikationen aus Public Health Perspektive. Im Hinblick auf weitere Forschungsaktivitäten sind neben der Beachtung methodischer Anforderungen zur Aufdeckung von Ursache/ Wirkungsbeziehungen auch neuere (mit Arbeitslosigkeit vergleichbare) Stressoren der modernen Dienstleistungsgesellschaft (unter anderem Arbeitsplatzunsicherheit, Personalabbau, diskontinuierliche Erwerbsbiografien, prekäre Beschäftigungen/working poor) zu untersuchen.

In der Praxis ist ungeachtet noch bestehender Wissenslücken das präventive/gesundheitsfördernde Engagement, insbesondere bei Langzeitarbeitslosen, zu verstärken. Gesellschaftspolitisch müssten darüber hinaus bei prognostiziertem Fortbestand der Massenarbeitslosigkeit für eine nicht geringe Bevölkerungsgruppe alternative Wege der Teilhabe am Sozialleben aufgezeigt werden.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Der Medizinische Sachverständige (MedSach)
Homepage: https://www.medsach.de

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Referenznummer:

R/ZS0151/6030A


Informationsstand: 14.02.2007

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