Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Die Bedeutung der ICF für die Rehabilitationswissenschaft


Autor/in:

Gutenbrunner, Christoph; Ehlebracht-König, Inge; Schwarze, Monika


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Der Medizinische Sachverständige (MedSach), 2008, 104. Jahrgang (Heft 2), Seite 48-55, Stuttgart: Gentner, ISSN: 0025-8490


Jahr:

2008



Abstract:


Die Rehabilitationswissenschaft hat sich in der Vergangenheit stark auf den Nachweis der Wirksamkeit von Rehabilitationsleistungen und die Entwicklung geeigneter Assessments konzentriert. Zunehmend werden heute auch die theoretischen Grundlagen der Rehabilitation sowie ihre Zielsetzung diskutiert. Für die Theoriebildung und die Systematisierung der Rehabilitationswissenschaft kann die ICF einen wichtigen Beitrag leisten. Sie beruht auf einem umfassenden Modell der Funktionsfähigkeit und schließt den Kontext als wichtigen Einflussfaktor mit ein.

ICF-basierte Modelle der Rehabilitation betonen das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen und zielen im Sinne der Patientenorientierung auf ein Empowerment der Rehabilitanden. Für die Studienplanung bedeutet die Berücksichtigung der ICF, dass neben Krankheits- und Körperfunktionsdaten immer auch Kenngrößen von Aktivitäten und Partizipation zu erfassen sind und die Kontextfaktoren berücksichtigt werden müssen. Dabei zeigt sich, dass oft auch nicht-medizinische Kriterien für den Rehabilitationsbedarf einer Person entscheidend sind und dass der Kontext als Barriere oder Förderfaktor berücksichtigt werden muss.

Auch für die Entwicklung neuer Rehabilitationsprogramme hat die ICF Konsequenzen, zum Beispiel, indem die Arbeitsumwelt und die Leistungsträger stärker in die Planung einbezogen werden müssen. Nicht zuletzt hat eine ICF-Orientierung der Rehabilitationsforschung Vorteile, nämlich indem Fragebogenassessments nach den ICF-Kategorien analysiert werden und günstigere Voraussetzungen für Metaanalysen geschaffen werden können. Einen wichtigen Beitrag hierzu leisten die so genannten Core Set-Projekte, in denen in systematischen Prozessen besonders relevante ICF-Domänen für bestimmte Krankheitsbilder und Settings entwickelt wurden.

Insgesamt zeigt sich, dass das ICF-Modell und die ICF-Klassifikation für die Rehabilitationswissenschaft einen wichtigen Beitrag leisten können. Dabei reicht die ICF alleine noch nicht aus, um die Rehabilitationswissenschaft zu strukturieren. Hierfür sind zusätzlich zahlreiche Diskussionen und Anwendungsprojekte notwendig. Nicht zuletzt muss auch die ICF selbst weiter entwickelt werden, zum Beispiel durch Ergänzung rehabilitationsrelevanter Domainen und die Klassifizierung der personbezogenen Kontextfaktoren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Der Medizinische Sachverständige (MedSach)
Homepage: https://www.medsach.de

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0151/6573


Informationsstand: 11.04.2008

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