Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Arbeitsplatzorientierte Prävention und Rehabilitation JobReha

Konzeptentwicklung und erste Ergebnisse



Autor/in:

Schwarze, Monika; Rebe, Thomas; Gutenbrunner, Christoph


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin, 2007, 17. Jahrgang (Heft 4), Stuttgart: Thieme, ISSN: 0940-6689


Jahr:

2007



Abstract:


Abstract eines Vortrags auf dem 112. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Physikalische Medizin und Rehabilitation:

Frage:

Bei der praktischen Umsetzung arbeits- beziehungsweise berufsorientierter Projekte werden Barrieren beschrieben, die auf strukturelle und organisatorische Schwierigkeiten zurückzuführen sind (Neuderth & Vogel, 2002; Müller-Fahrnow et al. , 2005).

Ziel:

Ziel des Projektes ist ein verbesserter Informationsfluss an der Schnittstelle Betrieb und Rehabilitationseinrichtung hinsichtlich der Wiedereingliederung von MitarbeiterInnen mit Erkrankungen des Bewegungsapparates in den Arbeitsprozess. Das Modell JobReha setzt die gesetzlichen Forderungen um, Gesundheitsmaßahmen in Betrieben so früh wie möglich einzusetzen und Betriebsärzte in den Rehabilitationsprozess einzubeziehen (Mehrhoff & Schönle 2005). Darüber hinaus basiert es auf internationalen Studienergebnissen, nach denen die Rückkehr an den Arbeitsplatz bei Beschwerden und Erkrankungen des Bewegungssystems besser gelingt, wenn Betriebsmedizin und Rehabilitationseinrichtungen koordiniert zusammenarbeiten (Waddell & Burton 2000). Berufsorientierte Maßahmen können im Vergleich zur herkömmlichen Rehabilitation günstigere Effekte erzielen (Müller-Fahrnow et al. 2005).

Die zu evaluierende Intervention besteht aus einem sektorübergreifenden, arbeitsplatzorientierten Versorgungsmodell, das präventive und rehabilitative Elemente umfasst. Die Maßahme wird durch den/die Betriebsarzt/-ärztin eingeleitet und je nach Schwere der gesundheitlichen Belastung stehen abgestufte ambulante beziehungsweise stationäre Rehabilitationsmaßahmen zur Verfügung (Ambulante Intensivintervention Stufe I, teilstationäre Rehabilitation Stufe IIa und stationäre Rehabilitation Stufe IIs). Die Rehabilitationsziele sind auf die Anforderungen an den individuellen Funktionszustand und den Arbeitsplatz der Rehabilitanden ausgerichtet. Die Diagnostik und Therapie ist in besonderer Weise auf die Arbeitsplatzsituation der beteiligten Betriebe ausgerichtet. Nach der Ende der Maßnahme steht den/der Betriebsarzt/ärztin ein spezifischer Kurzentlassungsbericht zeitnah zur Verfügung, der eine rasche Wiedereingliedrung an den Arbeitsplatz unterstützt.

In einer Implementierungsphase sind das Inanspruchnahmeverhalten, die Arbeitsplatzsituation, berufliche Belastungen und Beschwerden, die Zufriedenheit mit der JobReha-Maßahme sowie Hinweise auf Verbesserungen der gesundheitlichen Beschwerden bei den teilnehmenden MitarbeiterInnen beziehungsweise PatientInnen erfasst worden. Darüberhinaus fand eine Evaluation zur Verbesserung des Schnittstellenmangements statt.

Folgende Fragestellungen wurden untersucht:
1. Wie ist der Zugang beziehungsweise die Inanspruchnahme der angebotenen Interventionsstufen?
2. Wie ist die Zusammensetzung hinsichtlich soziodemografischer Daten?
3. Gibt es Hinweise auf eine Verbesserung der Funktionsfähigkeit?
4. Wie ist die Zufriedenheit der PatientInnen mit der Maßnahme? Wie bewerten die PatientInnen die verstärkte Kooperation zwischen Betrieb und Rehabilitation beziehungsweise die verstärkten arbeitsplatzbezogenen Inhalte während der Präventions- beziehungsweise Rehabilitationsmaßnahme?
5. Wie bewerten die Betriebs- und RehabilitationsärztInnen das Schnittstellenmanagement?

Methode:

Die JobReha wurde in einem Betrieb der Automobilindustrie und einem Unternehmen in der Telekommunikationsbranche eingeführt. Als Studiendesign wurde eine Prä/Post-Interventionsstudie während der Implementierung des Projektes gewählt. Die Assessments (Patientenfragebögen) wurden am Anfang (t1), am Ende der Rehabilitationsmaßnahme (t2), nach 6 Monaten (t3) und nach 12 Monaten (t4) eingesetzt. Folgende Instrumente wurden verwendet: sozidemografische Routineassessments, FEBA, PDI, FFbH-R, SF-12, DASH und Lequesne, ein standardisierter Zufriedenheitsbogen (ZUF8) und selbstentwickelte Fragen zu Bewertung der Arbeitsplatzorientierung in der Rehabilitation. Zur Erfassung des Schnittstellenmanagements kam ein jeweils zweiseitiger Fragebogen für den/die Reha-Arzt/Ärztin und den/die Betriebsarzt/-ärztin zur Anwendung. Hier wurden die Dauer des Informationsübermittlung, der zusätzliche Zeitaufwand und die Relevanz der Information für die Therapieplanung und -durchführung beziehungsweise die Wiedereingliederung an der Arbeitsplatz erfragt. Die anonymisierten Daten wurden mittels statistischer Software SPSS 14 ausgewertet.

Ergebnis:

Im Zeitraum von Januar bis Juni 2007 nahmen 61 Patientinnen und Patienten an der JobReha-Maßahme teil. Es zeigt sich das Stufe I und die Stufen IIa und IIs gleich verteilt in Anspruch genommen werden. MitarbeiterInnen des Automobilwerks nehmen bevorzugt die Stufe I in Anspruch. Die Auswertung des FFbH-R zeigt eine tendenzielle Verbesserung der Funktionsfähigkeit um mehr als 15 Prozent von t1 zu t2. Die subjektive empfundene Beanspruchung durch die Arbeit konnte verbessert werden. Die Gesamtzufriedenheit mit der durchgeführten Maßnahme wurde durch die TeilnehmerInnen positiv beurteilt.

Diskussion:

Um den nachhaltigen Erfolg der Maßnahme (insbesondere Arbeitsfähigkeit am bestehenden Arbeitsplatz) zu bestätigen, sind die geplanten Katamnesen zu t3 (nach 6 Monaten) und t4 (nach 12 Monate) notwendig. Insgesamt werden durch das Schnittstellenmanagement im Projekt JobReha die Versorgungsabläufe optimiert.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Projekt JobReha




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin
Homepage: https://www.thieme.de/de/physikalische-rehabilitations-kuror...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0152/0031


Informationsstand: 23.10.2007

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