Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Wirkungslos ohne Gesamtreform


Autor/in:

McGovern, Karsten


Herausgeber/in:

Bundesverband Evangelische Behindertenhilfe e.V. (BEB)


Quelle:

Orientierung, 2007, Heft 1, Seite 14-16, Reutlingen: Grafische Werkstätte, ISSN: 0720-2172


Jahr:

2007



Abstract:


Der Autor reflektiert Vor- und Nachteile des Persönlichen Budgets. Er ist erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Seiner Meinung nach wird das Persönliche Budget auch nach seiner Einführung erst dann wirkungsvoll, wenn eine Gesamtstrategie zur Umsetzung von Selbstbestimmung, Personenzentrierung und dem Vorrang ambulanter Hilfen umgesetzt wird. So plädiert er für eine Gesamtreform der Behindertenhilfe zumindest im Bereich der Eingliederungshilfe nach dem SGB XII.

Derzeit spielen Persönliche Budgets quantitativ als Alternative zum Sachleistungsprinzip nur eine marginale Rolle, so McGovern. Dennoch lohne es sich, sich mit dem Konzept zu befassen. Die Leistungsempfänger selbst werden dadurch von Objekten eines wohlwollenden fürsorgenden Hilfesystems zu Subjekten mit eigener Entscheidungskraft. Außerdem sind die trägerübergreifenden Budgets sehr interessant, da sie Leistungsrechte koordinieren.

Bisher wird das Persönliche Budget nur wenig genutzt. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es bisher nur 14 Bewilligungen desselben. Das kann verschiedene Ursachen haben. So könnten die Bezieher anderer Leistungen mit diesen zufrieden sein. Viele schätzen die Sicherheit, die ihnen das bisherige System bietet. Außerdem sind die begleitenden Instrumente, die Sicherheiten bieten können, noch nicht ausgereift. Auf der Seite der Leistungserbringer stellt sich das Problem, dass das für sie aufwendige Konzept zu wenige Anreize aufweist und sie außerdem nicht darauf umstellen wollen, weil sie sich noch nicht über die Folgewirkungen im Klaren sind. Hier sieht McGovern die mangelnde Einbettung in ein Gesamtkonzept.

Eine erfolgreiche Gesamtstrategie im Bereich der Behindertenhilfe skizziert McGovern wie folgt:
- Zusammenführung der Verantwortung für die Eingliederungshilfe nach dem SGB XII in den Bundesländern, in denen dies noch nicht erfolgt ist,
- zielorientierte Gestaltung der Zugänge zum Hilfesystem,
- individuelle Hilfeplanung als Voraussetzung der Umsetzung von individuell zugeschnittenen Hilfearrangements,
- lokale Koordination und zielorientierte Planung zur Erleichterung des Zugangs zum Hilfesystem,
- Einrichtung eines Regionalbudgets, um ein an individuellen Bedarfen und lokalen Besonderheiten ausgerichtetes Hilfesystem zielgerichtet steuern zu können.

Im Bereich der Angebote sieht er folgende Aufgaben:
- bessere Förderung und Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements und der Selbsthilfe,
- Familienunterstützung und Frühförderung müssen als weichenstellende Maßnahmen begriffen werden und bedürfen daher einer Verstärkung,
- Maßnahmen, wie die Förderung von Integration in Kindertagesstätten, müssen stärker auf die gezielte Förderung im Einzelfall ausgerichtet werden,
- Ausweitung von Beratungsangeboten,
- Ausweitung von ambulanten Hilfsmaßnahmen durch das Case-Management,
- Ausrichtung der Budgetassistenz auf individuelle Bedürfnisse.

Mit diesen Maßnahmen sieht McGovern einer positiven Zukunft des Konzeptes des Persönlichen Budgets entgegen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


§ 29 SGB IX Persönliches Budget




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Orientierung
Homepage: https://www.beb-orientierung.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0157/6344


Informationsstand: 26.10.2007

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