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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Budgetassistenz - Neue Rollen für Mitarbeitende


Autor/in:

Siebert, Annerose


Herausgeber/in:

Bundesverband Evangelische Behindertenhilfe e.V. (BEB)


Quelle:

Orientierung, 2007, Heft 1, Seite 31-33, Reutlingen: Grafische Werkstätte, ISSN: 0720-2172


Jahr:

2007



Abstract:


Annerose Siebert, Evangelische Fachhochschule Freiburg, beleuchtet die Begriffe Budgetassistenz, Budgetberatung, Budgetunterstützung und Case Management. Sie fordert von den MitarbeiterInnen in der Behindertenhilfe eine Neuorientierung im Rollenverständnis. Beim Persönlichen Budget (PB) werde der Bereich Budgetassistenz von den Akteuren im Feld der Behindertenhilfe besonders widersprüchlich diskutiert. Was genau unter dem Begriff der Budgetassistenz zu verstehen ist, wer diese Budgetassistenz ausführen kann und wie eine Finanzierung der Budgetassistenz die Umsetzung von Persönlichen Budgets sichern kann wird näher erläutert.

Im Bereich der Behindertenhilfe stelle sich die Frage, inwieweit es sich bei der Budgetunterstützung um ein neues Aufgabenfeld handeln kann, beziehungsweise wie etwas Neues sich mit dem Bisherigen verbinden lässt. Eine Klärung der Begrifflichkeiten und Rahmenbedingungen sei grundsätzlich für alle Beteiligten hilfreich.

In der Theorie werde Beratung und Unterstützung differenziert, doch lasse sich dies in der Praxis nicht aufrechterhalten. Dies habe dazu geführt, dass sich Budgetassistenz als zusammenfassender Begriff von Budgetberatung und Budgetunterstützung gebildet hat. Die Beratung und Unterstützung gehe oftmals ineinander über, doch sei eine Differenzierung vonnöten, um die Zuständigkeit und Finanzierung zu klären.

Die Beratung bilde den Bereich, der von der Beantragung eines Persönlichen Budgets bis zu seiner Bewilligung reicht. Nach § 14, 16 Absatz 3 SGB I ist der Beratungsauftrag grundsätzlich Aufgabe der Leistungsträger. Zudem sei für den Sozialhilfeträger festgelegt, dass die Beratung auch eine gebotene Budgetberatung umfasst. Eine Budgetberatung läge auch im Aufgabenbereich der Servicestellen. Außerdem seien die Verbände der Behindertenhilfe, die Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege, Organisationen der Selbsthilfe oder Berufsbetreuer in der Lage, eine Budgetberatung anzubieten.

Im Anschluss an die Beratung - zum Teil auch in sie hineinreichend - folge der Bereich der Budgetunterstützung. Dieser enthalte die Hilfen beim Verwaltungs- und Regiebedarf zur Umsetzung eines Persönlichen Budgets. Konkret bedeute dies, bei der Auswahl von Dienstleistern zu beraten, beim Abschluss von Arbeitsverträgen zu unterstützen und Lohnabrechnungen zu erstellen. Die Finanzierung von Budgetunterstützung liege in der Hand des Budgetnehmers selbst.

Die Ansiedlung der Budgetassistenz beim gesetzlichen Betreuer stehe ebenfalls zur Diskussion. Im Integrierten Budget, einem Modellprojekt zu Persönlichen Budgets, das die Pflege als Budgetleistung mit einbezieht, werde auf Case Management gesetzt. Die Case Manager führen die Bedarfserhebung durch, machen gemeinsam mit den BudgetnehmerInnen die Hilfeplanung und unterstützen bei der Vernetzung und Koordination hinsichtlich der Organisation von Hilfen. Dabei könne die Budgetunterstützung ein Teilbereich des Case Managements sein. Dieses habe über die fallbezogene Unterstützung hinaus die Aufgabe, im System eine Steuerungsfunktion zu übernehmen.

Es werde deutlich, dass die meisten Ansätze bezüglich einer Budgetunterstützung noch in den Kinderschuhen stecken, sich aber aus den Modellprojekten und den gemachten Erfahrungen Wege aufzeichnen würden, die sich als zukunftsträchtig ausweisen.

Die Rolle der Mitarbeiter verändere sich, wenn Menschen mit Behinderungen Nutzer von Dienstleistungen sind. Auch der Hilfebedarf ändere sich, wenn sie als gleichberechtigte Bürger Experten ihrer Lebensgestaltung seien. Fachkräfte in der Behindertenhilfe würden in Zukunft sicher weniger selbst auszuführen haben, dafür aber häufiger im direkten Austausch mit dem Betroffenen die Hilfen von Laienkräften, Ehrenamtlichen oder anderen Professionen koordinieren müssen.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Orientierung
Homepage: https://www.beb-orientierung.de/

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0157/6348


Informationsstand: 08.11.2007

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