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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Bibliographische Angaben zur Publikation

Hautkrankheiten


Sammelwerk / Reihe:

Teilhabe durch berufliche Rehabilitation


Autor/in:

Schubert, Hans-Jürgen


Herausgeber/in:

Bundesagentur für Arbeit (BA)


Quelle:

Nürnberg: Eigenverlag, Online-Ressource, 2004, Stand: April 2004


Jahr:

2004



Abstract:


HAUTERKRANKUNGEN bilden keine einheitliche Gruppe und sind mit sehr unterschiedlichen Folgewirkungen verbunden. Die Betroffenen zählen entweder zu den im weitesten Sinne körperlich behinderten oder zu den kranken Menschen. Eine Kombination verschiedener Erkrankungen mit Behinderungen führt meist zu erheblichen Einschränkungen im Rahmen der beruflichen Eingliederung. Vielfach besteht jedoch bei der Berufswahl ein kalkulierbares Risiko: Durch eine frühzeitige fachkompetente und individuelle Beratung und die Auswahl geeigneter Berufe können im individuellen Fall besondere Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation vermieden werden. Dies gilt vor allem für allergisch bedingte Hauterkrankungen, die Kontaktallergie und für das atopische Ekzem (Neurodermitis), die auch an anderer Stelle thematisiert werden (Allergie).

Der Artikel behandelt folgende berufswahlrelevante Hauterkrankungen:
- Atopisches Ekzem (endogenes Ekzem, atopische Dermatitis, Neurodermitis constitutionalis),
- Kontaktekzem,
- Psoriasis (Schuppenflechte),
- Akne conglobata et indurata,
- blasenbildende Hauterkrankungen,
- weitere Hautkrankheiten (im Überblick).

ATOPISCHES EKZEM (endogenes Ekzem, atopische Dermatitis, Neurodermitis constitutionalis)

Symptomatik: An dieser chronischen Hautkrankheit (Allergie) leiden etwa drei Prozent aller Jugendlichen. Die Veranlagung zur Erkrankung (atopische Diathese) ist erblich. In den meisten Fällen beginnt das Ekzem bereits in den ersten Lebenswochen; es kann jedoch auch später, zum Beispiel erst nach Eintritt in das Berufsleben, manifest werden. Die Krankheit verläuft in Schüben und kann für Jahre völlig abheilen. Die wichtigsten Symptome sind Juckreiz, flächenhafte Entzündung der meist zarten und ausgetrocknet wirkenden Haut der Hände, Ellenbeugen, Kniekehlen, des Halses, der Schulterregion sowie manchmal auch des Gesichts. Nicht selten ist das atopische Ekzem mit so genanntem Heuschnupfen und manchmal mit Asthma bronchiale gekoppelt. Mittelschweres bis schweres atopisches Ekzem kann sich bessern, wenn das allergische Asthma stärker in Erscheinung tritt, und sich wieder verschlimmern, wenn das Asthma zurückgeht.

Atopisches Ekzem (Schweregrade)

Das atopische Ekzem tritt in unterschiedlich starker Ausprägung auf. Dabei lassen sich folgende Grade unterscheiden:

- Leichtes atopisches Ekzem
Nur gelegentlich auftretende Hautentzündung (ohne Nässen und ohne Bewegungseinschränkung), zum Beispiel in den Ellenbogen und in den Kniekehlen, am Hals, zum Teil auch juckende Bläschen an den einzelnen Fingern (Dyshidrose, dyshidrotisches Handekzem). Juckreiz beim Schwitzen und durch rauhe oder wollige Textilien, Seifen- und Waschmittelempfindlichkeit. Abheilung im Sommer. In diese Gruppe gehören die meisten Betroffenen.
- Mittelschweres atopisches Ekzem
Fast immer Ekzem in den Knie- und Ellenbeugen, im Winter ausgeprägter als im Sommer. Die betroffene Haut ist zerkratzt, verdickt und nässt zeitweise. Die Hände sind, wie bei der leichten Form, nicht oder nur gering befallen. Zusätzlicher Heuschnupfen ist häufig.
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- Schweres atopisches Ekzem
Ausgeprägter und großflächiger Befall der Haut über die Knie- und Ellenbegen hinaus unter Einbeziehung beispielsweise des Schultergürtels, des Nackens, des gesamten Kopfes, der Unterbauch- und Genitalregion, der Oberschnekelinnenseiten, der Hände und Füße mit starkem und quälendem Juckreiz, der die Konzentrationsfähigkeit in der Schule und bei der Arbeit sowie den Schlaf beeinträchtigt. Neigung zu Hautinfektionen durch Eitererreger, Herpesviren und Pilze. Eine Kombination mit Heuschnupfen und Asthma bronchiale ist nicht selten. Knapp ein Prozent aller Jugendlcihen ist betroffen.

Auswirkungen auf die Berufswahl: Wegen der Minderbelastbarkeit der Haut (und der Schleimhäute der Atemwege) sollte durch sachkundige Berufsberatung möglichst frühzeitig die gedankliche Fixierung auf ungeeignete Berufe vermieden werden. Junge Menschen mit atopischem Ekzem während der Kindheit erkranken in Berufen mit Feuchtarbeit (zum Beispiel Pflegeberufe, hauswirtschaftliche Berufe, Koch/Köchin, Dreher/ Dreherin, Bauberufe, Reinigungsberufe) etwa zwölfmal häufiger an Handekzem als primär Hautgesunde. Feuchtarbeit ist Arbeit, bei der regelmäßig länger als zwei Stunden täglich Hautkontakte mit wässrigen und flüssigen nichtwässrigen Stoffen bestehen, wenn feuchtigkeitsdichte Handschuhe getragen werden müssen oder 20-mal und häufiger am Tag intensiv die Hände gereinigt werden müssen. Von solchen Feuchtberufen, von Berufen mit irritativen Hautbelastungen (zum Beispiel vermehrter Kontakt mit alkalischen Stoffen, Fettlösungsmitteln oder aggressiven Waschmitteln infolge von Ölkontakt und insgesamt starker Verschmutzung) sowie von Berufen mit organischer Staubbelastung und engem Tierkontakt muss dringend abgeraten werden.


Hautbelastende Berufe
Aufgrund des Auftretens berufsbedingter Hauterkrankungen
(Untersuchung für Nordbayern)

Berufe Neuerkrankungen Berufsnummern
Berufsgruppen auf 10.000 Beschäftigte nach dem Schlüsselverzeichnis
Berufsbereiche in 3 Jahren der Bundesagentur für Arbeit

Floristik* 103 053
Chemie 15 141-1
Kunststoff 12 151
Druckerberufe 12 171-177
Metallerzeuger* 24 191-213, 323
Metall-Oberflächenbearbeiter* 45 221-231, 291
Galvanik* 113 234
Löter* 57 242
Schlosserberufe, Kfz 9 270-282
Mechanikerberufe* 26 283-285, 301
Zahntechnik* 37 303
Montierer* 21 322
Leder-, Fellbearbeitung* 25 371, 378
Köche* 34 411
Ernährung, Fleischer 18 401-3, 412-33
Bäcker* 191 391
Konditoren* 84 392
Bau, Betonhersteller* 19 112, 441-2, 472, 481
Fliesen-, Estrichleger* 74 483, 486
Maler- und Lackiererberufe* 23 511-514
Holz 12 181-4, 451, 501-4
Sonstige Hilfsarbeiter 16 531
Maschinisten* 48 541-3, 547-9
Gesundheitswesen
(zum Beispiel Pflegeberufe)* 33 684-5, 805, 852-7, 902
Friseurberufe* 583 901
Hauswirtschaft, Gaststätten,
Reinigung 13 911-7

*Besonders hautbelastende Berufe
Quelle: Diepgen/Schmidt/Berg/Plinske



KONTAKTEKZEM

Symptomatik: Bei Eintritt in das Berufsleben spielt gegenwärtig nur die Allergie auf Nickel eine bemerkenswerte Rolle (12 - 20 Prozent aller Mädchen, 5 Prozent aller Jungen). Diese Form wird durch metallenen Modeschmuck (meist durch Ohrstecker, Ohrringe, Ohrclips), seltener durch die Armbanduhr oder den Jeansknopf am Bauch erworben und äußert sich bei längerem Kontakt der Haut mit allergenhaltigem Material in Juckreiz und Entzündung im Kontaktareal, die von einfacher Rötung bis zu nässenden Bläschen und Blasen reichen kann. Im Gegensatz zum atopischen Ekzem heilt das Kontaktekzem nach Meiden des Allergens vollständig ab, tritt jedoch bei erneutem Kontakt wieder auf. Das gilt auch für alle Kontaktekzeme durch andere Allergene, wie sie im späteren Leben im Beruf und außerberuflich erworben werden können, zum Beispiel durch Epoxidharze, Alkalichromate, Konservierungsstoffe, Dithiocarbamate oder Duftstoffe.

Auswirkungen auf die Berufswahl und Wiedereingliederung: Alle Berufe und Tätigkeiten, bei denen das individuelle Allergen nicht gemieden werden kann, sind ungeeignet. Bei Nickelallergie ist das vor allem die Arbeit als Galvaniseur/Galvaniseurin, aber auch die Bearbeitung vernickelter Teile sowie die Tätigkeit als Kassierer/Kassiererin. Bei gleichzeitig vorliegender atopischer Hautdiathese (Veranlagung) stellt die Nickelallergie für hautbelastende Berufe (Übersicht) generell ein erhöhtes Risiko dar.

PSORIASIS (Schuppenflechte)

Symptomatik: Diese chronische Hautkrankheit ist erblich bedingt und kommt meist erst während und nach der Pubertät zum Ausbruch. Charakteristisch sind umschriebene rote Flecke mit silbrig-weißer Schuppung an den Ellenbogen, Knien, auf der Kopfhaut zwischen den Haaren, an den Schienbeinen und im Kreuzbeinbereich. Selten sind im jugendlichen Alter die Hände und Gelenke mitbefallen (Verwechslung mit chronischem Gelenkrheumatismus ist möglich). Die Psoriasis ist zwar gleich häufig wie das atopische Ekzem, jedoch bei der beruflichen Eingliederung nicht annähernd so problembelastet.

Auswirkungen auf die Berufswahl und Wiedereingliederung: Mechanisch oder chemisch-irritativ belastende Tätigkeiten können im Bereich der Kontaktstellen die Erkrankung provozieren oder verschlechtern, zum Beispiel bei Befall der Hände. Es ist zu beachten, dass psoriatische und ekzematös erkrankte Haut weder desinfiziert, noch von giftigen oder radioaktiven Substanzen dekontaminiert (entgiftet) werden kann.

AKNE CONGLOBATA ET INDURATA

Symptomatik: Diese schwere Akneform ist selten; weniger als ein Prozent aller Jugendlichen sind davon betroffen. Kennzeichnend sind schmerzhafte, entzündete Knoten, eiternde Abszesse, entstellende Narben und große Komedonen (sogenannte Mitesser) im Gesicht, auf dem Schultergürtel und am Oberkörper.
Auswirkungen auf die Berufswahl und Wiedereingliederung: Berufe und Tätigkeiten mit Mineralölexposition der Haut führen zur Verschlechterung. Dies betrifft metallspanende Berufe (zum Beispiel Dreher/Dreherin), Berufe im Bereich der Fahrzeugtechnik, des Beton- und des Straßenbaus (zum Beispiel Teerarbeiten). Wegen der Entstellung im Gesicht bleiben den betroffenen jungen Menschen Berufe und Tätigkeiten mit Publikumsverkehr meist unzugänglich, zum Beispiel eine Arbeit als Friseur/Friseurin, an der Hotelrezeption oder im Restaurantservice, im Verkauf oder Schalterdienst.

BLASENBILDENDE HAUTERKRANKUNGEN

Symptomatik: Es handelt sich um sehr seltene, meist erbliche Erkrankungen, bei denen Reibung und Druck von Geburt an zur Bildung von Blasen an der Haut und in schweren Fällen auch an den Schleimhäuten führen. Wenn diese Blasen platzen, entstehen schmerzhafte Wundflächen, die bei der schwersten Form (Epidermolysis bullosa dystrophica) zu Verwachsungen der Finger und Zehen, der Augenlider und anderer Partien und schließlich zu Haut- und Schleimhautkrebs führen können. Eine andere Form (Pemphigus benignus familiaris) tritt erst nach der Pubertät auf und ist durch nässende ekzemartige Entzündung in den Achselhöhlen, den Leistenbeugen, der Genito-Anal-Region und Bläschen an der übrigen Haut bei Sonnenbestrahlung gekennzeichnet.

Auswirkungen auf die Berufswahl und Wiedereingliederung: Blasenbildende Hauterkrankungen erfordern je nach Ausprägung, Schwere und mechanischer Belastbarkeit unterschiedliche Rehabilitationswege. Ein Teil der Betroffenen kommt aus Schulen für Körperbehinderte, andere aus allgemeinen Schulen. Es erstaunt immer wieder, welche manuellen Fertigkeiten trotz erheblicher anatomischer Anomalien und Funktionsstörungen erreicht werden. Häufig sind die Behinderungen jedoch so schwerwiegend, dass nur eine Teilqualifizierung oder ungelernte Arbeiten möglich sind. Deshalb können keine allgemeinen Richtlinien gegeben werden. Es wird empfohlen, in jedem Einzelfall einen erfahrenen Berufsdermatologen hinzuzuziehen.

WEITERE HAUTKRANKHEITEN

Die folgend aufgeführten Hautkrankheiten (Übersicht) treten nur sehr selten auf und sind deshalb bei der beruflichen Rehabilitation junger Menschen kaum relevant. Zum Teil sind die Krankheiten mit massiven Einschränkungen hinsichtlich der Möglichkeiten zur beruflichen Eingliederung verbunden (Mehrfachbehinderung). In jedem Einzelfall sind individuelle Empfehlungen eines erfahrenen Berufsdermatologen notwendig.

Weitere erhebliche Hautkrankheiten (Genodermatosen):

Neurofibromatose (Recklinghausen-Krankheit)
Häufig in Deutschland etwa 1 zu 1000. Es handelt sich um eine erhebliche Erkrankung der Haut, der Nerven, des Bindegewebes und des Skelettsystems, das heißt, im Vordergrund steht die Körperbehinderung. Eine bösartige Entartung der Krankheit ist möglich.

Haut und Nervensystem: Milchkaffeeflecke und andere Pigmentflecke, meist Zahlreiche weiche Knötchen und Knoten, Wammenbildung (herabhängende Hautfalten)

Skelett: Verformung der Wirbelsäule und der Rippen (Kyphoskoliose = Buckelbildung), Knochenzysten mit spontanen Knochenbrüchen

Albinimus
Teilweiser oder vollständiger Pigmentmangel, Lichtscheu, Augenpendeln

Anhidrotische ektodermale Dysplasie
Haarmangel, Zahnanomalien, Unvermögen zum Schwitzen, deshalb Gefährdung bei erhöhter Temperatur

Pringle-Krankheit (Bourneville-Pringle-Krankheit, Epiloia)
Zahlreiche kleine gelblich - rötliche Knötchen umd die Nase herum, derbe Geschwülste im Bereich der Finger- und Zehennägel, Anfallsleiden (Epilepsie), Debilität (Geistige Behinderung), spastische Lähmungen (Körperbehinderungen), Tumore des Herzens, der Nieren und der Netzhaut

Ehlers-Danlos-Syndrom
Leicht verletzbare überdehnbare Haut (Gummihaut), überstreckbare Gelenke, Blutungsneigung durch Brüchigkeit der Gefäße, besonders an den Knien schlechte Wundheilung

Ichthyosis-Formen
Fischschuppenartige Haut, zum Teil faltige Handteller und Fußsohlen, Rötung des Gesichts, unangenehmer Geruch der Haut bei Entzündung, manchmal Sehstörungen durch Hornhauttrübungen (Sehbehinderung), geistige Minderentwicklung (Geistige Behinderung), Anfallsleiden (Epilepsie),Anomalien der Zähne und der Ohren

Keratoma palmare et plantare (Keratosis palmoplantaris)
Flächenhafte oder umschriebene (inselartig, streifig, punktförmig) dicke Hornbildung an den Handtellern und Fußsohlen sowie Greifflächen der Finger, manchmal auch an den Knien und Fersen mit und ohne Anomalien an den Zähnen, Haaren, Nägeln

Lichtdermatosen (Hauterkrankungen durch die UV-Strahlung der Sonne):

Erythematodes (Lupus erythematodes)
Schmetterlingsförmige Rötung im Gesicht, schuppige rote vernarbte runde oder ovale Herde an belichteten Hautpartien; bei der akuten systemischen (ausstreuenden) Form vielfältige Symptome an inneren Organen

Erythropoetische Protoporphyrie
Familiär erblich; auf dem Nasenrücken, an den Wangen und auf den Handrücken Rötung, Schwellung, Bläschen und Blasen durch Sonnenbestrahlung, danach Entwicklung gelblicher Hautverdickungen

Xeroderma pigmentosum
Bereits bei Kindern und Jugendlichen umschriebene Verhornungen und Pigmentfleckenbildung wie bei alten Menschen im Gesicht und auf den Handrücken, frühzeitige bösartige Entartung

Umschriebene Sklerodermie (cirkumscripte Sklerodermie, Morphaea)
Fleckenförmige bis bandförmige Spontanvernarbung der Haut und der darunterliegenden Fett- und Bindegewebe bis zur Skelettierung, zum Beispiel eines Beines (Gliedmaßenfehlbildung/Körperbehinderung)


BERUFSWAHL

Differenzierter Beratungs- und Förderbedarf: Die Bedingungen junger Menschen mit Hauterkrankungen hinsichtlich der Berufswahl sind äußerst heterogen; das Spektrum reicht vom kalkulierbaren Risiko bei allergischen Hauterkrankungen bis zu schweren Formen von Mehrfachbehinderung mit gravierenden Auswirkungen auf die Möglichkeiten zur beruflichen Eingliederung. Deshalb sind keine generellen Aussagen möglich, und die Auswirkungen der jeweiligen Hautkrankheit auf die berufliche Eignung müssen in jedem Einzelfall konkret bestimmt werden. Entsprechend differenziert ist der Bedarf an Beratung und Förderung im Rahmen der Berufswahl und der beruflichen Eingliederung.

Psychische Belastungsfaktoren: Bei Hauterkrankungen ist grundsätzlich mit schwerwiegenden Auswirkungen auf die Psyche zu rechnen. Die wunde Haut wird für viele der betroffenen Menschen zur ständigen Plage, die zur Verzweiflung führen kann. Besonders schwer wiegen sichtbare Entstellungen, denen im sozialen Umfeld mit Stigmatisierung und Ausgrenzung begegnet wird. Vor allem in der Phase der Adoleszenz kann dies zu Einbrüchen des Selbstwertgefühls und zur sozialen Isolierung führen. In der Jugendkultur sind Schönheitsideale bestimmend, die junge Menschen mit Hautkrankheiten in eine 'sichtbare' Außenseiterrolle drängen.
Psychischer Druck und Stress wiederum belasten den Krankheitsverlauf, der - beispielsweise bei allergischen Syndromen - in starkem Maße von psychosomatischen Faktoren mit bestimmt wird. Zudem ist während der Pubertät bei vielen Jugendlichen mit einer geringeren Bereitschaft zu rechnen, an der Therapie mitzuwirken (Compliance). In der Phase der Berufswahl ist es deshalb besonders wichtig, das Selbstvertrauen der Jugendlichen zu stärken und für Rückhalt im sozialen Umfeld zu sorgen. Dies betrifft vor allem die Familie, den Freundeskreis und den schulischen Bereich.

Berufliche Beratung: Schülerinnen und Schüler mit Hautkrankheiten benötigen eine umfassende individuelle berufliche Beratung unter Einbeziehung der Eltern und des Hautarztes. Im Einzelfall ist vor einer Berufsausbildung auch eine Maßnahme zur Abklärung der beruflichen Eignung oder Arbeitserprobung sinnvoll. Zur Klärung der beruflichen Eignung und in Fragen der Diagnose werden die Mitarbeiter des Reha-Teams in der Regel auch den Ärztlichen Dienst der Agentur für Arbeit hinzuziehen.

Trotz kalkulierbarer Risiken für junge Menschen mit atopischem Ekzem oder Nickelallergie ergreifen nicht wenige Betroffene für sie ungeeignete Berufe, weil die Beratung durch die Fachkräfte der Agentur für Arbeit nicht oder nur ungenügend in Anspruch genommen wird. So ist es erschreckend, dass bei etwa 20 Prozent aller jungen Erwachsenen von einer atopischen Hautdiathese (das heißt, von einer Veranlagung für atopisches Ekzem) auszugehen ist. Um so wichtiger ist es, Jugendliche immer wieder auf geeignete und ungeeignete Berufe aufmerksam zu machen, und nicht auf die für diese Fragestellung zu spät stattfindende Untersuchung nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz vor Beginn einer Berufsausbildung zu vertrauen.

BERUFLICHE EINGLIEDERUNG UND WIEDEREINGLIEDERUNG

Berufsausbildung: Junge Menschen mit sichtbaren Hautkrankheiten haben im Allgemeinen wesentlich schlechtere Chancen, einen Ausbildungsplatz für eine betriebliche Berufsausbildung zu finden als gut aussehende Altersgenossen. Das hat etwas mit der weit verbreiteten falschen Meinung zu tun, dass Hautkrankheiten ansteckend seien. Hinzu kommt, dass Hautkrankheiten und Entstellungen der Haut nicht nur abstoßend, sondern auf viele Menschen auch ekelerregend wirken. Deshalb benötigen Betroffene eine besondere Unterstützung durch die Agentur für Arbeit (im Einzelfall unter Einbeziehung betreuender Ärzte oder auch begleitender psychosozialer Dienste) bei der Vermittlung eines geeigneten Ausbildungsplatzes und später eines Arbeitsplatzes.

Bei Jugendlichen ohne Schulabschluss - zum Beispiel im Fall bestimmter Genodermatosen - kann meistens nicht auf eine Phase der Berufsvorbereitung verzichtet werden (zum Beispiel Berufsvorbereitungsjahr/BVJ, berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen). Während einer betrieblichen Berufsausbildung können ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) in Anspruch genommen werden. Bei schwerer Behinderung ist im Einzelfall eine Ausbildung in einem Berufsbildungswerk (BBW) oder in einer sonstigen Reha-Einrichtung notwendig. Spezielle Reha-Einrichtungen für junge Menschen mit Hautkrankheiten gibt es nicht. Bei der Wiedereingliederung Erwachsener mit beruflich erworbener Kontaktallergie oder Verschlimmerung eines atopischen Ekzems oder Irritationsdermatose durch Feuchtarbeit leisten die Berufsgenossenschaften zusammen mit den Agenturen für Arbeit konkrete Hilfen, zum Beispiel durch individuelle Beratung, spezielle berufliche Trainingsmaßnahmen und durch Umschulung.

Chancen und Risiken: Da bei atopischem Ekzem die kognitive Leistungsfähigkeit in der Regel nicht betroffen ist, können diese jungen Menschen fast ausnahmslos Berufe mit hautfreundlichen Bedingungen und in sauberen, trockenen Tätigkeitsbereichen ergreifen: zum Beispiel in Verwaltungen, Behörden, in kaufmännischen Berufen, in wissenschaftlichen Einrichtungen, Bibliotheken oder im pädagogischen Bereich.

Junge Menschen mit Psoriasis (Schuppenflechte), Ichthyosis (sog. Fischschuppenkrankheit),Akne conglobata et indurata (schwere Form von Akne) sowie Keratoma palmare et plantare (Verhornung vor allem der Hände und Fußsohlen) finden meist auch ohne größere Schwierigkeiten geeignete Berufe und Arbeitsplätze. Probleme ergeben sich jedoch, wenn die Erkrankung Gesicht und Hände entstellt. In diesem Fall kommt es leider oftmals zu einer Isolierung und Ausgrenzung durch Arbeitskollegen bis hin zum Mobbing. Um dies zu verhindern, ist eine rechtzeitige Aufklärung der Vorgesetzten und der Arbeitskollegen notwendig.

Bei vorliegender Mehrfachbehinderung - zum Beispiel der Kombination von Hauterkrankung mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung - finden sich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt so gut wie keine Ausbildungs- und Arbeitsstellen. Die hohe Arbeitslosigkeit und der verschärfte Konkurrenzdruck verschlechtern zusätzlich die Chancen. Der Arbeitsplatz muss in vielen Fällen speziell und individuell behinderungsgerecht gestaltet werden, zum Beispiel durch Umrüstung von Maschinen und Werkzeugen (Technische Hilfen). Der genannte Personenkreis ist trotz der Eignung für einfache oder spezielle Tätigkeiten im allgemeinen Arbeitsprozess vielfach auf eine Tätigkeit in der Werkstatt für behinderte Menschen angewiesen. Dies entspricht der Erfahrung bei Epidermolysis bullosa dystrophica (blasenbildenden Hauterkrankungen) und Einzelfällen von Pringle-Krankheit. Die Betroffenen unterscheiden sich diesbezüglich nicht von anderen jungen Menschen mit Mehrfachbehinderung.


Weitere Informationen:


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Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesagentur für Arbeit (BA)
Homepage: https://www.arbeitsagentur.de/veroeffentlichungen/veroeffent...

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Referenznummer:

VT0007


Informationsstand: 24.04.2007

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