Inhalt

Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Merkmalblatt 6.7: Strahlen


Sammelwerk / Reihe:

Strukturierter Merkmalkatalog


Autor/in:

Wieland, Klaus; Weinmann, Sigbert; Schian, Hans-Martin


Herausgeber/in:

Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA)


Quelle:

Bonn: Eigenverlag, 1990


Jahr:

1990



Abstract:


Merkmalblatt 6 Umgebungseinflüsse

6.7 Strahlen

6.7.1 ionisierende Strahlen

Definition: Tätigkeiten, bei denen die Beschäftigten dem Risiko einer Exposition gegenüber ionisierenden Strahlen ausgesetzt sind.

Der betroffene Personenkreis wird durch die Bestimmungen der Röntgenverordnung (RÖV) und der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) festgelegt. Danach gelten Personen, die im Kontrollbereich (nach RÖV) sowie Personen, die bei ihrer Berufsausübung oder Berufsausbildung mehr als ein Zehntel der Jahresdosisgrenzwerte für ionisierende Strahlen nach Anlage X der StrlSchV erhalten können, als berufliche Strahlen exponiert. Dieser Personenkreis wird in zwei Katgorien eingeteilt: Personen der Kategorie B - Dosis ein Zehntel bis drei Zehntel der Grenzwerte. Für diese Personen sind Überwachungen durch hierzu speziell ermächtigte Ärzte gesetzlich vorgeschrieben.

Die in der Praxis wichtigen Arten von ionisierender Strahlung sind: Alpha-Strahlen (bestehend aus Alpha-Teilchen=Kerne von Heliumatomen), Beta-Strahlen (Beta-Teilchen=Elektronen) und Gamma-Strahlen (Photonen=elektromagnetische Wellen mit hoher Energie) beziehungsweise Röntgenstrahlen. Stoffe, die ionisierende Strahlen aussenden (emittieren), bezeichnet man als radioaktive Isotope oder Radionuklide.

Nach Art der Einwirkung auf den Menschen lässt sich unterscheiden zwischen ionisierender Strahlung, die von außen eindringt - äußere Exposition, und Strahlung, die durch Aufnahme von radioaktiven Isotopen (Radionukliden) in den Körper wirksam wird - innere Exposition.

Eine Gefährdung ausschließlich durch äußere Exposition besteht bei Röntgengeräten, die medizinischen, technischen (zum Beispiel Materialprüfung) und wissenschaftlichen (zum Beispiel Röntgenstrukturanalyse) Anwendungen dienen; ferner durch sogenannte Störstrahler - so bezeichnet man Anlagen, welche technisch bedingt ungenutzte Röntgenstrahlen (Bremsstrahlen) als Nebenprodukt erzeugen.

Der Umgang mit radioaktiven Stoffen (Radionukliden) enthält prinzipiell beide Möglichkeiten der Exposition. Bei festumschlossenen radioaktiven Stoffen ist, von Unfällen abgesehen, das Strahlenrisiko auf die äußere Exposition beschränkt. Man unterscheidet sogenannte Hochcuriegeräte mit hoher Dosisleistung (hohe Strahlenintensität), die überwiegend medizinischen Zwecken dienen (zum Beispiel Cobalt-60-Bestrahlungsanlagen in der Tumortherapie), von Strahlenquellen mit niedriger Dosisleistung, die in der gewerblichen Wirtschaft häufig Anwendung finden (zum Beispiel zur berührungslosen Dichte- und Füllstandsmessung oder zur zerstörungsfreien Materialprüfung, sog. Gammaradiographie).

Beim Umgang mit offenen radioaktiven Stoffen besteht einerseits das Risiko der Kontamination (Kontakt der Haut oder Kleidung mit radioaktivem Material) - äußere Exposition, andererseits auch oder überwiegend die Gefährdung durch Inkorporation, infolge von Einatmen (Verschlucken) gasförmiger oder staubförmiger Nuklide oder durch Aufnahme durch die Haut - innere Exposition.

Normen, Richtlinien:

Begriffe und Benennungen in der radiologischen Technik, Anwendung, Dosisgrößen und -einheiten, Radioaktivität und Strahlenschutz in DIN 6814, Bl. 1-5. Definitionen eines Kontrollbereiches nach Prgr. 58 StrlSchV und Prgr. 19 RÖV sowie eines betrieblichen Überwachungsbereiches nach Prgr. 60 StrlSchV und Prgr. 19 RÖV.

Erfordernis der ärztlichen Überwachung nach Prgr. 68,2 StrSchV und Prgr. 42,3 RÖV, gegliedert nach
- Erstuntersuchung: Personen der Gruppe A und B nach Anlage 10 StrlSchV sowie alle im Kontrollbereich tätigen Personen nach Prgr. 19 RÖV,
- Nachuntersuchung in jährlichen Abständen: Personen der Gruppe A nach Anlage 10 StrlSchV sowie alle im Kontrollbereich nach RÖV tätigen Personen.

Bewertung: Bei der Bewertung sollen die Expositionsrisiken in bezug auf die Strahlendosis und die Art der Einwirkung ionisierender Strahlen berücksichtigt werden.

Bewertung: (S)
Dosisgrenzen, die bei 50 Wochen Arbeitszeit im Jahr nicht überschritten werden dürfen (drei Stufen):
- weniger als ein Zehntel des zulässigen Dosisgrenzwertes (Überwachungsbereich)
- ein Zehntel bis drei Zehntel des zulässigen Dosisgrenzwertes (Personen der Gruppe B)
- mehr als drei Zehntel des zulässigen Dosisgrenzwertes (Personen der Gruppe A) (Grenzwert der effektiven Dosis im Kalenderjahr bei Ganzkörperexposition=50 mSv).

Bewertung: (S)
Strahlenexposition durch:
- äußere Strahlung (Röntgengeräte, Störstrahler, umschlossene radioaktive Stoffe),
- äußere Exposition durch Kontamination mit radioaktiven Stoffen (Radionukliden),
- innere Exposition durch Inkorporation,
- äußere und innere Exposition.

(Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) vom 13.10.1976 (BGBl 1977, S. 184, 269), Änderung vom 18.05.1989 (BGBl 1, S. 943). Röntgenverordnung( RÖV) vom 01.März 1973 (BGBl 1, S. 173), Änderung vom 08. Januar 1987 (BGBl 1, S. 114)).

6.7.2 nicht ionisierende Strahlen

Definition: Elektromagnetische Wellen, elektrische und magnetische Felder, die keine ionisierende Eigenschaften haben.

Hinsichtlich der möglichen biologischen Wirkung und dem Auftreten an Arbeitsplätzen ist eine Unterscheidung zwischen Lichtwellen und elektromagnetischen Feldern sinnvoll. (Umgebungseinflüsse durch sichtbares Licht
Siehe auch: ---> Licht/ Beleuchtung 6.4

UV-Licht (u.Laserlicht):

Definition: Ultraviolettes Licht (UV-Strahlung, kurzwelliges Licht im nicht sichtbaren Spektralbereich) ist Bestandteil des natürlichen Sonnenlichtes. An industriellen Arbeitsplätzen ist vor allem bei Schweißprozessen (Elektro- und Autogenschweißen) mit nennenswerten Expositionen zu rechnen. Auch durch Quarzlampen und UV-Raumstrahler entsteht UV-Licht.

Laserstrahlen entstehen nur an speziellen Generatoren (Laserkanonen, Laserlichtquellen) für medizinische, technische (Schneideprozesse) und wissenschaftliche Anwendungen. Akzidentielle Expositionen führen zu direkten Schäden an den betroffenen Körperstellen, besonders gefährdet sind die Augen. Schutzvorrichtungen an den Geräten und Körperschutzmaßnahmen (zum Beispiel Brillen mit speziellen Schutzfiltern) sind vorgeschrieben.

Siehe auch: ---> Unfallgefahr 7.1.8.2 und ---> Augen- und Gesichtsschutz 7.2.2

Beanspruchung: Akute Schädigungen durch UV-Strahlung (UV- Licht) betreffen die Haut (Sonnenbrand, Erythem) und die Augen ('Verblitzen' beim Schweißen, 'Schneeblindheit' bei Sonnenlichtexposition in großen Höhen).
Die Beanspruchung der Haut durch chronische Einwirkungen ist abhängig von den Anpassungs- und Schutzvorgängen der Haut in Form von Pigmententierung (Sonnenbräune).

Personen mit gestörtem Pigmentstoffwechsel (zum Beispiel bei Albinismus, Vitiligo) oder sehr hellhäutige sind in höherem Maße durch das Entstehen von Langzeitschäden, wie vorzeitige Atrophie und Degeneration der Haut, oder durch die Entstehung von Hautkrebs gefährdet. Eine weitere individuelle Gefährdung besteht bei Behandlung mit bestimmten Medikamenten durch Auflösung von sog. photoallergischen Reaktionen. Am Auge können Linsentrübungen (Katarakt) entstehen. In der Regel kann der Entstehung von Akut- und Langzeitschäden durch Schutzmaßnahmen vorgebeugt werden.

Siehe auch: ---> Augen- und Gesichtsschutz 7.2.2 und ---> Handschutz 7.2.5

Elektromagnetische Felder
Elektronische Wechselfelder entstehen in der Umgebung von elektrischen Anlagen in Haushalt und Industrie sowie in der Umgebung von Radiosendern und Radaranlagen. Von praktischer Bedeutung im Hinblick auf den Einsatz gesundheitlich beeinträchtigter Personen sind lediglich Anlagen, in deren Umgebung hohe magnetische Feldstärken entstehen, die beispielsweise die Funktion eines Herzschrittmachers oder anderer elektronisch gesteuerter Implantate beeinflussen können. Sehr starke Magnetfelder, die zum Beispiel in der Umgebung von Kernspintomografen oder Induktionsöfen auftreten, übertragen Kräfte auf ferromagnetische Implantate (zum Beispiel Gefäßclips nach Operationen).

Die Grenzwerte für die Beeinflussung von Herzschrittmachern liegen bei Magnetfeldern je nach Schrittmachertyp und Wechselfrequenz des Magnetfeldes zwischen 0,1 und 0,5 mT (milli Telsa) magnetischer Flussdichte (nach Bernhard 1988).

6.7.2.1 UV-Strahlung

Bewertung und Differenzierung: (A)
Vorkommen von ultravioletter Strahlung am Arbeitsplatz in einer Intensität, die Augen- und Körperschutz erfordert.

6.7.2.2 elektromagnetische Felder

Bewertung und Differenzierung: (A)
Vorkommen von elektromagnetischen Feldern im Bereich des Arbeitsplatzes, die die Funktion von Herzschrittmachern beeinträchtigen können (> 0,1 mT)

(Literaturhinweis: J.H. Bernhardt, Belastung durch Strahlen- und Magnetfelder am Arbeitsplatz, in: Konietzo, Dupuis, Handbuch der Arbeitsmedizin Band I, Sektion II - 3.3.6, S. 1-3, ecomed Verlag, Landsberg a.L., 1989)


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk 'Strukturierter Merkmalkatalog' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Sammelwerksbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Homepage: https://www.bmas.de/DE/Service/Medien/Publikationen/publikat...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

VT0161


Informationsstand: 29.10.1992

in Literatur blättern