Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

in Praxisbeispielen blättern

  • Beispiel

Angaben zum Praxisbeispiel

Berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen beim Fahrradhersteller AT Zweirad GmbH

Arbeitgeber:

Das Unternehmen ist ein Fahrrad- und E-Bikehersteller mit angeschlossener Beratung und Verkauf, bei dem sich die Kunden auch individuell ein Fahrrad bzw. E-Bike nach ihren Wünschen zusammenstellen lassen können. Zum Unternehmen gehört u. a. auch eine Inklusionsabteilung für Menschen mit Schwerbehinderung, in der 20 Prozent von insgesamt 100 Beschäftigten der Belegschaft tätig sind.

Kommentar der Geschäftsführung:

Zum wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens gehört auch die soziale Verantwortung. Aus diesem Grund befindet sich auch ein großer Anteil von schwerbehinderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter den Beschäftigten - was unter anderem mit der Anlass war eine Inklusionsabteilung zu gründen. Alle arbeiten dabei gemeinsam im Team - ob behindert oder nicht - mit Festanstellung, üblicher Vergütung und Urlaubs- sowie Weihnachtsgeld.
Unterstützt werden wir durch den Integrationsfachdienst. Der Kontakt zu ihm entstand bei der Betreuung einer hörgeschädigten Mitarbeiterin im Rahmen der Neueinstellung. Aus den daraus resultierenden Gesprächen mit dem Integrationsamt entwickelte sich auch die Idee der Einbindung des Integrationsfachdienstes als psychosozialen Ansprechpartner. Die Umsetzung haben wir nie bereut und würden es jedem Betrieb empfehlen, der auch darüber nachdenkt. Wir können uns auf die eigentlichen Arbeitsschritte konzentrieren und haben bei Fragen, die im Zusammenhang mit einer Behinderung stehen, immer einen kompetenten Ansprechpartner zur Seite. Die pädagogische Fachkraft kommt regelmäßig ins Haus, um als psychosozialer Ansprechpartner sowohl den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch Vorgesetzten gegenüber dazu beizutragen, die Inklusion am Arbeitsplatz gelingen zu lassen. Dabei wird viel Wert auf den ressourcenorientierten Blick gelegt.
Uns liegt vor allem die Arbeitszufriedenheit unserer Beschäftigten am Herzen. Denn nur mit kompetenten und zufriedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können wir unsere Fahrräder noch besser machen.

Behinderungen und Funktionseinschränkungen der Beschäftigten:

Beim Unternehmen arbeiten Beschäftigte mit Körperbehinderung, seelischer Erkrankung und Sinnesbehinderung. Darunter sind sowohl Beschäftigte mit psychischer Erkrankungen sowie Depressionen, motorischen Störungen und mit Gehörlosigkeit sowie Hörbehinderung. Behinderungsbedingt sind sie nur eingeschränkt psychisch belastbar (Stress, Leistungsdruck, häufig wechselnde Anforderungen usw.), haben Veränderungen im Sozialverhalten (z. B. ziehen sich zurück) sowie bei den Schlüsselqualifikationen (z. B. Antrieb, Aufmerksamkeit und Ausdauer), Schwierigkeiten bei der Ausführung bestimmter Bewegungen (z. B. Hand- und Fingerbewegungen) oder können akustische Informationen (z. B. Sprache und Signale) nur mit Hilfe von Hörhilfen oder nicht wahrnehmen.

Ausbildung und Beruf:

Die berufliche Qualifikation der Beschäftigten mit Schwerbehinderung ist unterschiedlich. Dazu gehören ausgebildete Elektroniker und Techniker genauso wie etwa eine Krankenschwester, die ihren früheren Job aus psychischen Gründen nicht mehr ausüben konnte. Andere wiederum haben keinerlei Berufsausbildung absolviert.

Berufliche Inklusion:

Um entscheiden zu können, welche Arbeiten die Menschen mit ihren unterschiedlichen Behinderungen und tatsächlich bewältigen können, hatten der Integrationsfachdienst (IFD), die Agentur für Arbeit und das Jobcenter die detaillierten Stellenausschreibungen der Firma eingehend geprüft. Der IFD sah sich zusätzlich die Arbeitsprozesse bzw. Anforderungen für die in Frage kommenden Tätigkeiten in der Firma direkt vor Ort an. Erst nach sorgfältiger Prüfung wurden geeignete Kandidatinnen und Kandidaten, unter Berücksichtigung der Neigungen und Fähigkeiten, ausgesucht.
Sie absolvierten zunächst ein mehrwöchiges Praktikum im Unternehmen. So konnten sie sich ein Bild von ihrer zukünftigen Tätigkeit machen und feststellen, ob die Arbeit ihren Neigungen und Fähigkeiten entspricht. Auch das Unternehmen konnte so feststellen, welche Praktikantin und welcher Praktikantin mit welchen Maßnahmen ins Team aufgenommen werden kann oder nicht.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Zu ihren Arbeitsaufgaben zählen beispielsweise die Gepäckträgermontage und das Verkürzen von Schutzblechstreben ebenso wie die Arbeit in der Laufradfertigung sowie der Lackiererei, bei der Montagevorbereitung für die Pedelecs und die Endkontrolle im Versand. Dazu müssen Werkzeuge und Hilfsmittel genutzt, Maschinen bedient und Material transportiert werden.

Arbeitsorganisation:

Für eine flexiblere Organisation der Arbeit wurden viele Produktionsprozesse, die eigentlich von einem einzelnen Zweiradmechaniker ausgeführt werden könnten, in kleinere Arbeitsschritte zerlegt. Beschäftigte mit einer Schwerbehinderung können manchmal einzelne Arbeitsschritte nicht ausführen. Durch die Zerlegung des Prozesses in kleinere Einheiten, können nun die von ihnen nicht ausführbaren Teilaufgaben von Kolleginnen oder Kollegen übernommen werden.
So ist etwa das Befestigen der Speichen an den Felgen für die meisten Beschäftigten kein Problem, während sich mit der Befestigung der Ritzel auf der Radnabe oder der Bedienung der Pulverbeschichtungsanlage einige der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon schwerer tun. Durch die richtige Organisation der Arbeit kann der Produktionsprozess dennoch ohne Verlust an Effizienz stattfinden.
Aufgrund des Einsatzes des Unternehmens für Inklusion kommt wöchentlich eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter des Integrationsfachdienstes zu einem Besuch in den Betrieb. Bei Gesprächen mit den Betroffenen, Kolleginnen sowie Kollegen und Führungskräften werden mögliche Schwierigkeiten erörtert, so dass Probleme frühzeitig erkannt werden.
Für die regelmäßigen Teambesprechungen, interne Fortbildungen und Schulungen werden Gebärdensprachdolmetscherinnen bzw. Gebärdensprachdolmetscher eingesetzt. Auch Schriftdolmetscherinnen bzw. Schriftdolmetscher kommen bei Bedarf zum Einsatz.
In REHADAT finden Sie auch Gebärdensprachdolmetscherinnen bzw. Gebärdensprachdolmetscher und Schriftdolmetscherinnen bzw. Schriftdolmetscher.
Mit Unterstützung durch den IFD haben die Beschäftigten mit Gehörlosigkeit auch einen Gebärdensprachkurs für die hörenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter organisiert, an welchem viele aus der Belegschaft teilnehmen. Außerdem nehmen die Führungskräfte an den vom Integrations- bzw. Inklusionsamt angebotenen Kollegenseminaren teil und können so ihre Kenntnisse noch erweitern.

Arbeitsschutz:

Da die gehörlosen Beschäftigten keine akustischen Warnsignale bei Gefahren wie bei einem Feueralarm wahrnehmen können, wird ein spezielles Funkruf- bzw. Notfallalarmsystem eingesetzt. Über die Basisstation des Notfallalarmsystems können bestimmte Informationen, z. B. Feueralarm, gesendet werden. Zur Wahrnehmung vibriert die am Körper bzw. an der Kleidung befestigte Empfangseinheit sehr stark und die Information wird zusätzlich als leuchtendes Symbol angezeigt.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Das Unternehmen erhielt von der Arbeitsagentur / vom Jobcenter Eingliederungszuschüsse, vom Integrations- bzw. Inklusionsamt Fördermittel zur behinderungsgerechten Arbeitsgestaltung und im Rahmen eines Sonderförderprogrammes Fördermittel für jeden neu und zusätzlich geschaffenen Arbeitsplatz für einen Menschen mit Schwerbehinderung in einer Inklusionsabteilung oder einem Inklusionsbetrieb.
Zur Kompensation der außergewöhnlichen Belastungen, wegen personeller Betreuung und verringerter Leistung, erhält das Unternehmen außerdem vom Integrations- bzw. Inklusionsamt Zuschüsse.
Beraten und unterstützt wird das Unternehmen kostenlos von Fachdiensten, wie dem Technischen Beratungsdienst des Integrationsamtes / der Bundesagentur für Arbeit und dem Integrationsfachdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter, Arbeitsagenturen und Integrationsfachdienste.



Schlagworte und weitere Informationen

  • Akustiksignal /
  • Arbeitsagentur /
  • Arbeitsmittel /
  • Arbeitsorganisation /
  • Arbeitsschutz /
  • berufliche Rehabilitation /
  • Best Practice /
  • Bewegungskoordination /
  • Brand /
  • Depression /
  • Dolmetscher /
  • Feuer /
  • Funkruf /
  • Funkrufsystem /
  • Gebärdensprachdolmetscher /
  • Gebärdensprache /
  • Gehörlosigkeit /
  • Hilfsmittel /
  • Hörbehinderung /
  • Hören /
  • Industrie /
  • Informationsabgabe /
  • Informationsaufnahme /
  • Inklusion /
  • Inklusionsabteilung /
  • Integrationsamt /
  • Jobcenter /
  • jpg /
  • KMU /
  • Kommunikation /
  • Körperbehinderung /
  • Metall /
  • Montage /
  • Motorik /
  • Motorische Störung /
  • Notfall /
  • Notfallalarmsystem /
  • Ohr /
  • Portal Gute Praxis / Prävention und Arbeitsschutz /
  • Produktion /
  • psychische Belastbarkeit /
  • psychische Erkrankung /
  • Sicherheit /
  • Signal /
  • Signalanzeige /
  • Signalumwandlung /
  • Signalwahrnehmung /
  • Sinnesbehinderung /
  • Sprache /
  • Talentplus /
  • technische Beratung /
  • Teilhabe /
  • Teilhabe am Arbeitsleben /
  • Übersetzung /
  • Vibration /
  • Vibrationsmelder /
  • Vollzeitarbeit

  • ERGOS - Hören /
  • IMBA - Arbeitssicherheit /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Ausdauer (psychisch) /
  • IMBA - Gestik/Mimik /
  • IMBA - Hören /
  • IMBA - Umstellung /
  • IMBA - Verantwortung /
  • IMBA - Vibration/Erschütterungen /
  • MELBA - Ausdauer (psychisch) /
  • MELBA - Umstellung /
  • MELBA - Verantwortung


Referenznummer:

PB/111028



Informationsstand: 15.04.2019