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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

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Angaben zum Praxisbeispiel

Verbesserung der Kommunikation zwischen einer Mitarbeiterin mit Gehörlosigkeit und den Beschäftigten in der Verwaltung einer Universitätsklinik

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Universitätsklinik.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Frau ist gehörlos. Eine verbale Kommunikation mit ihr ist eingeschränkt möglich, wenn sie die Lippen der Gesprächspartnerin oder des Gesprächspartners (zum Lippenablesen) gut sehen kann und deutlich sowie langsam gesprochen wird. Hörbare Informationen (Signale usw.) müssen so verändert werden, dass sie von ihr optisch oder taktil wahrgenommen werden können.

Beruf:

Die Frau arbeitet als Sachbearbeiterin beim Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Die Frau arbeitet in einem Büro und Team, dass die gesamten Dienstpläne für das Personal der Universitätsklinik erstellt. Das Erstellen der Dienstpläne ist mit häufigen Besprechungen sowie Abstimmungen verbunden und bedingt eine starke sowie flexible Kommunikation zwischen den Angehörigen des Teams. Innerhalb des Teams war eine einfache Kommunikation zwischen den drei Angehörigen des Teams ohne Hörbehinderung und dem gehörlosen Team-Mitglied nur sehr eingeschränkt möglich. Sie erfolgte überwiegend mit Hilfe handschriftlich verfasster Notizen und sonst per Lippenablesen oder E-Mail. Das Anfertigen der Notizen dauerte länger, die Handschriften waren teilweise schlecht lesbar und jede Äußerung musste umständlich verschriftlicht werden. Eine gebärdensprachdolmetschende Person konnte bzw. kann zwar einbezogen werden, jedoch nur mit entsprechendem Planungsaufwand bei größeren Besprechungen. Die vorliegenden Probleme störten soweit die Kommunikation, dass nur noch die wichtigsten Informationen schriftlich an die Sachbearbeiterin mit Gehörlosigkeit übermittelt wurden und dies zur teilweisen Ausgrenzung aus dem im Team führte.

Um die Kommunikationssituation für das Team zu optimieren, wurde von einem hilfsmittelanbietenden Unternehmen in einem Pilotprojekt erstmalig eine spezielle netzwerkfähige Softwarekombination (Spracherkennung, Sprachausgabe und Konferenzsoftware) auf die neu angeschafften Laptops der Team-Angehörigen installiert. Diese Softwarekombination verfügt neben der Spracherkennung, die Sprache in Text umwandelt, auch über die Möglichkeit eingegebene Texte in Sprache ausgeben zu lassen (über die Sprachausgabe) und sogar das Gespräch dabei visuell über einen Avatar darzustellen. Die hörenden Team-Angehörigen benutzen dazu ein drahtloses Headset mit dem sie sich untereinander über die Konferenzsoftware per Sprache verständigen und dabei frei im Raum bewegen können (z. B. bei Besprechungen). Das Gesprochene wird parallel über die Spracherkennung identifiziert und gleichzeitig in Textform auf jedem Laptop-Monitor angezeigt. So kann die Sachbearbeiterin mit Gehörlosigkeit direkt der Kommunikation folgen und ihrerseits antworten oder fragen. Sie gibt dazu die Antworten oder Fragen als Text über die Tastatur ein und dieser wird in Sprache über die Headsets sowie in Textform auf jedem Laptop-Monitor ausgegeben. Die Sachbearbeiterin mit Gehörlosigkeit kann visuell über einen Avatar erkennen, dass ihr Text vorgelesen wird und wie lange dies dauert. Bei der Einführung wurde Sie durch eine schriftdolmetschende Person unterstützt. Ihre hörenden Kolleginnen und Kollegen wurden insbesondere für das Sprechen zur optimalen Spracherkennung geschult. So konnte die Rate der Fehlerkennung mit Hilfe von Stimm-, Atem- und Artikulationstraining gezielt gesenkt werden.
Das Pilotprojekt konnte aufgrund der guten Ergebnisse erfolgreich beendet und die Kommunikation im alltäglichen Arbeitsprozess verbessert werden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Durch die Zusammenarbeit des hilfsmittelanbietenden Unternehmens mit der Inklusionsbeauftragten des Arbeitgebers, den Team-Angehörigen und dem Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes konnte das Projekt erfolgreich zur Verbesserung der Kommunikation zwischen gehörlosen und hörenden Menschen am Arbeitsplatz beitragen. Bereits weitere Unternehmen zeigten deshalb Interesse an der Einführung des Kommunikationssystems. Die Arbeitsgestaltung wurde zu 70 Prozent und die der dolmetschenden Personen zu 100 Prozent vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter und Kontaktdaten zu Gebärdensprachdolmetscherinnen und Gebärdensprachdolmetschern.



Schlagworte und weitere Informationen

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  • IMBA - Gestik/Mimik /
  • IMBA - Hören /
  • IMBA - Lautabgabe/Sprechen /
  • MELBA - Sprechen


Referenznummer:

Pb/110826



Informationsstand: 02.12.2019