Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Praxisbeispiel

Verbesserung der Kommunikation zwischen einer gehörlosen Mitarbeiterin und den Kollegen in der Verwaltung einer Universitätsklinik

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Universitätsklinik.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Frau ist gehörlos. Eine verbale Kommunikation mit ihr ist eingeschränkt möglich, wenn sie die Lippen des Gesprächspartners (zum Lippenablesen) gut sehen kann und deutlich sowie langsam gesprochen wird. Hörbare Informationen (Signale usw.) müssen so verändert werden, dass sie von ihr optisch oder taktil wahrgenommen werden können.

Beruf:

Die Frau arbeitet als Sachbearbeiterin beim Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Die Frau arbeitet in einem Büro und Team, dass die gesamten Dienstpläne für das Personal der Universitätsklinik erstellt. Das Erstellen der Dienstpläne ist mit häufigen Besprechungen sowie Abstimmungen verbunden und bedingt eine starke sowie flexible Kommunikation zwischen den Team-Mitgliedern. Innerhalb des Teams war eine einfache Kommunikation zwischen den drei Team-Mitgliedern ohne Hörbehinderung und dem gehörlosen Team-Mitglied nur sehr eingeschränkt möglich. Sie erfolgte überwiegend mit Hilfe handschriftlich verfasster Notizen und sonst per Lippenablesen oder E-Mail. Das Anfertigen der Notizen dauerte länger, die Handschriften waren teilweise schlecht lesbar und jede Äußerung musste umständlich verschriftlicht werden. Ein Gebärdensprachdolmetscher konnte bzw. kann zwar einbezogen werden, jedoch nur mit entsprechendem Planungsaufwand bei größeren Besprechungen. Die vorliegenden Probleme störten soweit die Kommunikation, dass nur noch die wichtigsten Informationen schriftlich an die gehörlose Sachbearbeiterin übermittelt wurden und dies zu einer Außenseiterposition im Team führte.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern von Gebärdensprachdolmetschern.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Um die Kommunikationssituation für das Team zu optimieren, wurde von einem Hilfsmittelanbieter in einem Pilotprojekt erstmalig eine spezielle netzwerkfähige Softwarekombination (Spracherkennung, Sprachausgabe und Konferenzsoftware) auf die neu angeschafften Laptops der Team-Mitglieder installiert. Diese Softwarekombination verfügt neben der Spracherkennung, die Sprache in Text umwandelt, auch über die Möglichkeit eingegebene Texte in Sprache ausgeben zu lassen (über die Sprachausgabe) und sogar das Gespräch dabei visuell über einen Avatar darzustellen. Die hörenden Team-Mitglieder benutzen dazu ein drahtloses Headset mit dem sie sich untereinander über die Konferenzsoftware per Sprache verständigen und dabei frei im Raum bewegen können (z. B. bei Besprechungen). Das Gesprochene wird parallel über die Spracherkennung identifiziert und gleichzeitig in Textform auf jedem Laptop-Monitor angezeigt. So kann die gehörlose Mitarbeiterin direkt der Kommunikation folgen und ihrerseits antworten oder fragen. Sie gibt dazu die Antworten oder Fragen als Text über die Tastatur ein und dieser wird in Sprache über die Headsets sowie in Textform auf jedem Laptop-Monitor ausgegeben. Die gehörlose Mitarbeiterin kann visuell über einen Avatar erkennen, dass ihr Text vorgelesen wird und wie lange dies dauert. Bei der Einführung wurde die gehörlose Mitarbeiterin durch Schriftdolmetscher unterstützt. Ihre hörenden Kollegen wurden insbesondere für das Sprechen zur optimalen Spracherkennung geschult. So konnte die Rate der Fehlerkennung mit Hilfe von Stimm-, Atem- und Artikulationstraining gezielt gesenkt werden.
Das Pilotprojekt konnte aufgrund der guten Ergebnisse erfolgreich beendet und die Kommunikation im alltäglichen Arbeitsprozess verbessert werden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Durch die Zusammenarbeit des Hilfsmittelanbieters mit der Inklusionsbeauftragten des Arbeitgebers, den Team-Mitgliedern und dem Technischen Beratungsdienst des Integrationsamtes konnte das Projekt erfolgreich zur Verbesserung der Kommunikation zwischen gehörlosen und hörenden Menschen am Arbeitsplatz beitragen. Bereits weitere Unternehmen zeigten deshalb Interesse an der Einführung des Kommunikationssystems. Die Arbeitsgestaltung wurde zu 70 % und die Dolmetscher zu 100 % vom Integrationsamt gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrationsämter.



Schlagworte und weitere Informationen

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  • IMBA - Gestik/Mimik /
  • IMBA - Hören /
  • IMBA - Lautabgabe/Sprechen /
  • MELBA - Sprechen


Referenznummer:

Pb/110826



Informationsstand: 30.07.2013