Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsplatzgestaltung für eine Erzieherin mit einer Sehbehinderung in einem Kindergarten

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist ein Kindergarten.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Frau hat eine Netzhauterkrankung (Morbus Stargardt) und ist deshalb sehbehindert. Ihre Sehschärfe hat sich in den letzten Jahren weiter verschlechtert. Die Restsehfähigkeit beträgt auf beiden Augen ca. 10-15%, wobei die Erkrankung zusätzlich zu einer Blendempfindlichkeit führte. Sie trägt deshalb bei Sonneneinstrahlung eine Sonnenbrille. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis beinhaltet die Merkzeichen G, B, H und RF.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau ist ausgebildete Erzieherin und seit einigen Jahren in Teilzeit beim Arbeitgeber beschäftigt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Die Kindergärtnerin übt ihre Tätigkeit im Gebäude (Gruppenräume, gemeinsames Büro für Verwaltungsarbeiten usw.) und Außenbereich (Spielbereich des Kindergartens, Ausflüge usw.) aus. Zu ihren Aufgaben gehören dabei die:
- Beaufsichtigung der Kinder (zusammen mit einer Kollegin),
- Teilnahme an Besprechungen und Fortbildungen,
- Planung, Vorbereitung und Durchführung von Angeboten und Veranstaltungen für Kinder und Eltern (z. B. Ausflüge, Wanderungen) und
- Erstellung und Bereitstellung der erforderlichen Materialien und Unterlagen.
Für die Verwaltungsaufgaben und Erstellung von Materialien steht in einem Büro ein PC zur Verfügung, der von allen Mitarbeiterinnen diesbezüglich genutzt wird. Der Bildschirmarbeitsplatz wurde vor einigen Jahren bei der Einstellung der Mitarbeiterin behinderungsgerecht mit:
- einem Monitorschwenkarm zum Positionieren des Bildschirmes im optimalen Sehabstand (unter Einhaltung einer ergonomischen Arbeitshaltung),
- einer Software zum Vergrößern der Bildschirminhalte und
- einem Bildschirmlesegerät (Kamera-Lesesystem) zum Vergrößern von Schriftstücken in Papierformat
ausgestattet.
Für die Vergrößerung außerhalb des Büros konnte die Kindergärtnerin damals noch ein mobiles Bildschirmlesegerät bzw. eine elektrische Lupe benutzen.
Die Anforderungen im mobilen Bereich außerhalb des Büros bzw. Bildschirmarbeitsplatzes können aber durch das eingesetzte Hilfsmittel nicht mehr vollständig erfüllt werden.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Für Arbeiten in den Gruppenräumen und im Außenbereich wurde der Erzieherin zusätzlich ein Tablet-PC mit einer Vergrößerungssoftware und eine mobile Handkamera mit stufenloser Vergrößerung, die an das Tablet angeschlossen werden kann, zur Verfügung gestellt. Sie ist dadurch in der Lage auch außerhalb des Büros mit dem behinderungsgerechten Bildschirmarbeitsplatz Dokumente wie beispielsweise Liedtexte, Geschichten oder Spieleanleitungen zu lesen und diese gleichzeitig für die spätere Wiederverwendung auf dem Tablet-PC zu speichern. Durch diese Zusatzausstattung wurde die Beschäftigungssituation der Arbeitnehmerin erheblich verbessert. Sie bietet jedoch keine Möglichkeit, die visuellen Anforderungen im Rahmen der Aufsichtspflicht (Spielen im Außenbereich, Spaziergänge und Ausflüge) zu kompensieren. Hier ist auch in Zukunft weiter die Unterstützung durch eine Kollegin erforderlich.
Die Schulung und Einweisung zur Nutzung des Tablets in Verbindung mit der Vergrößerungssoftware und Handkamera erfolgte am Arbeitsplatz durch den Hilfsmittelanbieter.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung und die Schulung / Einweisung wurden vom Integrationsamt gefördert - dabei entstand für den Arbeitgeber kein wirtschaftlicher Vorteil. Die Beratung erfolgte durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrationsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrationsämter.



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Referenznummer:

Pb/110927



Informationsstand: 24.05.2018