Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsgestaltung für eine Sozialarbeiterin mit einer Sehbehinderung bei einem Wohlfahrtsverband

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist ein Wohlfahrtsverband in einer Stadt, der die Einwohner vorbeugend sowie begleitend und bei sozialer, gesundheitlicher / sittlicher Gefährdung und Not unterstützt.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiterin:

Die Frau hat eine Sehbehinderung. Sie kann optische Informationen (z. B. Schrift) nur vergrößert und kontrastreich wahrnehmen.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau studierte vor einigen Jahren Soziale Arbeit. Während des Studiums nutzte sie optische Hilfsmittel, wie eine Lupenbrille, Handlupe und Monokular und die Hilfe ihrer Studienkollegen, die ihr bei Bedarf die Inhalte von der Tafel vorlasen. Nach ihrem Studium absolvierte sie ihr Anerkennungsjahr beim Wohlfahrtsverband. Während des Anerkennungsjahrs konnte sie den Wohlfahrtsverband von ihrer Qualifikation überzeugen, so dass dieser sie danach fest als Sozialarbeiterin für die psychosoziale Beratung anstellte. Nach einer beruflichen Auszeit durch die Elternzeit, wurde sie weiter als Sozialarbeiterin für die Erziehungsberatung eingesetzt. Der Arbeitgeber hat ihr angeboten bzw. unterstützt dazu ihre nebenberufliche Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin.
Im Rahmen der behinderungsgerechten Gestaltung des Arbeitsplatzes empfahl der Integrationsfachdienst (IFD) auch eine Schulung zum Einsatz der Hilfsmittel und Verwendung von nützlichen Tastenkombinationen (Shortcuts) in einem Berufsbildungswerk (BBW) für blinde und sehbehinderte Menschen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Die Sozialarbeiterin berät Eltern und Kinder bei Schwierigkeiten und Problemen in der Erziehung. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Präventionsarbeit, Erstberatung und Entwicklung sowie Durchführung von Präventionskursen. Im Rahmen ihrer Tätigkeit nutzt sie einen PC und Programme zur Textverarbeitung und Präsentation (Bild 1). Ihr Bildschirmarbeitsplatz wurde zum Ausgleich der Seheinschränkungen mit:
- einer Vergrößerungssoftware,
- einem Kameralesesystem (Bildschirmlesegerät) mit Großbildschirm,
- einer Großschrift-Kontrast-Tastatur,
- einem Großbildschirm für den PC und
- einem Monitorschwenkarm mit zwei Armen für die beiden Bildschirme (Bild 2)
ausgestattet.
Zusätzlich wurde ein ergonomischer Arbeitstisch zur Verfügung gestellt, um die Hilfsmittel im Greif- und Sehraum anordnen zu können.
Mit Hilfe der Vergrößerungssoftware kann sich die Sozialarbeiterin die Inhalte auf dem Großbildschirm des PCs, der über einen Arm des Monitorschwenkarms im optimalen Sehabstand positioniert werden kann, vergrößert und kontrastreicher anzeigen lassen. Das eingesetzte Kameralesesystem besitzt einen Kreuztisch zum genauen Positionieren der Vorlagen. Der Kamerakopf ist drehbar und kann so schnell an die unterschiedlichen Vorlagen (hoch und quer) angepasst werden. Die Sozialarbeiterin setzt das Kameralesesystem ein, um sich die Inhalte von Vorlagen in Papierformat vergrößert auf dem zweiten Großbildschirm darzustellen oder um Unterlagen auszufüllen. Zur Eingabe und Bedienung des PCs, der Vergrößerungssoftware und des Kameralesesystems nutzt sie eine Maus und eine Großschrift-Kontrast-Tastatur. Durch die Nutzung von Shortcuts an der Tastatur kann die Sozialarbeiterin vielfach auf den Mauseinsatz verzichten und muss somit nicht den Mauszeiger in die Menüs bewegen und den Vorgang dazu visuell erfassen - was für sie auch zu einer Arbeitserleichterung führt.
Der zweite Großbildschirm für das Kameralesesystem kann ebenfalls über den anderen Arm des Monitorschwenkarms im optimalen Sehabstand positioniert werden. Zur Vergrößerung der Informationen von Vorlagen, die nicht oder nur sehr umständlich mit Hilfe des Kameralesesystems vergrößert werden können, nutzt sie ein Tablet. Es ist leicht zu transportieren und kann deshalb auch gut zu Besprechungen oder Fortbildungen mitgenommen werden. So wird es möglich bestimmte Inhalte, wie z. B. Präsentationen, vorher auf das Tablet zu speichern, um sie während der Veranstaltung parallel vergrößert mitzulesen oder Flipcharts bei Besprechungen zu fotografieren, um die Fotos bzw. Inhalte dann mit den Fingern zu zoomen (Bild 3).
Die Sozialarbeiterin ist mit der behinderungsgerechten Gestaltung ihres Arbeitsplatzes und der Beratung dazu durch den IFD für blinde und sehbehinderte Menschen sehr zufrieden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die behinderungsgerechte Gestaltung und Schulung im BBW für blinde und sehbehinderte Menschen zur Nutzung der elektronischen Hilfsmittel wurden vom Integrationsamt gefördert. Die Beratung erfolgte dabei durch den Fachdienst für Menschen mit Sehbehinderungen des Integrationsamtes (Beratung zur Erstausstattung) und den örtlichen Integrationsfachdienst für blinde und sehbehinderte Menschen, der im Rahmen der Nachversorgung nach der Elternzeit das Tablet und die Schulung empfahl.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrationsämter und Fachdienste für blinde und sehbehinderte Menschen.



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Referenznummer:

Pb/110959



Informationsstand: 26.06.2018