Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsgestaltung für einen Mitarbeiter mit einer hochgradigen Schwerhörigkeit im Bereich des Materialtransportes

Arbeitgeber:

Das mittelständische Unternehmen stellt Backmischungen und -waren her.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat eine hochgradige Schwerhörigkeit. Ohne Hörgeräte ist er nicht mehr fähig akustische Informationen, z. B. Lautsprache und Signale, wahrzunehmen. Die eingesetzten Hörgeräte sind beruflich für Lärmbereiche zugelassen, verstärken beispielsweise Sprache sehr stark (um 75 dB) und dämpfen Störgeräusche. Der Mann kann auch mittels Gebärdensprache kommunizieren.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann ist gelernter Bäcker. Er wurde neu eingestellt und arbeitet seit kurzem bei seinem jetzigen Arbeitgeber als Produktionshelfer. Sie finden auch Ausbildungseinrichtungen für schwerhörige und gehörlose Menschen in REHADAT.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

Der Mitarbeiter arbeitet im Schichtbetrieb im Produktionsbereich. Seine Aufgabe besteht darin, die in Säcken auf Paletten angelieferten Rohmaterialien in die Vorratstrichter der aufgestellten Maschinen zu schütten. Diese schweren Hebe- und Tragearbeiten übt der Mitarbeiter während der gesamten Schicht aus, da er keinen Gabelstaplerführerschein besitzt und deshalb keinen Gabelstapler fahren darf. Die körperliche Tätigkeit belastet ihn sehr, außerdem muss bei der Einsatzplanung der Beschäftigten ständig auf ihn Rücksicht genommen werden, da ein flexibler Einsatz des Mitarbeiters zum Materialtransport nicht möglich ist.
Um dem Mitarbeiter flexibel einsetzen zu können, bot der Arbeitgeber dem Mitarbeiter an einen Gabelstaplerführerschein (Befähigungsnachweis zum Führen von Flurförderzeugen) nach den Vorschriften der Berufsgenossenschaft zu machen. Für die Zeit der Ausbildung zum Gabelstaplerfahrer war eine Gebärdensprachdolmetscherin bzw. eine Gebärdensprachdolmetscher erforderlich. Durch den Erwerb des Gabelstaplerführerscheins konnten die schweren Hebe- sowie Tragearbeiten reduziert und der Mitarbeiter voll in die Arbeitsgruppe integriert werden. Behinderungsbedingt mussten, zur Vermeidung von Unfällen, an den Wegkreuzungen und Einmündungen drei Kugel- und zwei Flachspiegel installiert werden, damit der Mitarbeiter die Verkehrswege gut überblicken kann. Im Bereich der Einfahrt zur Abteilung Sichterei war wegen der unübersichtlichen Platzverhältnisse die Demontage von zwei Silos notwendig, damit übersichtliche Verkehrswege entstehen konnten. Eine weitere Durchfahrt von der Sichterei zur Lagerhalle wurde wegen der schlechten Einsicht und der völlig fehlenden Aufhängemöglichkeit für einen Spiegel mit einer bedarfsgesteuerten automatischen Rundumleuchte gesichert. Der im Betrieb zur Verfügung stehende leise Elektro-Gabelstapler ist mit einem großen Rückspiegel ausgestattet und kann somit von den Mitarbeitern gut genutzt werden. Es wurde vereinbart, dass die Fahrerlaubnis des Mitarbeiters auf den abgesicherten Bereich der Sichterei und des zugehörigen Lagers mit der Ladestation begrenzt wird.
In REHADAT finden Sie auch:
- die gesetzlichen Verordnungen für hörbehinderte bzw. behinderte Menschen zur Erlangung einer Fahrerlaubnis für den Straßenverkehr und
- die Adressen und Tel.-Nummern der Berufsgenossenschaften zur Kontaktaufnahme.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die Hörgeräte wurden von der gesetzlichen Krankenversicherung bzw. Krankenkasse zum Ausgleich der Behinderung mit einem Festbetrag gefördert. Da der Mitarbeiter im Lärmbereich eingesetzt wird, waren speziell für solche Bereiche zugelassene Hörgeräte erforderlich. Der Mehrbedarf für geeignete Hörgeräte wurde deshalb von der Arbeitsagentur im Rahmen der Neueinstellung gefördert, wobei die Beratung durch deren Technischen Beratungsdienst erfolgte. Die Arbeitsagentur förderte auch einen Eingliederungszuschuss als monatlichen Lohnkostenzuschuss, da der Mitarbeiter schwerbehindert ist, arbeitslos war und die Einarbeitung mehr als das sonst übliche Maß erforderte.
Die Beratung, Messungen sowie Anpassung der Hörgeräte erfolgte durch einen Hörgeräteakustiker.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummer der Arbeitsagenturen.



Schlagworte und weitere Informationen

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  • Übersetzung /
  • Unfallgefahr /
  • Unfallverhütung /
  • Vollzeitarbeit

  • ERGOS - Hören /
  • IMBA - Arbeitssicherheit /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Gestik/Mimik /
  • IMBA - Hören /
  • IMBA - Schichtarbeit /
  • IMBA - Unfallgefährdung


Referenznummer:

R/PB2869



Informationsstand: 18.11.2019