Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsplatzgestaltung für einen Ingenieur mit Sehbehinderung bei einem Energiewerk

Arbeitgeber:

Der Mann ist bei einem Energiewerk beschäftigt.

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann ist hochgradig sehbehindert. Er erkrankte an einer Makular-Degeneration, bei der die Stelle des schärfsten Sehens durch verschiedene Einflüsse zerstört wird. Der Mann kann optische Informationen, wie z. B. Buchstaben oder Symbole, nur sehr eingeschränkt wahrnehmen. Im Gesichtsfeldzentrum sieht er laut eigener Aussage nichts mehr, nur in den äußeren Randbereichen kann er noch eingeschränkt sehen.

Ausbildung und Beruf:

Der Ingenieur arbeitet als Beauftragter für das betriebliche Vorschlagwesen in dem Energiewerk.
In REHADAT finden Sie auch Ausbildungseinrichtungen für sehbehinderte Menschen.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Als Beauftragter für das betriebliche Vorschlagwesen bearbeitet der Ingenieur Vorschläge, die Mitarbeiter des Energiewerks zur technischen Weiterentwicklung oder zur Verbesserung technischer Abläufe einreichen. Er hat daher viel mit Texten und Zeichnungen zu tun.
Vor einigen Jahren war seine Sehbehinderung so weit fortgeschritten, dass er erstmals technische Hilfsmittel benötigte. Damals erhielt er ein Bildschirmlesegerät (Kameralesesystem), das Informationen (z. B. Texte und Tabellen) entsprechend vergrößert auf einen Großbildschirm übertrug. Allerdings war damit das Problem mit dem Schreiben noch nicht gelöst. Zusätzlich verschlechterte sich das Sehvermögen, so dass eine Kompensation durch neue Hilfsmittel erforderlich wurde.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Die Schwerbehindertenvertretung des Kraftwerks ergriff die Initiative. Sie nahm Kontakt mit einer Zweigstelle des zuständigen Integrationsamtes auf. Gemeinsam mit dem technischen Berater des Integrationsamtes und einem Berufsbildungswerk wurden erste Vorstellungen zur Ausstattung des Arbeitsplatzes erarbeitet. Dem Mitarbeiter wurde ermöglicht, die geeigneten Geräte beim Berufsbildungswerk zu testen. Nachdem alle technischen Möglichkeiten geprüft wurden, entwickelten die Fachberater im Berufsbildungswerk einen Vorschlag für eine Arbeitsplatzgestaltung, den sie an die Zweigstelle des Integrationsamtes weiterleiteten.
Für den Ingenieur eignet sich nur eine Computerausstattung mit Spracherkennung und Sprachausgabe, da er Brailleschrift nicht lesen und somit nicht mit einer Braillezeile arbeiten kann. Um die Technik seiner neuen Arbeitsplatzausstattung zu beherrschen, benötigte er eine einwöchige Schulung.
Heute diktiert der Mitarbeiter Texte dem Computer mittels Head Set und Spracherkennungssystem. Die diktierten Texte können normal oder stark vergrößert auf dem Großbildschirm mit Hilfe einer Vergrößerungssoftware dargestellt werden. Mit Hilfe eines Scanners und einer Texterkennung kann der Mitarbeiter fremde Texte einlesen. Sie werden dann mit Hilfe einer Software vergrößert auf dem Bildschirm seines Computers dargestellt, oder er lässt sich den Text mit Hilfe der Sprachausgabe vom Computer, über Soundkarte und Lautsprecher, vorlesen. Der Ingenieur kann seinen Computer auch mit bestimmten Wortbefehlen steuern bzw. bedienen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die behinderungsgerechte Arbeitsplatzgestaltung wurde von dem Integrationsamt begleitet und durch die Übernahme von 70% der Gesamtkosten gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Ingenieur-Fachdienst des Integrationsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.- Nummern der Integrationsämter.



Schlagworte und weitere Informationen

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  • Texterkennung /
  • Texterkennungssoftware /
  • Textverarbeitung /
  • Vergrößerung /
  • Vergrößerungssoftware /
  • Vollzeitarbeit

  • ERGOS - Sehen /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Sehen /
  • IMBA - Sehen (Gesichtsfeld/Räumliches Sehen)


Referenznummer:

R/PB3032



Informationsstand: 04.06.2018