Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Praxisbeispiel

Arbeitsplatzgestaltung für einen Mitarbeiter mit Gehörlosigkeit in einer Bäckerei

Arbeitgeber:

Der Arbeitgeber ist eine Bäckerei, in der 14 Personen beschäftigt sind - davon sind zwei schwerbehindert.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist gehörlos und nicht fähig akustische Informationen, z. B. Lautsprache und Signale, wahrzunehmen. Behinderungsbedingt müssen deshalb hörbare Informationen so verändert werden, dass sie von dem Mann optisch oder taktil wahrgenommen werden können. Der GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis trägt das Merkzeichen RF.

Beruf:

Der Mann hat keinen Beruf erlernt. Er arbeitet seit einigen Jahren als Hilfskraft bei seinem Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation:

Der Mitarbeiter arbeitet in der Backstube der Bäckerei. Er hat keinen direkten festen Arbeitsplatz mit genau bestimmten Arbeitsaufgaben, sondern hilft überall dort aus, wo es notwendig ist. Er kann nicht selbständig arbeiten, da die ständig wechselnden Arbeitsaufgaben eine erhöhte Abstimmung mit den Kollegen und somit eine ständige Kommunikation erforderlich macht.
Der Mitarbeiter wird, damit er eigenständig arbeiten kann, an einer neu angeschafften automatischen Brötchenanlage eingesetzt. Dort legt der Mitarbeiter den vorgefertigten Teig für die Brötchen in die Anlage und gibt die Daten (Einzelgewicht und Stückzahl der Brötchen) an einem Panel mit Display zur Steuerung und Kontrolle der Anlage ein. Die von der Anlage geformten Brötchen fallen anschließend entsprechend auf die vom Mitarbeiter zuvor eingeführten Bleche, die er anschließend gefüllt mit den geformten Brötchen entnimmt und sie in eine Ebene eines Rollwagens schiebt. Die Anlage wurde zusätzlich mit optischen Signalanzeigen ausgerüstet, damit so der Mitarbeiter visuell gewarnt oder auf eine Störung aufmerksam gemacht werden kann. Zusätzlich erscheinen Anweisungen und Meldungen standardmäßig auf dem Display der Anlage, so dass der Mitarbeiter die Anlage ohne fremde Hilfe überwachen und bei Bedarf entsprechend reagieren kann. Neben der Bedienung der Anlage, ist der Mitarbeiter auch für deren Reinigung zuständig.

Zu Beginn wurde die Funktion der Anlage dem Meister bzw. Backstubenleiter und gehörlosen Mitarbeiter vom Hersteller erläutert. Dabei anwesend war ein zuvor bestellter Gebärdensprachdolmetscher, der entsprechend die sprachlichen Ausführungen in Gebärdensprache übersetzte. Eine Gebärdensprachdolmetscherin oder ein Gebärdensprachdolmetscher kann beispielsweise auch für Besprechungen und Unterweisungen zur Verbesserung der Kommunikation mit einbezogen werden.

Förderung und Mitwirkung:

Für die Anschaffung der Brötchenanlage erhielt die Bäckerei einen Zuschuss und ein zinsloses Teildarlehen vom Integrations- bzw. Inklusionsamt. Das Integrations- bzw. Inklusionsamt förderte auch den Einsatz des Gebärdensprachdolmetschers. Die Beratung erfolgte durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter und von Gebärdensprachdolmetscherinnen sowie Gebärdensprachdolmetschern.



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Referenznummer:

R/PB4118



Informationsstand: 05.12.2018