Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Praxisbeispiel

Gestaltung eines Arbeitsplatzes für einen Produktionshelfer mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung und seinen Kollegen mit einer Rückenerkrankung

Arbeitgeber:

Die 147 Mitarbeiter des Unternehmens stellen Massenartikel für die elektrische Installationstechnik, z. B. Endhülsen, Klemmen, Kabelschuhe, Rohrhülsen und Hohlniete, her.

1. Behinderter Mitarbeiter:

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der Mann hat eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Er ist deshalb nur eingeschränkt belastbar, da er körperlich anstrengende Arbeiten nicht mehr verrichten kann. Außerdem ist er leicht sehbehindert, weshalb ihm Arbeiten die ein genaues Sehvermögen erfordern nicht mehr übertragen werden können. Der Grad der Behinderung (GdB) beträgt 30.

Beruf:

Er ist gelernter Maschinenschlosser und arbeitet seit 37 Jahren als Produktionshelfer bei seinem Arbeitgeber.


2. Behinderter Mitarbeiter:

Behinderung und Funktionseinschränkung:

Der zweite Mann hat eine Rückenerkrankung. Er kann behinderungsbedingt keine schweren Lasten mehr heben oder tragen. Zwangshaltungen wie beispielsweise Bückbewegungen sollte er ebenfalls vermeiden. Der Grad der Behinderung (GdB) beträgt 30.

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter hat keinen Beruf erlernt. Er arbeitet seit 24 Jahren als Produktionshelfer bei seinem Arbeitgeber.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Die beiden Mitarbeiter sind zuständig für die Reinigung, Sortierung und Kontrolle der gefertigten Massenartikel ( vorwiegend Rohrhülsen und Hohlnieten). Um vom Produktionsprozess anhaftendes Öl oder Kühlschmiermittel zu beseitigen, werden die hergestellten Artikel zuerst in einer Zentrifuge geschleudert. Zu diesem Zweck müssen die Artikel aus zylindrischen Stahlbehältern von Hand in die Zentrifuge gekippt werden. Nach dem Schleudervorgang wird die gelochte Trommel mit den Artikeln der Zentrifuge entnommen und der Inhalt zur weiteren Reinigung in auf dem Fußboden bereitstehende Kästen umgefüllt. Im nächsten Schritt werden die hergestellten Artikel mit großen Kellen aus den auf dem Boden stehenden Kästen entnommen und in schräg angeordnete, drehbar gelagerte Behälter umgefüllt, um weitere Verunreinigungen (z. B. Späne) auszusieben. Nach Beendigung des Siebvorgangs sind die Kleinteile mit einer Kelle wieder aus den Drehbehältern zu entnehmen, stichprobenartig einer Maßkontrolle zu unterziehen und wieder in Kästen zu füllen.
Am Arbeitsplatz sind die Behälter aus Stahl und Kunststoff mit Gewichten bis zu 30 kg mehrfach in die jeweilige Arbeitsposition zu bringen. Es fallen somit schwere Hebe- und Tragearbeiten an, die teilweise in gebückter Körperhaltung ausgeführt werden müssen. Auch das Umfüllen der Artikel mit den Kellen erfordert häufiges Bücken bei gleichzeitigem Heben und Tragen von Gewichten bis zu 3 kg. Die ständige Maß- und Sichtkontrolle der Artikel setzt außerdem ein einwandfreies Sehvermögen voraus.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Zur Entlastung der Mitarbeiter und zur Sicherstellung einer 100-prozentigen Kontrolle der Massenartikel hat der Arbeitgeber eine automatische Mess- und Sortiermaschine mit Hochbeschicker angeschafft. Der Hochbeschicker übernimmt die Beförderung der Materialbehälter und die Befüllung des Vorratsbunkers. Da die Kästen auf einer Rollbahn bereitgestellt werden und somit direkt dem Hochbeschicker zugeführt werden können, entfällt jegliche Hebe- und Tragearbeit für die Mitarbeiter. Vom Bunker des Hochbeschickers aus gelangen die produzierten Güter durch Schwingbewegungen in einen Wendelförderer, der die Vereinzelung und lagerichtige Ausrichtung der Artikel und die Weitergabe an die Walzenmesseinrichtung übernimmt. Je nach Messergebnis erfolgt dann eine automatische Sortierung der Artikel in verschiedene Kästen, die wiederum zum einfachen Abtransport auf Rollenbahnen stehen.
Durch das spezielle Zuführsystem mit Schwingförderer werden gleichzeitig Späne und Verunreinigungen aussortiert, so dass ein separater Arbeitsgang hierfür entfallen kann. Die Zentrifuge zur Abscheidung von Öl und Emulsion wird weiterhin benötigt.
Um die Ein- und Umfüllvorgänge zu erleichtern wurde ein Säulendrehkran als Hubhilfe installiert.

Seit der Neugestaltung des Arbeitsplatzes besteht die Aufgabe der Mitarbeiter darin:
- die Zentrifuge zu beschicken,
- die Kästen auf einer Rollenbahn dem Hochbeschicker zuzuführen,
- die Mess- und Sortiermaschine einzurichten sowie zu überwachen,
- die Behälter über eine Rollenbahn abzutransportieren und
- die Behälter mit den geprüften Massenartikeln zu wiegen.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde zu 50% vom Integrationsamt finanziell gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Ingenieur-Fachdienst des Integrationsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrationsämter.



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  • IMBA - Tragen /
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)


Referenznummer:

R/PB5179



Informationsstand: 04.06.2018