Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Praxisbeispiel

Gestaltung eines Arbeitsplatzes für einen gehörlosen Tischler bei einem Möbel herstellenden Handwerksbetrieb

Arbeitgeber:

Der Handwerksbetrieb fertigt mit seinen sechs Mitarbeitern nach Auftrag individuelle Möbel und ist im Innenausbau von Wohngebäuden tätig.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann ist gehörlos und nutz die Gebärdensprache zur Kommunikation. Er ist nicht fähig akustische Informationen wahrzunehmen. Hörbare Informationen (z. B. Sprache und Signale) müssen so verändert werden, dass sie von dem Mann optisch oder taktil wahrgenommen werden können.
Sein GdB (Grad der Behinderung) beträgt 100. Der Schwerbehindertenausweis enthält das Merkzeichen RF.

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter ist gelernter Tischler und seit einigen Jahren beim Arbeitgeber beschäftigt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Istzustand):

Der Mitarbeiter wird überwiegend im Produktionsbereich der Werkstatt zur Bedienung der Holzbearbeitungsmaschinen und für die Vormontage der Möbel eingesetzt. Behinderungsbedingt ist er nicht in der Lage zu erkennen, ob die Absauganlage eingeschaltet ist oder nicht. Aus diesem Grunde vergisst er häufig, die Anlage in Betrieb zu setzen, was zur Folge hat, dass nach kurzer Zeit die Absaugrohre völlig mit Spänen verstopft sind. Das Aggregat der Anlage ist so ausgelegt, dass die Absaugleistung für den gleichzeitigen Betrieb von etwa drei bis vier Maschinen ausreicht. Die Absaugrohre an den nicht betriebenen Maschinen sind deshalb zur Erzielung eines ausreichenden Unterdrucks manuell abzuschieben. Auch dieses vergisst der Mitarbeiter häufig, da er die Sauggeräusche nicht wahrnehmen kann.
Ein weiteres Problem besteht an der Absackanlage der Späneabsaugung. Bei einem gefüllten Spänesack ändert sich durch die erhöhte Pressung das Laufgeräusch des Absaugaggregates. Da der Mitarbeiter die Veränderung des Laufgeräusches nicht wahrnehmen kann, verpasst er des Öfteren den richtigen Zeitpunkt zum Auswechseln des Auffangsackes.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe (Sollzustand):

Behinderungsbedingt wurde die Sackanlage erneuert und mit einer optischen Füllstandsanzeige ausgestattet. Außerdem wurden in die Absaugrohre an den einzelnen Bearbeitungsmaschinen pneumatisch betätigte Absperrschieber eingebaut, die sich nur öffnen, wenn die jeweilige Maschine in Betrieb genommen wird. Die Anzeige der Betriebsbereitschaft der einzelnen Maschinen erfolgt über Blitzlampen bzw. Blitzsignale. Die Ansteuerung des Absaugaggregates geschieht ebenfalls über die Steuerung der einzelnen Maschinen. Auf diese Weise sind die Ein- und Abschaltung der Späneabsaugung und ein ausreichender Unterdruck an den Absaugstellen in jedem Fall gewährleistet.

Arbeitsorganisation:

Die Kommunikation mit ihm im Unternehmen erfolgt über Notizen, Skizzen sowie Gesten und wie in der Fertigung üblich durch technische Zeichnungen. Bei Bedarf kann auch ein Gebärdendolmetscher einbezogen werden, der entsprechend zum Termin bestellt werden muss.
In REHADAT finden Sie auch Gebärdensprachdolmetscher.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung und Mitwirkung:

Die behinderungsgerechte Gestaltung wurde vom Integrationsamt zu 70 % gefördert. Die Beratung erfolgte durch den Ingenieur-Fachdienst für behinderungsgerechte Arbeitsgestaltung des Integrationsamtes - dem sog. Technischen Beratungsdienst.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Tel.- Nummer der Integrationsämter .



Schlagworte und weitere Informationen

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  • ERGOS - Hören /
  • IMBA - Arbeitssicherheit /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Gestik/Mimik /
  • IMBA - Hören /
  • IMBA - Schall/Lärm /
  • IMBA - Unfallgefährdung


Referenznummer:

R/PB5195



Informationsstand: 20.02.2017