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Angaben zum Praxisbeispiel

Ausbildung und Beschäftigung von Mitarbeitern mit Hörschädigungen beim Printmedienbetrieb SP Medienservice

Das Praxisbeispiel ist eine Zusammenfassung eines Interviews, das im Rahmen des Projektes GINKO geführt wurde. Zum Interview gelangen Sie hier.

Arbeitgeber:

Das Unternehmen SP Medienservice wurde 1991 gegründet. Zur Angebotspalette gehören die Bereiche Internet (Webdesign), Grafik und Druck. Das Unternehmen beschäftigt elf festangestellte Mitarbeiter und elf Auszubildende. Zehn Auszubildende und ein festangestellter Mitarbeiter sind
hörgeschädigt. Die Bereitschaft zur Ausbildung und Beschäftigung von hörgeschädigten Menschen basiert auf den guten Erfahrungen des Firmeninhabers. So kann er sich beispielsweise besonders auf die Einsatzbereitschaft sowie quantitative und qualitative Arbeitsleistung seiner hörgeschädigten Mitarbeiter verlassen. Dazu zählen auch die Azubis, die fest in die täglichen Abläufe bzw. Bearbeitung der Aufträge integriert sind.
Die hörgeschädigten Jugendlichen wurden sorgfältig vom Firmeninhaber gemeinsam mit dem Integrationsfachdienst für hörgeschädigte Menschen (IFD) ausgewählt, damit sie den Anforderungen des Unternehmens sowie des Ausbildungsberufes entsprechen und ins Team passen. Nach Aussage des Firmeninhabers sind die hörgeschädigten Azubis meist motivierter und qualifizierter als die üblichen Jugendlichen mit einem identischen Schulabschluss. So hätten seine Azubis mit einem Hauptschulabschluss, ohne ihre behinderungsbedingten Einschränkungen, sicherlich höhere Bildungsabschlüsse erreichen können. Zwar gibt es solche Ausnahmen, doch grundsätzlich konnte er feststellen, dass die Kenntnisse der deutschen Sprache oft sehr schlecht sind. Nach seiner Meinung ist der Grund dafür die Vermittlung der Lerninhalte in den Schulen für hörgeschädigte Menschen, die überwiegend in Gebärdensprache erfolgt. So sei es ihm aufgrund der sprachlichen bzw. schriftlichen Mängel fast nicht möglich gehörlose Auszubildende im Bereich der Mediengestaltung einzusetzen, obwohl dies ein sehr beliebter Ausbildungsberuf sei.
Generell stellt er die Eignung eines Bewerbers für einen Ausbildungsplatz in seinem Unternehmen mittels vorgeschaltetem Praktikum fest, da er so Neigungen, Motivation, Charakter usw. vorher besser im beruflichen Alltag beurteilen kann.
Neben den positiven Aspekten bei der Beschäftigung von behinderten Menschen, die zu einem Mehrwert für das Unternehmen führen, ist es für den Firmeninhaber wichtig einen Beitrag zur Integration von behinderten Menschen zu leisten.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiter:

Die hörgeschädigten (hörbehinderten oder gehörlosen) Mitarbeiter sind nur eingeschränkt oder nicht fähig akustische Informationen, z. B. Lautsprache und Signale, wahrzunehmen. Behinderungsbedingt müssen deshalb hörbare Informationen so verändert bzw. modifiziert werden, dass sie von den Mitarbeitern durch Hilfsmittel (z. B. Hörgerät, Cochlea Implantat, Blitzlampe oder Vibrationsmelder) oder Gebärdensprache wahrgenommen werden können.

Ausbildung und Beruf:

Der erste hörgeschädigte Auszubildende wurde nach einem Praktikum durch die Vermittlung des IFD eingestellt. Der Jugendliche schloss nach drei Jahren seine Buchbinderausbildung erfolgreich ab, wurde fest übernommen und ist heute als Abteilungsleiter der Buchbinderei auch an der Vermittlung der Ausbildungsinhalte beteiligt, da er komplexere Sachverhalte über die Gebärdensprache vermitteln kann. Zur Zeit bildet das Unternehmen Mediengestalter, Buchbinder und Drucker aus. Die hörgeschädigten Auszubildenden besuchen dabei die Berufsschule am Rheinisch-Westfälischen Berufskolleg Essen, da sie hier auch in Gebärdensprache unterrichtet werden können.
Um die behinderungsbedingten Nachteile bei der Zwischen- und Abschlussprüfung auszugleichen, kann ein Zeitzuschlag gewährt oder ein Gebärdensprachdolmetscher zur Prüfungsanpassung eingesetzt werden. Dies muss allerdings vorher bei der zuständigen Kammer beantragt werden.
In REHADAT finden Sie auch spezielle Ausbildungseinrichtungen und Gebärdensprachdolmetscher für hörgeschädigte Menschen.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation:

Das Layout der Drucksachen wird von den Mediengestaltern am PC gestaltet. Anschließend erfolgt dann der Druck durch die Drucker (Bild 1) und je nach Produkt das Zuschneiden, Falzen Leimen und Binden durch die Buchbinder (Bild 2) an den vorhandenen Maschinen.
Da behinderungsbedingt von den gehörlosen Druckern der Signalton beim An- oder Auslaufen der Offsetdruckmaschine nicht wahrgenommen werden konnte, wurde an der Offsetdruckmaschine aus Arbeitsschutzgründen eine optische Rundum-Signalleuchte angebracht (Bild 3).
Zur Kommunikation mit den gehörlosen Mitarbeitern haben sich der Firmeninhaber und die hörenden Kollegen, die für den betrieblichen Ablauf wichtigen Begriffe in Gebärdensprache angeeignet (Bild 4). Aufgrund des Geräuschpegels in der Druckerei ist die Gebärdensprache mittlerweile die übliche Verständigungsart zwischen allen Kollegen in der Maschinenhalle geworden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung:

Der Arbeitgeber erhielt vom Integrationsamt eine Förderung zur Anschaffung von Maschinen für die Arbeitsplätze der hörgeschädigten Mitarbeiter. Außerdem erhielt er für einige Auszubildende eine Einstellprämie aus Mitteln eines NRW-Sonderprogramms (Aktion Integration 5) und von der Arbeitsagentur einen Ausbildungszuschuss als Eingliederungshilfe.
In REHADAT finden Sie auch die Adresse und Tel.-Nummer der Arbeitsagenturen und Integrationsämter.



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Referenznummer:

R/PB5456



Informationsstand: 24.06.2013