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Angaben zum Urteil

Arbeitsunfall - Gesundheitsstörung - unspezifische bronchiale Hyperreagibilität

Gericht:

LSG Celle 6. Senat


Aktenzeichen:

L 6 U 364/98


Urteil vom:

16.12.1999



Orientierungssatz:

1. Zur Anerkennung einer unspezifischen bronchialen Hyperreagibilität (UBH) mit Anzeichen eines leichten Asthma Bronchiale als Arbeitsunfall nach einem Inhalationstrauma durch Maleinsäureanhydrid innerhalb einer Arbeitsschicht.

2. Ein Inhalationstrauma innerhalb einer Arbeitsschicht durch Maleinsäureanhydrid und ein hierdurch verursachtes leichtes Asthma Bronchiale mit unspezifischer UBH ist als Arbeitsunfall anzuerkennen, auch wenn es sich um einen im Merkblatt zur BKV Anl 1 Nr 4302 aufgeführten Listenstoff handelt, weil die Krankheit nicht zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen hat, die für ihre Entstehung, ihre Verschlimmerung oder ihr Wiederaufleben ursächlich gewesen sind oder sein können.

3. Das durch das Inhalationstrauma vom 17.2.1993 verursachte Asthma Bronchiale mit gelegentlicher Atemnot, Spastik, Husten und Auswurf, welches trotz einer dauernden Behandlung mit bronchialerweiternden Medikamenten und inhalativen Kortikosteroiden unverändert fortbesteht, verursacht entsprechend den gehörten medizinischen Sachverständigen unter Einbeziehung der UBH eine MdE von 20%.

4. Die Höhe der MdE folgt aus einer Beurteilung der dem Kläger bei seinen Leidenszustand auf dem gesamten Gebiet des allgemeinen Erwerbslebens verbliebenen Arbeitsmöglichkeiten. Im Rahmen der hierzu anzustellenden
Schätzung sind neben wissenschaftlich begründeten ärztlichen Meinungsäußerungen auch die zumeist in jahrzehntelanger Entwicklung von der Rechtsprechung sowie von dem versicherungsrechtlichen und versicherungsmedizinischen Schrifttum herausgearbeiteten allgemeinen Erfahrungssätze zu beachten.

5. Derzeit gibt es für die Bewertung einer leichtgradigen obstruktiven Atemwegserkrankung auf Grund kontroverser Meinungen in Fachkreisen kein gesichertes Erfahrungswissen. Unter Bezugnahme auf das medizinische Schrifttum (Schönberger/Mehrtens/Valentin: Arbeitsunfall und Berufskrankheit, 6. Auflage 1998, S 1039; Mehrtens/Perlebach: Die Berufskrankheiten-Verordnung, M 4301, Rd-Nr 8, Stand 1999) hat es das LSG für überzeugender gehalten bei der MdE-Einschätzung hierauf abzustellen, weil es nicht alleine auf die Schwere der individuellen Funktionseinbußen des Versicherten ankommt sondern in angemessener Weise der Umstand zu berücksichtigen ist, dass schon die Überempfindlichkeit der Atemwege gegenüber zB von Arbeitsstoffen oder Umgebungseinflüssen ausgehenden Reize zu einer nicht erheblichen Beschränkung der im allgemeinen Erwerbsleben vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten führen kann. Insbesondere hat der erkennende Senat auf die Rechtsprechung des BSG bei der MdE-Einschätzung für Hautkrankheiten Bezug genommen, die außer manifesten Funktionseinschränkungen auch den Gesichtspunkt der aus Gesundheitsgründen notwendigen Vermeidung bestimmter Expositionen berücksichtigt hat (BSG vom 14.11.1984 - 9b RU 38/84 = SozR 2200, § 581 Nr 22, S 73) .


Quelle:

JURIS-GmbH


Referenznummer:

KSRE025900722


Weitere Informationen

Schlagworte:
  • Anerkennung /
  • Arbeitsunfall /
  • Asthma /
  • Atemwegserkrankung /
  • Begutachtung /
  • Minderung der Erwerbsfähigkeit /
  • Sozialgerichtsbarkeit /
  • Unfall /
  • Urteil


Informationsstand: 26.09.2000

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