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Angaben zum Urteil

Gesetzliche Unfallversicherung - Einschränkung des Unfallbegriffs - ungestörter Bewegungsablauf - willentliches Aufrichten des Körpers - Auslegung

Gericht:

SG Potsdam 12. Kammer


Aktenzeichen:

S 12 U 63/10


Urteil vom:

19.11.2010


Grundlage:

SGB VII § 8 Abs. 1 S. 1



Tenor:

1. Die Klage wird abgewiesen.

2. Außergerichtliche Kosten haben die Beteiligten einander nicht zu erstatten.

Tatbestand:

Die Beteiligten streiten darüber, ob das Ereignis vom 03. November 2009 ein Arbeitsunfall mit Folgen für die Gesundheit der Klägerin war.

Die Klägerin wurde am 1970 geboren und übte seit 16 Jahren eine Tätigkeit als Verkäuferin aus. Seit 2005 ist sie bei E in B in der Obst- und Gemüseabteilung tätig.

In dieser Abteilung sind täglich dieselben Arbeiten zu verrichten. Der Arbeitsablauf gestaltet sich wie folgt: Die Klägerin kommt um 6.00 Uhr und muss die Ware verputzen. Die Ware kommt sehr früh und dann ist der Gang in der Gemüseabteilung sehr eng. Die Kunden kommen nur noch mit einem Wagen durch.

Die Klägerin packt die Kisten mit den Waren aus. Die Kisten haben eine Masse von bis zu 25 kg. Die Klägerin nimmt die Kisten von einem Stapel runter, geht in die Hocke und legt die Kiste zum Teil auf die Knie, um die Waren in der Theke zu verpacken. Die Kiste muss dann schnell wieder weg gepackt werden, falls ein Kunde kommt. Hierfür ist ein Rolli vorhanden. Auf den Rolli werden die Kisten gestapelt, wenn sie leer sind. Die Klägerin probiert üblicherweise, die Kiste gleich zusammenzulegen und sich zu drehen, um die Kiste auf dem Rolli zu lagern.

Am 03. November 2009 packte die Klägerin die Kisten aus und ging hierzu in die Hocke. Als die Klägerin sich erhob, knackte es im Knie. Die Klägerin leidet seit diesem Tag an Beschwerden im Knie.

Im Durchgangsarztbericht vom 04. November 2009 führte Dr. B aus, dass eine Kniedistorsion mit einem Erguss des Kniegelenkes auf der rechten Seite vorliege.

Die MRT-Untersuchung des rechten Kniegelenkes vom 05. November 2009 beurteilte Dr. T folgendermaßen:

1. Leichter Teilriss vorderes Kreuzband Grad I. Kapselzerrung dorsal. Kollateralband-/Retinaculum-Distensionen rein ergussbedingt ohne zusätzliche Diskontinuität 2. (Komplexer) Riss Innenmeniskushinterhorn Grad III (-IV): Unterflächeneinriss bzw. potentieller inkompletter Korbhenkelriss mit Teilverlagerung Richtung Eminentia 3. Unbedeutende zentrale Degeneration Außenmeniskusvorderhorn Grad I ohne Riss. Kleinere Hoffa-Einrisse, Erheblicher Gelenkerguss. Synovialproliferate als Aktivierungshinweis 4. Leichte Degeneration retropatellar (initiale Chondropathie zentral Grad I bei Formvariante Wiberg III). Kein Bursaerguss. Kollabierte Baker-Zyste

In der Unfallmeldung vom 09. November 2009 schilderte die Klägerin das Unfallgeschehen. Sie führte aus, dass sie in der Obst- und Gemüseabteilung Waren verräumt habe und beim Aufstehen aus hockender Haltung sich das rechte Knie verdreht habe.

Mit Bescheid vom 25. Januar 2010 lehnte die Beklagte die Gewährung von Entschädigungsleistungen, insbesondere von Heilbehandlung und Verletztengeld, anlässlich der Behandlungsbedürftigkeit ab dem 03. November 2009 ab. Zur Begründung führte sie aus, dass ein Arbeitsunfall nicht vorliege, da hier eine Gelegenheitsursache gegeben sei. Die Einwirkung sei nicht wesentlich für die Entstehung der Gesundheitsstörung gewesen.

Hiergegen legte die Klägerin am 01. März 2010 Widerspruch ein.

Den Widerspruch wies die Beklagte mit Widerspruchsbescheid vom 29. April 2010 als unbegründet zurück. Zur Begründung führte sie aus, dass kein ursächlicher Zusammenhang zwischen der versicherten Einwirkung und der Gesundheitsstörung gegeben sei.

Mit der am 31. Mai 2010 erhobenen Klage verfolgt die Klägerin ihr Begehren weiter. Sie behauptet, dass der vorhandene Kniebinnenschaden auf das Unfallgeschehen vom 03. November 2009 zurückgeführt werden könne.


Der Klägerbevollmächtigte beantragt:

Unter Aufhebung des Bescheides vom 25. Januar 2010 in der Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 29. April 2010 wird festgestellt, dass der Kniebinnenschaden Folge des Arbeitsunfalls vom 03. November 2009 ist.


Die Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Zur Begründung verweist sie auf die zugrunde liegenden Bescheide.

Im Erörterungstermin vom 27. August 2010 haben die Beteiligten ihr Einverständnis in eine Entscheidung ohne mündliche Verhandlung erklärt und die Klägerin hat ausführlich den Unfallhergang geschildert.

Wegen der Einzelheiten wird auf den Inhalt der Niederschrift des Erörterungstermins vom 27. August 2010 verwiesen.

Fortsetzung/Langtext


Quelle:

Sozialgerichtsbarkeit BRD


Referenznummer:

R/R4692


Weitere Informationen

Themen:
  • Arbeitsunfall / Dienstunfall /
  • Leistungsträger /
  • Unfallversicherung

Schlagworte:
  • Anerkennungsverfahren /
  • Arbeitsunfall /
  • gesetzliche Unfallversicherung /
  • Knieverletzung /
  • Sozialgerichtsbarkeit /
  • Unfall /
  • Unfallversicherung /
  • Urteil /
  • Versicherungsschutz


Informationsstand: 02.02.2011

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