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Lexikon zur beruflichen Teilhabe

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Angaben zum Urteil

Gesetzliche Unfallversicherung - Arbeitsunfall - haftungsbegründende Kausalität - Nachweis - Gelegenheitsursache - geeigneter Unfallhergang - Anlageleiden - Rotatorenmanschettenverletzung

Gericht:

SG Karlsruhe


Aktenzeichen:

S 1 U 3580/18


Urteil vom:

27.06.2019


Grundlage:

SGB VII § 8 Abs. 1 S. 2



Leitsätze:

Die traumatische Verletzung einer Sehne der Rotatorenmanschette setzt einen geeigneten Unfallablauf im Sinne einer unnatürlichen Zugbelastung der Sehne voraus. Fehlt diese unnatürliche Zugbelastung, kann der Vorgang, wie heftig er auch gewesen sein mag, unfallversicherungsrechtlich nicht Ursache des Rotatorenmanschettenschadens sein.

Eine 'leere Anamnese' schließt weder eine Schadensanlage noch einen Vorschaden aus; sie kann allein für sich nicht die Wahrscheinlichkeit eines ursächlichen Zusammenhangs begründen (Anschluss an LSG Baden-Württemberg vom 23.10.2015 - L 8 U 1345/14).

Auch der rein zeitliche Zusammenhang zwischen einer versicherten Tätigkeit und dem Auftreten von Gesundheitsstörungen ist nicht geeignet, den ursächlichen Zusammenhang wahrscheinlich werden zu lassen (Anschluss an BSG vom 17.12.2015 - B 2 U 8/14 R).


Pressemitteilung:
(SG Stuttgart vom 26.06.2019)

Der als Maler und Lackierer beschäftigte Kläger wollte am Unfalltag eine ca. 30 kg schwere Leiter auf die nächste Gerüstlage befördern. Hierzu hob er die Leiter mit nach vorn angewinkelten Armen langsam nach oben an. Bei diesem Vorgang verspürte er einen stichartigen Schmerz und einen Kraftverlust im rechten Schultergelenk. Er konnte die Leiter nicht mehr halten, die auf ihn zurückfiel und an der rechten Hüfte traf. Die beklagte Berufsgenossenschaft anerkannte unter Auswertung radiologischer und arthroskopischer Unterlagen das Ereignis als Arbeitsunfall und als Unfallfolge allein eine folgenlos ausgeheilte Prellung der rechten Hüfte. Zugleich lehnte sie die Anerkennung eines Defekts der Supraspinatussehne als Unfallfolge mit der Begründung ab, der Unfallhergang sei nicht geeignet gewesen, Schädigungen der rechten Schulter hervorzurufen; auch die arthroskopischen Befunde sprächen für eher degenerative Veränderungen.

Die deswegen zum Sozialgericht Karlsruhe erhobene Klage blieb erfolglos: Die traumatische Verletzung einer Sehne der Rotatorenmanschette setze nach medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen einen geeigneten Unfallablauf im Sinne einer unnatürlichen Zugbelastung der Sehne voraus. Eine solche unnatürliche Zugbelastung habe hier nicht vorgelegen. Vielmehr habe es sich um ein inneres und durch die Willensbildung und Kraftanstrengung des Klägers von ihm gesteuertes und kontrolliertes Geschehen gehandelt. Bei der ärztlichen Erstuntersuchung seien auch keine äußeren Verletzungszeichen an der Schulter oder eine Pseudoparalyse zu objektivieren gewesen. Auch der arthroskopische Befund belege einen degenerativen Sehnenschaden. Dass vor dem Unfallereignis weder Funktionsbeeinträchtigungen im Bereich des rechten Schultergelenks vorgelegen hätten noch ärztliche Behandlungsmaßnahmen erforderlich gewesen seien, führe zu keinem anderen Ergebnis, weil Schadensanlagen lange Zeit klinisch stumm verlaufen könnten. Der bloße zeitliche Zusammenhang zwischen einer versicherten Tätigkeit und dem Auftreten von Gesundheitsstörungen sei daher nicht geeignet, den ursächlichen Zusammenhang wahrscheinlich werden zu lassen. Der Unfallhergang habe hier allein den Stellenwert einer rechtlich bedeutungslosen Gelegenheitsursache (Urteil vom 27.06.2019 - S 1 U 3580/18 -).

Fortsetzung/Langtext


Quelle:

Justizportal des Landes Baden-Württemberg


Referenznummer:

R/R8290


Weitere Informationen

Themen:
  • Arbeitsunfall / Dienstunfall /
  • Beschäftigungsverhältnis / Arbeitsplatz /
  • Leistungsträger /
  • Unfallversicherung

Schlagworte:
  • Anerkennung /
  • anlagebedingtes Leiden /
  • Arbeitsplatz /
  • Arbeitsunfall /
  • gesetzliche Unfallversicherung /
  • haftungsbegründende Kausalität /
  • Kausalität /
  • Nachweis /
  • Sozialgerichtsbarkeit /
  • Unfall /
  • Unfallfolge /
  • Unfallversicherung /
  • Ursächlichkeit /
  • Urteil


Informationsstand: 20.01.2020

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