Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

Berufsausbildung

Mit Berufs­ausbildung bezeichnet man die Ausbildung in einem staatlich anerkannten Ausbildungs­beruf. Für die Ausbildung in allen anerkannten Ausbildungs­berufen enthalten das Berufs­bildungs­gesetz (BBiG) und die Handwerks­ordnung (HwO) bundesweite Rechts­vorschriften. Die Ausbildung in anerkannten Ausbildungs­berufen muss nach der jeweiligen Ausbildungs­ordnung erfolgen. In Deutschland finden die meisten Ausbildungen im dualen Ausbildungs­system statt. Im dualen System findet der praktische Teil der Ausbildung im Betrieb statt, während der theoretische Teil in der Berufsschule stattfindet.

Ein anerkannter Berufs­abschluss kann aber grundsätzlich

Sowohl die betriebliche als auch die außer­betriebliche Ausbildung erfolgt in Kooperation mit der Berufsschule.

Vielfalt der Ausbildungsmöglichkeiten

Wer in Deutschland eine Berufs­ausbildung machen möchte, kann unter rund 350 Ausbildungs­berufen wählen (wobei Jugendliche unter 18 Jahren ausschließlich in anerkannten Ausbildungs­berufen ausgebildet werden dürfen). Für jeden gibt es eine Ausbildungs­ordnung, in der Ausbildungs­dauer und -inhalte verbindlich festgelegt sind. Die Ausbildungs­dauer variiert in der Regel zwischen 2 und 3,5 Jahren. Unter bestimmten Umständen kann eine Ausbildung auch verkürzt werden.

Während der Ausbildung werden die notwendigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten eines Berufes vermittelt und erste Berufs­erfahrungen gesammelt. Die Ausbildung wird mit der Abschluss­prüfung vor der zuständigen Handwerks­kammer oder Industrie- und Handelskammer (IHK) abgeschlossen. Danach ist man berechtigt, die Berufs­bezeichnung des erlernten Berufes zu tragen.

Wer eine rein schulische Berufs­ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, kann sich auch in einem staatlich anerkannten Ausbildungs­beruf prüfen lassen, wenn sich die Inhalte der beiden Ausbildungs­berufe gleichen.

Für Jugendliche mit Behinderung gibt es unter Umständen die Möglichkeit, einen Beruf in einer Fachpraktiker-­Ausbildung nach besonderen Ausbildungs­regelungen zu erlernen.

Auszubildende mit Behinderung in der betrieblichen Ausbildung

Für Auszubildende mit Behinderung gelten im Rahmen der betrieblichen Berufs­ausbildung folgende Bestimmungen:

  • Den Auszubildenden dürfen nur Aufgaben übertragen werden, die unter anderem ihren körperlichen Kräften angemessen sind (§ 14 Absatz 2 BBiG).
  • Die Kammern, die für die Durch­führung des Berufsbildungs­gesetzes zuständig sind, sollen die besonderen Verhältnisse behinderter Menschen berücksichtigen (§ 65 Absatz 1 BBiG und § 42 HwO). Dies gilt insbesondere für die zeitliche und sachliche Gliederung der Ausbildung, die Dauer von Prüfungs­zeiten, die Zulassung von Hilfsmitteln und die Inanspruch­nahme von Hilfe­leistungen Dritter wie Gebärden­sprach­dolmetscher­innen und -dolmetscher für hör­geschädigte Menschen.
  • Menschen mit Behinderung sind zur Abschluss­prüfung auch dann zuzulassen, wenn die Voraus­setzungen des § 43 Absatz 1 Nummer 2 und 3 BBiG bzw. des § 36 Absatz 1 Nummer 2 und 3 HwO nicht vorliegen, das heißt, wenn die Teilnahme an vorgeschrie­benen Zwischen­prüfungen oder die Führung vor­geschrie­bener schriftlicher Ausbildungs­nachweise nicht erfolgt ist oder wenn das Berufs­ausbildungs­verhältnis in das Verzeichnis der Berufs­ausbildungs­verhältnisse bzw. in die Lehrlings­rolle nicht eingetragen ist.
  • Wenn besondere Hilfen und eine spezifische Betreuung notwendig sind, kann die Ausbildung behinderter Menschen in beruflichen Reha­bilitations­einrichtungen erfolgen (zum Beispiel in einem Berufs­bildungs­werk).
  • Abweichend von den Ausbildungs­ordnungen sind besondere Ausbildungs­regelungen für behinderte Aus­zubildende auf Antrag des behinderten Menschen oder ihrer gesetz­lichen Vertreter möglich (§ 66 Absatz 1 BBiG und § 42 m HwO).
  • Da Auszubildende arbeits­rechtlich als Arbeit­nehmerinnen oder Arbeitnehmer anzusehen sind, genießen schwer­behinderte Auszubildende den besonderen Kündigungs­schutz (§§ 168-175 SGB IX).
  • Bei der Veran­lagung zur Ausgleichs­abgabe zählen Ausbildungs­plätze, auf denen schwer­behinderte Auszubildende beschäftigt werden, bei der Berechnung der Mindest­zahl von Arbeits­plätzen und der Zahl der Pflicht­plätze nicht mit. Schwer­behinderte Auszubildende werden zugleich auf 2, bei besonderen Voraus­setzungen auf 3 Pflicht­plätze angerechnet (§§ 157, 159 SGB IX).
  • Während der Zeit der Berufs­ausbildung werden Jugendliche und junge Erwachsene schwer­behinderten Menschen auch dann gleichgestellt, wenn der Grad der Behinderung (GdB) weniger als 30 beträgt oder ein Grad der Behinderung nicht festgestellt ist (§ 151 Absatz 4 SGB IX).
(ml) 2018