Lexikon zur beruflichen Teilhabe

Erläuterungen und Definitionen zu mehr als 450 Begriffen. Von A wie Ausgleichsabgabe bis Z wie Zuschüsse.

Betriebliche Prävention

Zur betrieb­lichen Prävention als Teil der betrieb­lichen Gesund­heits­förderung gehören alle Maß­nahmen, die dazu beitragen, Arbeits­unfälle, Berufs­krank­heiten und arbeits­bedingte Gesund­heits­gefahren zu vermeiden. Falls gesund­heitliche Probleme bereits aufgetreten sind, geht es bei der Prävention darum, diese durch entsprechende Maß­nahmen zu beseitigen oder mindestens eine Ver­schlimmerung zu verhindern.

Betriebliche Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention

Differenzierung der betriebl­ichen Prävention:

  • Primär­prävention
    Maß­nahmen, die vor Eintritt einer gesund­heitlichen Schädi­gung, Krank­heit bzw. Behinderung ergriffen werden mit dem Ziel, arbeits­bedingte Gesundheits­gefahren zu vermeiden und die Erkrankungs­wahr­scheinlich­keit der Mit­arbeiter und Mit­arbeiterinnen zu senken. Nach dem Arbeits­schutz­gesetz sind dies vor allem Maß­nahmen des Arbeits­schutzes – "zur Verhütung von Unfällen bei der Arbeit und arbeits­bedingten Gesundheits­gefahren ein­schließ­lich Maß­nahmen der menschen­gerechten Gestaltung der Arbeit" (§§ 1, 2 ArbSchG).
  • Sekundär­prävention
    Maß­nahmen, die ergriffen werden, sobald Leistungs­veränderungen und/oder Vor-/Frühstadien von Erkrankungen deutlich werden (Indikator: Mehr­fach­erkrankungen).
  • Tertiär­prävention/Reha­bilitation
    Maß­nahmen der medi­zinischen und beruf­lichen Reha­bilitation bzw. Leistungen zur Teil­habe am Arbeits­leben einschließlich Stufen­weiser Wieder­einglie­derung. Bei vorhandener gesund­heit­licher Schädigung, Erkrankung und/oder Behinderung sollten die Maßnahmen dazu dienen, die Arbeits- und Beschäftigungs­fähigkeit weit­möglichst zu erhalten bzw. einer Ver­schlimmerung vorzubeugen und weitere Folge­erkrankungen zu vermeiden.

Stellenwert betrieblicher Prävention

Die Aufgabe der Prävention ist nicht neu, erhält jedoch vor dem Hinter­grund aktueller Veränderungen in der Arbeits­welt neue Bedeutung. Dabei geht es vor allem um die zunehmende Arbeits­verdichtung mit ihren möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten und um die demo­grafische Entwicklung.

Im Jahr 2005 hat es in Deutsch­lands Betrieben und Dienst­stellen erstmals mehr über 50-jährige als unter 30-jährige Beschäftigte gegeben. Im Jahr 2015 war jede/r dritte Beschäftigte in Deutschland älter als 50 Jahre alt. Das bedeutet: Die Beleg­schaften altern bei gleichzeitig intensiverer Nutzung ihrer Arbeitskraft. Vor diesem Hintegrund kommt dem Erhalt der Arbeits­fähigkeit und der Ressource Gesund­heit ein immer größerer Stellen­wert zu.

Prävention gemäß § 167 SGB IX

Wenn im Beschäftigungs­verhältnis eines schwer­behinderten Menschen Schwierig­keiten auftreten, geht es darum, diese durch geeignete Maß­nahmen zu beseitigen, zu mildern oder zumindest eine Ver­schlimmerung zu verhindern. So sieht es die im SGB IX eingeführte Regelung vor (§ 167 Absatz 1). Arbeit­geberinnen und Arbeit­geber sind dann verpflichtet, tätig zu werden und ein sogenanntes Präventions­verfahren anzuwenden. Auch die Pflicht zu einem Betrieb­lichen Eingliederungs­management (§ 167 Absatz 2) ist in die betrieb­liche Gesundheits­förderung und Prävention eingebettet.

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(ml) 2018